Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 3)

der Zusammengehörigkeit mit dem Alterthum hier immer viel lebendiger

geblieben und an Versuchen, sich der Weise der großen Vorfahren zu

nähern, hat es niemals gefehlt. Die köstliche kleine Kirche San Miniato

al Monte, welche aus ihren dunklen Pinien und Cypressen über den

Arno herüber so entzückend auf Florenz herniedersieht, ist mit ihrer

tempelartigen Giebelfagade und ihren feinen Profilierungen ebenso wie

jenes Baptisterium, das der exilirte Dante als echtes Florentiner Kind so

zärtlich in sein Herz geschlossen hatte, eine Vorahnung des I5. Jahrhunderts

 und es ist bedeutsam, dass Brunellesco an diese Bauten im

Glauben, es seien Werke der Antike, anknüpfte. Friedrich Il., selbst

ein verfrühter Renaissancefürst, lässt in Süditalien seine den antiken Goldmünzen

 nachgeahmten Augustalen") prägen, die freilich ohne Nachfolge

 blieben, und nicht lange nachher verwenden die Künstler von Pisa,

in denen sich zum erstenmal wieder der kunstfertige Geist jenes merkwürdigen

 Etruskervolkes regt, die Antike mit Bewusstsein als Vorbild.

Aber Toscana ist nicht der Boden, auf welchem die Wiedergeburt

der Medaille erfolgt, sondern Oberitalien. Die Mannigfaltigkeit des

Lebens ist hier viel größer als im übrigen Italien: reiche Fürstenhöfe,

die ganz einzige byzantinische Herzogssradt Venedig und ihre Rivalin

Genua, blühende Städte, ehemals ebenso blühende römische Municipien

und dessen mit Stolz eingedenk, wie denn die Gallia cisalpina mit dem

Veneterlande auch der Boden ist, wo sich, abgesehen von der Hauptstadt,

die römische Cultur am reichsten entfaltet hat. Von hier stammt eine

Reihe der hervorragendsten Dichter und Schriftsteller der Antike: Vergil,

Catull, Livius, die beiden Plinius u. A.; ihr Andenken ist auch stets mit

eifersüchtigem Stolze gehegt worden "'). Rom und Süditalien kommen

für die Entwicklung der neueren Kunst kaum in Betracht, aber gerade

Etrurien, diese für die älteste Cultur Roms so wichtige Landschaft, deren

eigentliche Blüthe aber erst in das Trecento und Quattrocento fällt, hat,

am allerwenigsten in ihren späteren Hauptorten Florenz, Pisa und Siena,

Reste des römischen Alterthums aufzuweisen, welche sich denen Oberitaliens

 vergleichen dürften. Die Bedeutung dieser Gegend zeigt sich

schon darin, dass sie bereits im Trecento allein neben Siena im Stande

ist, der Giotteske eine selbständige eigenartige Malerschule, die von

Verona, entgegenzustellen, und im Quattrocento fast in jeder einigermaßen

 hervorragenden Stadt eine ebenso selbständige Malerschule zu

") Professor Winkelmnnn in Halle bereite! eine Studie über diese merkwürdigen

Münzen vor.

"y Einer der schönsten Stndtpnllste Italiens, der Peluzo dei Consiglio in Veronn,

ist heknnntiich mit den Statuen von fünf berühmten Veronesern des Alterthums: des

Calull, Mncer, Corneiius Nepos, Vitruv und Plinius des Jnngern geschmückt; berühmt

sind euch die Statuen der beiden Piinilll um Dome von Como. Schon du mittelnlterliche

Mnntun besaß eine Vergilstnue, die noch erhalten ist. (Abbildung bei C. d'Arco, deiie

urti e degli erleüci di Mnntovn, p. I9.)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.