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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 9)

Gelehrten zusammenfasst, dem allgemeinen Verstandnisse erschloss, denn die Aufschlüsse,

die wir aus diesem ersten Bande erhalten, sind hbehst respectabel. _

Dass das Buch sich ausschließlich mit den Miniaturen beschäftigt, _weiß der Verfasser

 dadurch zu rechtfertigen, dass der Miniaturmalerei in der byzantinischen Kunst

keineswegs jene rein ornamentale Rolle zugewiesen war, wie es in der nordischen Kunst

der Fall ist. Die byzantinischen Miniaturen sind bis in's to. Jahrhundert monumentalen

Charakters und als solche wesentliche Träger der gesamrnten Kunstbewegung. Die eigenthümliche

 Welt dieser Miniaturen, in der sich der dogmatisch-speculative_Sinn der

Byzantiner wiederspiegelt, blieb dem abendländischen Forscher roßtentheils unverstandlich.

 Es war ein Irrthum namentlich der französischen Schri steller, dass sie die

byzantinische Kunst vorwiegend als Hofltunst auffassten. Damit verkannten sie das

eminent volksthtimliche Element, das in diesen Miniaturen latent ist, und das sich dem

mit der Geschichte der religiösen Kämpfe, der Secten und des orientalischen Monchthums

Vertrauten in überraschender D eise offenbart.

Nach einer einleitenden Ucbersicht und Aufzählung der vorliegenden Literatur

werden die ältesten Miniaturhandschriften besprochen, die noch der antiken oder altchristlichen

 Kunst beizuzahlen sind. Es geschieht dies in sehr eingehender Weise, weil

die Antike namentlich in der Technik, aber auch in der Formengebung wahrend dieses

ganzen ersten Zeitraumes, des -goldenen Zeitalters-i der byzantinischen Miniaturmslerei,

das bis in's to. Jahrhundert währt, von der größten Bedeutung geblieben ist. Von den

meisten dieser Handschriften versucht der Verfasser nachzuweisen, dass sie im Orient

ihre Entstehung gefunden haben. Die Werke eigentlich byzantinischer Provenienz werden

in ganz neuer und zweckmäßiger Gruppirung nach dem Inhalte behandelt: als Evnngeliarien,

Psalter, Menologien etc., um die Zurtickleitung auf Archetypen zu ermoglichen. ln die

zweite Hälfte dieses Zeitraumes, mit welchem der erste Band abschließt, fällt der Bildersturm,

 über welchen wir ebenfalls wichtige Aufschlüsse empfangen. War man nämlich

bisher der Ansicht, dass die Wirksamkeit der Ikonoklasten eine Stockung in der Entwickelung

 der byzantinischen Kunst herbeigeführt hat, so erfahren wir, dass dieselbe

zunächst nur dem heidnischen Elemente, der antiken Tradition verhängnissvoll wurde;

das volksthümliche Element fand dagegen von Seiten der Münche als Träger desselben,

denen aber auch vornehmlich die Pflege der Miniaturmalerei oblag, die eifrigste Forderung,

 wie denn die Ausbildung der eminent volksthümlichen Psalterillustrationen sich

nachweislich gerade im Jahrhunderte des Ikonoklasmus vollzogen hat.

Die Ergebnisse des Werkes für die abendländische Kunstforschung hat A. Springer

in einem Vorworte dahin zusammengefasst, dass in dem Maße, als die Erkenntniss und

Werthschätzung des byzantinischen Stiles steigt, die Grenzen seines Einflusses auf die

occidentalische Kunst sich verengen: eine byzantinische Frage habe für den Westen zu

existiren aufgehen. - Rgl.

4t-Rococo.

 Entwürfe für die graphischen Künste und das Kleingewerbe

von L. Clericus. l. Lieferg. 15 Taf., davon vier in Farben, nebst

erläuterndem Texte. Frankfurt a. M., Wilh. Rommel, i886. Fol.

Nach den Worten des Prospectes soll diese Publication Angesichts der Beliebtheit,

welcher sich das Rococo gegenwärtig erfreut, die alten Vorbilder in diesem Stile den

Anforderungen der modernen Kunstindustrie entsprechend umbilden und damit vielen

Zweigen des Kunstgewerbes ein Material zur unmittelbaren praktischen Verwerthung

bieten. Das vorliegende Heft enthält Wappen, Cartouchen, Alphabete, Spielkarten, einen

Fächer, Stickmuster, Borduren u. s. w., und zwar verdienen jene Entwürfe, welche sich

strenger an ein Originalmuster anschließen, vor den freieren Compositionen, namentlich

solchen mit figuralen Beigaben, den Vorzug. Indern also gerade jene Entwürfe, welche

die gründlichste Umbildung der alten Formen im modernen Sinne aufweisen, die

schwächsten sind, finden wir uns nach den Versprechungen des Prospectes einigermaßen

enttäuscht. Da jedoch der Herausgeber selbst seine zeichnerischen Kräfte sowie den

Erfolg seiner Bemühungen nicht überschätzt, so ist es billig, an Einzelheiten dieser

Publication keine Kritik zu üben und das Ganze als einen wohlgemeinten Versuch hinzunehmen.

 -F_s.

i

Das Amt der Goldschmiede zu Wismar. Von Friedr. Crull. Wismar,

Hinstorff. hoch-4". XI, 54 S. und 2 Tafeln in Lichtdruck. M. 4'-Ein

 neues Zeugniss für den erfreulichen Eifer, welcher in niedersachsischen Städten

auf dem Gebiete der Gewerbegeschichte lebt. Wie jeder derartige aus Archiven gesehopfte

Beitrag hat auch dieser eine allgemeine neben der loealen Bedeutung. Unter nAemternu

der Gewerbegenossen versteht der niedersächsische Sprachgebrauch Zünfte. ln Wismar
            
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