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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 2)

AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN 50'

VON LUDWIG HEVESI-WIENSP

AUSSTELLUNG DER SECESSION. Am 12. jänner hat die Secession

ihre dritte Ausstellung, die zweite im eigenen Hause, eröffnet. Getreu ihrem

Programm, kleinere Ausstellungen, aber in engerem Nacheinander zu bringen,

gibt sie nicht mehr als etwa x 30 Nummern, allein das Niveau ist so hoch gezogen,

wie wir es noch kaum in einer modernen Ausstellung gesehen haben. Fast alles

ist übrigens Ausland, die wirklichen Mitglieder haben sich ja in der Eröifnungsausstellung

 hinreichend hervorgethan, nun arbeiten sie an ihrer zweiten Aufgabe

weiter, das Wiener Publicum über die massgebende Kunstbewegung im Westen

auf dem Laufenden zu erhalten. Das Hauptstück ist Max Klingers gewaltiges Bild:

„Christus im Olymp." Dank jener künstlerischen Feinschmeckerei, die das

Arrangement im Secessionshause auszeichnet, ist es unter den günstigsten

Verhältnissen zu sehen. Es füllt die Rückwand des Hauses und man schreitet

durch den mittels eines dunklen Velums verdüsterten Hauptsaal zwischen zwei

Reihen Lorbeerbäumchen auf die helle Bildwand los. Das Bild ist in der That

eine 12 Meter breite, gebaute Wand, ein merkwürdiges Gesammtkunstwerk von

Architektur, Plastik und Malerei. Der architektonische Rahmen gründet sich auf

einen gewaltigen Sockel aus grauen und bunten Marmorarten, in den ein dunkler,

gemalter Friesstreifen als Predella eingefügt ist. Dem Sockel sind rechts und

links, eng angeschmiegt, zwei weibliche Rundhguren aus hellem Mannor, die

rechts aus griechischem, vorgestellt. Von jenem dunklen Fries bedeutsam unterstrichen

 entwickelt sich, mit heller Freskowirkung, die grossartige Hauptscene;

zwei in Bimholz geschnittene, leicht vergoldete Palmenstämme mit überhängenden

Wedelkronen theilen sie in eine Art Triptychon. Die oberen Theile des Rahmens

sind ein leichtes Gefüge aus schwarzem Holze, der obere Abschluss mit einem

goldenen Mäander verziert. Die Hauptscene stellt eine herrliche Landschaft vor,

mit Pinienhain und Säulenhaus auf luftiger Höhe, von der man auf das Meer

niederschaut. Im Vordergrunde sind die Olympier versammelt, auf bunter

Blumenflur, von Myrten- und Rosenhecken umhegt. Zeus sitzt auf einem weissen

Marmorblock, den Knaben Ganymed zwischen den Knien. Plötzlich erbleicht er,

vom Scheitel bis in die Sohlen, alles Leben stockt in ihm, denn auf ihn los

kommen fünf Personen geschritten, wie er noch keine geahnt. Voran ein hagerer,

bleicher Mann in goldgelbem Talar und hinter ihm vier schlanke, edle Frauen, die

ein grosses schwarzes Marterkreuz tragen: Christus und die vier Cardinaltugenden.

Vor diesen ernsten Gewandfiguren scheut der ganze nackte Olymp ahnungsvoll

zurück. Die unverhüllte Schönheit Heras, Athenas und Aphroditens magvorderhand

noch mit einer Art aristokratischer Verachtung auf die bekleideten Eindringlinge

niederschauen, Dionysos mag dem bleichen Manne unsicher den Becher rothen

Nektars bieten, den er mit einer Handbewegung zurückweist, Ares mag die

Schneide des Schwertes prüfen, Artemis muss bereits von Apollon gestützt

werden und Persephone mit Hades im Schosse blickt besorgt in die Ferne.

Zeus vollends ist plötzlich zu Stein ergraut, seine Allwissenheit weiss sofort

alles. Er ist am Ende, eine neue Welt steigt herauf. Dieses Aug' in Auge zweier

Welten, zweier Zeiten hat der Künstler mit einer tiefsinnigen Naivetät darzustellen

gewagt, wie sie etwa Dürer haben konnte. Das kühnste Motiv aber ist, dass
            
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