Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 10)

satyrische Bild eine Kritik gesellschaftlicher Zustände bringen können. Die Porträtkunst

war die verbreitetste, und wie tüchtig Swoboda zeichnen und malen konnte, wird durch

Tuschköpfe, Miniaturen und lebensgroße Familienporträte gezeigt; die satte und warme

Farbe leuchtet prächtig; die korrekte Zeichnung wirkt wohltuend; diese Schulung Findet

im ligurenreichen Genrebild die richtige Fortsetzung; aber auch feine Landschaftsstudien

weisen auf Vielseitigkeit des Künstlers hin, der hier den Besten der Wiener Schule nahekommt

 und in jedem Stück etwas von ihren Schwächen, aber auch von ihren Vorzügen

zeigt. Swoboda hat zweien seiner Kinder seine Traditionen als Erbe hinterlassen. Die

emsige Porträtmalerin I. Swoboda hat die Ausstellung gefördert, der Orientmaler Rudolf

Swoboda gehört leider schon zu denen, deren Nachlaß vorgeführt wird. Er war offenbar

wanderlustig und von besonderer Liebe für die südliche Sonne erfaßt, was ihm von seiner

Verwandtschaft mit Leopold Carl Müller im Blute gelegen haben mag. Die sonnigen

Studien und Bilder aus Indien sind auch sein Bestes, während er beim repräsentativen

Porträt nicht recht warm zu werden vermochte. Seine Hauptwerke sind teilweise in

englischem Besitz und darum für uns jetzt unzugänglich. Die Ausstellung gibt aber doch

einen guten Einblick in sein Schaffen, dem nur die Heranziehung einiger nicht vollwertiger

Stücke schadet.

Zweigeteilt ist auch der Nachlaß Rudolf Bernts, in dem derArchitekt ganz verschwindet

und nur der liebenswürdige und heitere Aquarellist in die Erscheinung tritt. Bernt war

unter dem Einüuß Rudolf Alts ein flotter und frisch zugreifender Schilderer südlicher

Architekturen aus unserer Monarchie. Er wurde später, als er Reißbrett und Zirkel beiseite

schob, ein sorgfältiger und präziser Beobachter, dem die Liebe für das Detail geblieben

war. Aus seiner letzten Reisezeit (aus Japan) ist ein großer Teil der Arbeit des Beißigen

Erzählers vertreten, in denen vor allem das Gegenständliche und Sauber-Korrekte der

Darstellung hervortritt.

Es war dem Künstler vergönnt, an der Seite Otto Wagners bei der Entstehung vieler

Bauten tätigen Anteil zu nehmen, die für die Baugeschichte Wiens von einschneidender

Bedeutung sind, die der modernen Entwicklung kräftig vorzubauen berufen waren. Als

die schroffere und bewußtere Betonung modernen Geistes zum Durchbruch kam, trennte

sich Bernt von dem langjährigen Arbeitsgenossen und Meister. Er huldigte nur mehr

der Muse des Aquarells und füllte die Muße mit emsigen und subtilen Schilderungen, in

denen doch immer das Bauwerk liebevoll mitspricht.

Von K. M. Schwerdtner, dessen Plaketten- und Kleinplastiken verbreitet sind, und

W. Wörnle, dessen Radiernadel vorwiegend den reproduzierenden Aufgaben mit großer

Gewissenhaftigkeit gewidmet war, ist ein Überblick geboten. In Schwerdtners Raum überraschen

 einige keramischeKleinplastiken, die offenbar in letzter Zeit entstanden und dabei

im modernen Sinne einen Fortschritt bedeuten.

Am reifsten wirkt unter allen Räumen doch nur der kleine Saal, in dem eine tüchtige

Schulung und warmblütiges Erfassen des Lebens aus alten Zeiten bis in die Gegenwart

reichen und den Namen eines Wieners und bodenständigen Künstlers aufleben lassen, den

man sich merken soll - den Eduard Swobodas.

ALERIE ARNOT. Bei Arnot sind Kriegsbilder zu sehen. Stadler zeigt eine neue

Serie seiner charaktervollen Zeichnungen; Larsen bringt Ölstudien aus einem Winterfeldzug.



Stadler ist ein Zeichner von ausgeprägter Eigenart, der den Stift voll beherrscht und

zum Ausdrucksmittel lakonischer, aber treffender Charakteristik macht. Er bringt nur das

für ihn Wesentliche und weiß damit zu fesseln und zu überzeugen.

Larsen ist Kolorist. Ihn beschäftigt nur der Ton, die Farbe. Eine Anzahl von Schnee-Skizzen,

 welche die Schrecken des modernen Feldzuges im Winter fühlen lassen, sind

tonfein und lebensvoll. Sie stehen wohl - eben weil sie Erlebtes schildern - höher als

seine Kompositionen aus Friedenszeit, denen die innere Wahrheit oft abgeht.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.