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MAK

Full text : Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 9)

fleissig malte, die das „Handbuch" der ganzen sich um ihn sammelnden

Kunstgemeinschaft wurde, und die später Beardsley so wundervoll illustrirte.

Dahin gehören ferner Keats, den er aus der Vergessenheit hervorzog und

auf das Piedestal setzte, auf dem er in England jetzt noch steht, ferner Blake

und Coleridge. Und schliesslich ist auch die Popularisirung von Fitzgeralds

Rubäiyat of Omar Khayyam, eines Buches, das heute in keinem englischen

Hause fehlt, sein Werk. In der Malerei schuf er ganz und gar und er allein

jene eigenartig-romantische, man möchte sagen specifisch englische Richtung,

die wir eben heute unter dem Begriff der Präraffaelitenschule zusammenfassen

und deren Hauptvertreter nächst ihm Burne-Jones wurde. Aus der Malerei

heraus erstreckte sich sein Einfluss auf _die Zimmerausstattung, auf die

Kleidermode, auf die gesammten decorativen Künste überhaupt. Gewisse

Äusserlichkeiten, wie der decorative Gebrauch der Lilie, der Sonnenblume,

des reichen Baumblattwerkes, die zum Theil noch heute, und gerade neuerdings

 auch auf dem Continent, eine Rolle spielen, gehen auf ihn zurück. Die

weisse Lilie tritt zum Beispiel von Anfang an in seinen Bildern auf. Seine

phantastischen Frauencostüme wirkten auf die englische Frauenwelt so

bestechend, dass lange Zeit eine ganze Kunstgemeinde von Frauen sich

„präraffaelitisch" kleidete, eine Mode, die zum Theil in England heute noch

nachwirkt. Die starke Vorliebe für alterthümliche Möbel, für weiss und

blaues Porzellan zur Verzierung der Kaminrücke und Simsbretter, die in

England noch heute vorhanden ist, hat er geschaffen, er sah diesen Dingen

ihren decorativen Wert zu einer Zeit an (nämlich schon in den Fünfzigerjahren),

 wo die Welt noch achtlos an ihnen vorübergieng. Und schliesslich

ist er der Hauptanreger gewesen für diejenige Wiedergeburt des Kunstgewerbes,

 mit der England seinerzeit der Welt die Wege in ein neues Kunstland

 gewiesen hat und die später auch auf dem Continent zu jenem Umschwung

führen sollte, in dessen Mitte wir augenblicklich stehen.

Dieser letztere Punkt bedarf noch einiger näherer Erläuterung. In Oxford

hatte sich unter einigen Studenten fünf oder sechs Jahre später ein ähnlicher

Bund gebildet, wie die Präraffaelitenbruderschaft unter Rossetti in London.

Seine I-Iauptmitglieder waren William Morris und Bume-Jones. Die Ziele

waren ähnlicher, aber im Grunde zunächst rein litterarischer Art. Das Verbindungsglied

 zur Rosetti-Gruppe hinüber bildete von Anfang an Malorys

„Morte D'Arthur", der hüben wie drüben gleich glühend verehrt wurde.

Rossetti wurde von den Oxfordem angeschwärmt, und als Burne-Jones und

William Morris nach London kamen und seine Bekanntschaft machten,

beschlossen sofort beide jünglinge, Maler zu werden. Sie standen damals

ausschliesslich unter dem Banne seiner Persönlichkeit; „wie Rosetti zu

malen" war ihr Ziel. Bekanntlich blieb Burne-Jones bei der Malerei, während

Morris gelegentlich der Ausstattung seines Hauses, das er sich gebaut hatte,

seinen Beruf entdeckte, dem er sich von da an mit Leidenschaft zuwandte:

die Umgestaltung des bürgerlichen I-Iausrathes und der Hausausstattung.

Nachdem er in diesem Sinne ein Geschäft in denselben Räumen gegründet
            
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