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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 1 und 2)

schließen zu können. Der Deckel wurde entweder auf- 
geschraubt, wie bei Abbildung 1, oder als Stöpsel aufgesetzt, 
den eine dünne Kette mit der Montierung der Mündung 
verband. Es ist als sicher anzunehmen, daß die Flakons aus 
der Fabrik an die Goldarbeiter und Gürtler geliefert wurden, 
die sodann auf Bestellung oder Vorrat die Fassung vor- 
nahmen, sowohl in England wie auf dem Kontinent. Aus 
den Archivalien der Wiener Fabriki wissen wir zum Bei- 
spiel, daß der dortige Goldschmied Colas Galanterien der- 
selben zur Montierung übernahm, und bei der Besprechung 
der englischen Flakons werden wir analoge Beispiele an- 
führen können. Der flache schlanke Flakon mit zwei kleinen 
sogenannten Seeprospekten in einer gol- 
Am, „_ Bum, den gemalten lüstrierten Urnrahmung 
Meißnßglizlnvw als (Abb. 3) trägt die blaue Meißner Schwer- 
termarke unter dem Fuße. Diese Hafen- 
und Flußlandschaften, bunt staffiert mit kleinen Figuren 
von Kaufleuten etc., finden sich auf Meißner Geschirren 
der vierziger Jahre sehr häufig. Die Datierung ergibt 
sich aus einigen mit einer Jahreszahl versehenen oder 
aus sonstigen Gründen zeitlich genau zu bestimmen- 
den Porzellanen mit solchen Prospekten. Den Deckelver- 
schluß des Flakons bildet ein volutenförmig geschwun- 
gener und durchbrochener Stöpsel mit Kette aus ver- 
goldetem Silber. Auch der vasen- 
förmige Flakon (Abb. 4) mit goldge- 
höhten relieiierten Rocaillen, bun- _ 
ten Streublumen und zwei braun- A;f,',1Z;,ü'jf','1ZZ{,jfI,1" 
gemalten Bockkopfgriffen an der 
Schulter ist durch die blaue Schwertermarke und 
lilafarbene Signatur K. H. C. als ein Meißner Fabrikat 
erwiesen; der goldmontierte Stöpsel in Form eines 
Blumenstraußes ist mit einem Kettchen befestigt. 
Besonders charakteristisch für die Meißner Fabrik 
sind Flakons in Form von menschlichen Gestalten mit 
allerlei Beiwerk, so ein vollrund modellierter Kavalier 
in Kniehose, langer Schoßweste, gelbem Rock und 
Läuferhut (Abb. 5). Er ist von vom gesehen und legt 
ein Tuch um eine neben ihm stehende schlanke Vase 
in Rokokoformen, die ebenso hoch ist wie er selbst. 
Der Flakon ist unmarkiert, bezeugt aber in Modellie- 
rung und Dekor deutlich die Meißner Herkunft. Außer- 
 
  
Abb. r3. Wiener Flakon aus 
der Du Paquier-Zeit mit bunter ' Folnesics und Braun, Geschichte der k. k. Wiener Porzellanmanufaktur, 
Figuraler Malerei 1907. S. 79.
	        
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