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MAK

Full text : Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 11)

einheitlichen Tonskala entwickelten Werken bedeckt, deren jedes durch kraftvolle,

packende Raumausschnitte, durch breit und sicher vorgetragene Naturbeobachtung

fesseln, die aber in ihrer Wiederholung verwandter Motive, mit ihrem Vorherrschen

eines einheitlichen silbrigen Grau ermüden. Die Örtlichkeiten mit ihrer lokalen Eigenart

verschwimmen, und man sieht den Künstler an der venezianischen Küste ebenso wie

den holländischen Grachten dieselbe graue Stimmung suchen und finden, die er an

seinem Dachauer Moor liebte.

So wertvoll Kollektivausstellungen sind, manchmal werden sie doch auch Künstlern

von starker Eigenart nachteilig, wenn eine andere als eine rein künstlerische Absicht maßgebend

 ist, wenn die Auswahl nicht ganz objektiv geschah, um den Künstler im besten

Licht erscheinen zu lassen.

Anders repräsentiert die zweite vorhandene Kollektion den Wiener Architekten

Oberbaurat Ohmann. Hier zeigt sich eine große Wandlungsfähigkeit, ein vielseitiges

Ausblicken und Empfinden. Während der deutsche Maler Dill seine persönliche Note,

seine bestimmte, auf wenige Punkte gestützte Kunstmeinung überall stark zur Geltung

bringt - selbst auf die Gefahr hin, einseitig und monoton zu wirken - schillert die

von einem äußerst virtuosen Stift vorgetragene Architekturauffassung des Wiener Professors

Ohmann in vielen Richtungen. Ausgehend von einem intimen Studium alter Kunst -

besonders jener des XVIIl. ]ahrhunderts, die Prag und Wien geschmückt hat - vermag er

sich doch auch den Reizen neuer und neuester Anregungen nicht zu verschließen.

Vortretllich beherrscht er die Anpassung an ein vorhandenes Milieu wie jenes Karlsbader

 Platzes, der keine Monumentalität, aber lebendige Vielgestaltigkeit fordert; er weiß

örtlichen Stimmungen treBlich gerecht zu werden. So trilTt er auch in einem reich ausgestatteten

 Landhaus den Ton der volkstümlichen Bauweise Niederösterreichs und in der

Ausstattung des eigenen Heims die Weise vornehmer alter Bürgerhäuser Wiens.

Daneben sind Entwürfe und Projekte ausgestellt, die moderne Konstruktionsweise und das

Empfinden für den Lebensatem unserer Tage verlangen. Wie er die lnnengestaltung und

die Schauseiten eines großen modernen Warenhauses in der Kämtnerstraße löst, das zeigt

wieder ein feinfuhliges Eingehen auf die neuesten Aufgaben. Der geometrischen Strenge,

dem monumentalen Ernst, welche andere heute gern betonen, setzt er eine bunte

Beweglichkeit gegenüber, die ein reiches Formenspiel liebt, einer starken Schmuckfreude

entspringt. Kein Loslösen von der Überlieferung, sondern gewandtes Anpassen an neue

Zwecke.

Wenn die ausgestellten Blätter auch rein formal als die so fesselnden und glänzenden

Darstellungen der Äußerung einer unaufhörlich spielenden Phantasie erfreuen, so lohnen

sie stets auch ein näheres Eingehen durch das reiche Wissen und das gewandte Können,

das aus ihnen spricht.

Interessant als Reminiszenz an üihrende Persönlichkeiten unter den Kunstschriftstellern

 ist die in der Galerie Miethke vereinigte Kollektion von Kunstwerken, die aus dem

Nachlasse Richard Muthers und Ludwig Hevesis stammen. Es sind vorwiegend Bilder

aus der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Bei Muther überwiegen die Franzosen, die

er so sehr liebte, und zwar jene ersten Neuerer, die uns heute so alt erscheinen wie

Courbet, der am interessantesten vertreten ist, dann Daumier, Gericault, Charlet, Prudhon.

Es sind vielfach mehr Namen als Werke: Bonnington, Constable, Diaz; von Neueren wie

Zorn, Liebermann sind feine Studien da; neben guten sind aber viel schwächere Sachen

vorhanden.

Kleiner ist die Bildersammlung l-levesis, in der man mit Freuden erkennt, wie gut

unser so Verkannter Theodor von Hoermann neben den großen Franzosen wirkt. Bei Hevesi

fühlt man das große Interesse, das er an jungen und jüngsten Bestrebungen nahm, während

man bei Muther fühlt, daß er für Künstler eintrat, die heute längst als Klassiker ihrer Zeit

gelten. Immerhin bildet vieles ein treliliches Zeugnis für jene, die es gewählt, um ihr Heim

zu schmücken. '
            
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