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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 5)

kehrslinien des Gürtels und der Radialstraßen eine Eigentümlichkeit der neuen Aufgabe,

die nicht unbedeutende Schwierigkeiten in sich barg.

Die Lösung der Situierungsfrage ist darum auch ein sehr wesentlicher Teil des

Bauprogramms geworden. Anläßlich des Konkurses, der von der Gemeinde Wien zur

Erlangung von Entwürfen veranstaltet wurde, ist eine stattliche Anzahl von Vorschlägen

eingelangt. Die Projekte sind im großen Festsaal des neuen Rathauses aufgestellt, den

sie gänzlich füllen.

Man erkennt sofort, daß die Freiheit, welche den Projekten in der Art der Bebauung

des großen Terrains gegeben war, für die Mannigfaltigkeit der Lösungen günstig war.

Die Stellung, welche der Projektant zu dieser Frage einnahm, hat den Stützpunkt der

betreffenden Entwurfsidee bestimmt. Man muß sich darüber freuen, daß der Durchschnitt

der eingelangten Arbeiten das Niveau der letzten Wiener Konkurrenzen übersteigt, daß

ein fortgeschrittener Zug vorherrscht, daß die Stilkopie früherer Tage in sehr auffälliger

Minorität auftritt 7 wie eine Anschauung, die im Aussterben begriffenfist.

Es kann hier auch nicht auf eine Wertung der einzelnen Arbeiten eingegangen

werden, weil eine eingehendere Besprechung ein größeres Abbildungsrnaterial fordern

würde. Nachdem aber die beiden mit den höchsten Preisen ausgezeichneten Arbeiten

zugleich auch die zwei Richtungen kennzeichnen, welche die gesamten Entwürfe sozusagen

 in zwei Lager teilen, so sei hier über das Wesentliche dieser Richtungen und ihrer

Vertreter einiges bemerkt.

Als Vorkämpfer einer strengen und klaren geometrischen Planung, für welche

symmetrische Anordnung, axiale Durchbildung, kubischer Aufbau, modernste Konstruktionsweise

 Grundbedingungen bilden, tritt Otto Wagner wie immer in erste Reihe. Er

hat mit seinem Opus IV die unerlahmte Begeisterung dokumentiert, die ihn für diese

Museurnsaufgabe und für seine Mission erfüllt. Man muß auch über die künstlerische Reife

des Entwurfes, über seine edle Einfachheit und monumentale Ruhe die höchste Freude

empfinden. Mit energischem Griff schafft Wagner einen regelmäßigen Museumsplatz, in

dem Abgeschlossenheit, Ruhe und Größe herrschen unbekümmert darum, daß die breiteste

Verbindungsader mit dern Gürtel seitlich liegen bleibt, sie ist als starke Verkehrsader

ohnehin nicht zur Unterbrechung geeignet.

Mit knappest bemessener verbauter Fläche, hochaufragend ohne l-lofbildungen und

tote Hohlräume, bildet die Baumasse ein Dokument der strengsten architektonischen

Disziplin, der jede Maskerade, jede innere Unwahrheit fremd ist.

Wagner überragt noch immer alle Konkurrenten an persönlicher Gestaltungskraft,

obwohl zahlreiche Arbeiten in demselben Sinne vorgehen, denselben Zielen zustreben wie

seine kraftvolle Leistung.

Ihr fehlt jede Sentimentalität, jede Konzession an Zufälligkeiten des Lageplans, jede

Abschwenkung zur lokalhistorischen Färbung, welche aus einzelnen Teilen des Museumsbestandes

 abgeleitet werden konnte. Sein Wienertum wurzelt in der Kraft einer starken

Persönlichkeit, die einer ganzen Generation von Wiener Baukünstlern als Führer diente,

die vielen neuen Bauwerken seinen Stempel aufdrückte und seine Richtung gab.

Ganz anders verhält sich eine Gruppe von Entwürfen, unter denen jener von Tranquillini

 und l-Iofmann als einer der charakteristischesten hervortritt. Sie opfern die

Geschlossenheit der Baumasse einer differenzierten Behandlung der einzelnen Museumsbestände

 und Aufgaben. Sie lösen den reich und kompliziert gegliederten Grundriß in viele

Trakte und l-löfe auf und müssen nun dem breit gelagerten Gruppenbau einen hohen Turm

oder eine Kuppel als Stützpunkt für das Auge künstlich hinzufügen, ohne daß ein solcher

Aufbau aus der Aufgabe selbst hervorginge.

Sicher werden die Museumsverwalter in solchen Anlagen eine leichtere Arbeit finden,

sicher aber auch der Besucher eine schwierige Orientierung. __

Sicher wirken Einbauten von Nachahmungen Alt-Wiener Höfe, Übertragungen alter

Linienkapellen und plastischer Denkmäler auf Freunde der Konservierung Alt-Wiener
            
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