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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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herzustellen, was ihr auch gelungen ist. Jemehr ihr das aber gelungen, 
je schwieriger ist es ihr, die Härte der bunten Decoration, welche das 
moderne Porcellan kennzeichnet, zu überwinden. Nur die weiche Masse 
von Sevres, wie sie im vorigen Jahrhundert in Gebrauch war und das 
glasige Porcellan von England haben einen zarten cremeartigen gelben 
Ton bewahrt und das ist eine der Ursachen, warum die Malereien auf 
diesen Gefässen viel mehr Reiz, Schmelz und Harmonie haben, als die auf 
dem weissen und harten deutschen Porcellan, das als Masse sonst dem fran 
zösischen und englischen vorzuziehen ist. 
Dieser gelbliche Ton kommt auch dem heutigen englischen Porcellan 
zugute, im Uebrigen aber haben die modernsten Arbeiten, so vielfach sie 
sich auch auf den Weg der Reform begeben haben, doch an der farb 
losen Weise festgehalten. Es muss aber hierin eine Reform eintreten und 
das Porcellan muss seine starre Weise aufgeben und sich wieder in der 
Masse färben, so gelind auch der Ton sein mag, den er annimmt. Es 
wird das auch nicht ausbleiben. 
Wenn wir oben die malerische Decoration des Wiener Porcellans 
aus seiner Glanzepoche von 1790—1810 besonders als der Beachtung für 
eine Reform würdig hervorgehoben haben, so haben wir damit allerdings 
nicht blosse Copien gemeint, wie sie von Jäckel ausgeführt und aus 
gestellt sind, zumal solche nicht, welche das ganze Innere der Teller mit 
Bildern erfüllen. Solche Copien haben nur darin Werth, dass sie jüngere 
Künstler in Technik und Mahveise (erstere zumal hat manches Eigen- 
thümliche) einüben. Das Interesse, welches sie sonst erwecken, ist ein 
sehr bedenkliches, da sie leicht zum Missbrauch verleiten, und das um 
somehr, als mitunter wirklich echte w'eisse Wiener Teller mit der echten 
Marke zu diesen Copien benützt werden. Da ist für denjenigen, der 
nicht aus der geringeren Güte der Malerei zu schliessen vermag, das 
Richtige schwer zu erkennen. Es gibt aber zwei Anhaltspunkte, welche 
eine solche Copie leicht aufdecken: einmal sind die Copien durchweg auf 
schlechterem Material als dasjenige, welches die Fabrik zu so exquisiten 
Malereien zu benützen pflegte, und zum andern stimmen die eingedrückten 
Jahreszahlen, wie sie alles Geschirr der Wiener Fabrik seit etwas vor 
1790 trägt,'selten mit dem Styl der Malerei. 
Einige Anklänge und Motive der Wiener Fabrik aus jener erwähnten 
Periode, z. B. die Decoration mit erhabenem Golde, finden wir auch in 
der gemeinsam ausgestellten Collection der Fabrik von Fischer & Mieg, 
sowie von Wahlis. Im Uebrigen steht die ganze Collection so ziemlich 
auf dem Standpunkt des europäischen Porcellans, bevor die moderne 
Reform desselben begann. Die verschiedenen Motive sind daher auch 
vielmehr französischer dann englischer Art und lassen einen bestimmt 
ausgesprochenen Charakter, der uns zu besonderen Bemerkungen veran- 
lasste, vermissen. Wir können uns daher dieser Collection gegenüber 
mit den allgemeinen, in der Einleitung ausgesprochenen Bemerkungen
	        

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