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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 4)

neue Material verliebt war, dass es den zarten Stoff der zierlich graziösen Tändeleien, der

Amorettenspiele und der Pastoralen durchaus auch für I-Ieldenstücke und Heroenmonumente

 en miniature verwenden wollte.

Eine feine Bereicherung hat die Textiliensammlung durch einen grossenWandteppich

erfahren, reich und geschmackvollendet in Goldsückerei auf grünem Sammet, sowie durch

zwei erlesene italienische Chorröcke des XVI. Jahrhunderts, gleichfalls in Goldstickerei auf

Sammet. Sehr ansehnlich sind auch die Metallarbeiten. Drei mächtige Thürklopfer ziehen

vor allem den Blick auf sich. Zwei italienische, der eine aus Goldbronze mit einem Maskenmotiv,

 der andere aus dunkler Bronze, machtvoll gegliedert aus Renaissance-Schmuckfiguren.

 Origineller als sie aber ist der dritte, eine deutsche Arbeit, vermutlich aus Peter

Vischers Werkstatt. Das Mittelstück dieses sehr eigenartigen Klopfers bildet ein Frauenkopf

 in der Art eines Nürnberger Leuchterweibchens und den Ring fügt die derbnaive

Verschlingung eines Mannes- und Frauenkörpers.

Ein edles Stück ist die goldene Pariser Taschenuhr von 1820, die ebenfalls unter

den Neuerwerbungen sich findet und geschmackserziehlich und anregend wirken sollte,

damit nun auch bei uns für diesen Nutzgegenstand eine ästhetisch-anmutige Einkleidung,

die die Franzosen längst haben, erstrebt werde. Schön ist der matte Goldton und einfach

und sicher wirkt das Flechtwerk des Randes, das sich organisch im Ring fortsetzt. Das

Zifferblatt verbindet dekorativen Reiz mit Zweckmässigkeit, die in diesem Fall die deutliche

Erkennbarkeit der Zahlen ist. Es wird von einer Goldpatte gebildet und die Ziffern heben

sich dunkler getönt davon ab.

Zu diesen Zeugnissen alter Kultur gesellen sich Dokumente moderner Kunst. Sie wird

diesmal durch Lalique vertreten. Und nicht nur einseitig durch den Goldschmied, von dem

eine Schnalle und ein Anhänger in mattgefarbtem und mit Email und farbigen Steinen

koloriertem Gold erworben wurde, sondern durch den Schmuckkünstler überhaupt. Von der

gleichenI-land, die diese subtilenGoldminiaturen fügte, sieht man ein schmiedeeisernesGitter

von zierlichstem Fluss der Linien. Seine Mitte bildet eine Frauengestalt und von ihr gehen

wie Strahlen in freiem Spiel die eisernen Spangen aus. Auch einige interessante Plaketten

deutscher Künstler, von Bosselt und Gaul, geben von gegenwärtigen Bestrebungen Kunde,

die man sich freilich noch vielstimmiger und mannigfacher hier repräsentiert denken könnte.

An Material hiezu fehlt es nicht.

Diese Plaketten führen uns zur Betrachtung der Kleinplastikausstellung, die jetzt in

Hirschwalds Kunstsalon stattfindet. Sie ist nicht retrospektiv und geht nicht darauf aus, das

schon Bekannte und oft Gesehene nach Personen und Landschaften geordnet vorzuführen,

sondern sie will möglichst das Neueste aus der Welt der Statuetten vorführen und wird

sich daher ständig ergänzen.

Sehr reich bestellt ist die Plakettengruppe. Von den bekannten Künstlern fesselt hier

besonders Charpentier mit neuen Füllungen zu einem Musikschrank. Sie sind Gegenstücke

zu jenen bekannten Reliefs der zarten hauchigen musikalischen Gestalten, die schon einmal

 den gleichen Zwecken dienten. Diese neuen Musen sind aber nicht so ätherisch und

schmachtend wie ihre älteren Schwestern; es sind eher Karnevalsgöttinnen, die auf

ihren Musikinstrumenten ausgelassene Capriccios spielen und sich dabei in tollem Wirbel

drehen.

Neuere Namen in der Plakettenkunst sind Niclausse, ein Belgier, dessen Eigenart in

weicher wellig aus dem Metallgrund herauswachsenderModellierung besteht,undYeucesse,

der lieblich primitive legendarische Stoffe bevorzugt.

Grossen Raum nimmt die impressionistische Plastik ein. Desj an, ein Froufroukünstler,

versammelt einen ganzen Salon eleganter Frauenstatuetten, die er in flüchtiger Bewegung

festgehalten und in vibrierenden Tonskizzen nachgebildet: Madame, wie sie sich den Rock

graziös hebt, Madame mit dem Cape im Winde, Madame im Fauteuil, umfiutet von den

Wogen des siebenteiligen Rockes und noch manche andere Situation, die interessante

Bewegungsstudien ergibt.
            
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