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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 5)

w

nützend - erreicht die Intarsia stilistisch und künstlerisch ihren höchsten

Blüthezustand. '

Die Technik der letzteren beiden Arten der lntarsia - bei denen

wir die Figur und das freie Ornament antreEen- hat sich im Gegensatze

zu der des Mosaiks im Laufe der Zeiten vollständig verändert. Die alten

Meister benützten nur wenige Instrumente zur Herstellung ihrer ausgezeichneten

 künstlerischen Erzeugnisse. Ein Schnitzmesser an langem

Stiele, der gegen die Schulter gestemmt werden kann, ein Reiß-Stift,

einige Hohl- oder Stecheisen, vielleicht auch ein Taschenmesser

und ein Stichel, scheinen der ganze Werkzeugsapparat gewesen zu sein.

Es geht dies deutlich aus einer Arbeit hervor, die glücklicherweise erhalten

 geblieben ist. Es ist dies eine Füllung von einem Chorgestühle,

das ehemals die Taufcapelle des Domes zu Siena zierte. Antonius

Barili, der Meister jenes Chorgestühles und ein berühmter lntarsiatore,

hat sich auf derselben bei der Arbeit dargestellt. Diese Darstellung ist

ein Document von besonderem Werthe für die Geschichte der lntarsia-Technik

 und wir sind erfreut darüber, dass die Sammlungen des

Oesterreichischen Museums dasselbe besitzen. Der Meister glaubte seinem

Werke die ausdrückliche Bestätigung beigeben zu müssen, er habe dasselbe

 nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Messer hergestellt.

 Es ist dies wohl so zu deuten, dass Barili bereits Kenntniss

davon hatte, dass Tarsia-lmitationen schon zu seiner Zeit angefertigt

wurden, und wir wissen, dass dies ja theilweise mit dem Pinsel geschah.

Unter diesen Nachahmungen finden sich hervorragende künstlerische

Leistungen, wenn sie auch den Beschauer nie im Zweifel darüber lassen,

dass er Malereien und nicht Einlagen vor sich hat. Wir führen hier nur

ein Beispiel an: die Sakristeischränke in der Kirche Santa Maria delle

Grazie in Mailand. Die angeblich durch Bernardino Luini Anfang des

16. Jahrhunderts gemalten Imitationen bieten eine Fundgrube decorativer

Motive. (Abgebildet in Gruner, "L0 scaßaleu.)

Aber auch später und bis zum heutigen Tag wurden solche Imitationen

 mit dem Pinsel hergestellt, häufig von unberufenen Händen, von

Dilettanten. Wir wollen darauf nicht weiter eingeben; doch da wir einmal

bei Surrogaten angelangt sind, so seien uns darüber noch einige Worte

gestattet.

Ein Verfahren, den Effect von Einlegearbeit nachzuahmen, besteht

in der Benützung von Stempeln und Walzen, deren erhaben geschnittene

Zeichnung in erhitztem Zustande in die Oberfläche der hierfür bestimmten

Hölzer eingebrannt wird, so dass sich dieselbe bräunt. Eine sehr alte

Technik, die jetzt im modernen Sinne fabriksmäBig ihre Ausnützung

erfährt, und zwar durch die Firma Bernhard Ludwig in Wien (Muster

im k. k. Technologischen Gewerbemuseum).

Wenn man bedenkt, dass die Decoration eines jeden Objectes in

unbedingtem Znsammenhange mit diesem selbst stehen soll, sowohl hin-
            
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