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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

zuu

Wenn je eine Industrie nicht durch sich selbst, sondern durch künstliche

 Erziehung auf ihren entwickelten Stand gehoben worden, so ist es

die französische. Durch drei Jahrhunderte hat der Staat und immer der

Staat für die Entfaltung und Ausbreitung der künstlerischen und gewerblichen

 Leistungsfähigkeit der Nation die grössten Opfer an materiellen

Mitteln und organisatorischer Arbeit gebracht. So zehrt in Frankreich die

Gegenwart vom Capital früherer Ansammlungen. Und eben darum, weil

den Nachgeborenen im Auslande die Anstrengungen der französischen Gewerbepolitiker

 und Staatspädagogen der Vorzeit nicht mehr vor Augen

stehen, erscheint ihnen der gegenwärtige Vorrang der französischen Production

 wie aus der Pistole geschossen.

Warum, meinten die Wortführer der Action in Preussen, sollte bei

uns der Wirksamkeit des Staates nicht möglich werden, was consequenter

Arbeit in Frankreich gelungen ist; in solchem Masse gelungen ist, dass

Alles heute wie natürlich gewachsen erscheint? Welche Nation war es

denn, die vor drei und vier Jahrhunderten im kunstindustriellen Können

den Italienern zunächst stand? Man lese die Schilderungen eines Aeneas

Sylvius und Machiavelli über Deutschland, um die hohe Achtung der Italiener

 für die deutsche Production zu erkennen. Und selbst ein Vertreter

derjenigen Nation, welche jetzt die Führung in Händen hat, der Franzose

Jean Bodin, rühmte im sechzehnten Jahrhundert den Deutschen nach, sie

verfertigten alle Gattungen von Hauseinrichtungsgegenständen und Werkzeugen

 so künstlich und fein, dass die anderen Völker sie nur bewundern,

nicht aber ihnen nachahmen könnten. Endlich zeigen auch die neuesten

Bestrebungen der Deutschen in Oesterreich, in Baiern, in Württemberg, ia

in einigen Gegenden von Preussen selbst, wie am Rhein, dass es dem

deutschen Boden in dieser Hinsicht an Fruchtbarkeit nicht fehlt - wenn

man ihn eben cultivirt. Was einmal war, kann wiederkommen. Was anderwärts

 heute gelingt, können auch wir. Aber wollen muss man es. S0

sprechen seit Jahren preussische Reformer.

Diese Wortführer einer Action sind nun in Preussen durchgedrungen.

Nach gründlichen Erörterungen in der Literatur und auf den Rednerbühnen

 ist der Staat in die Handlung eingetreten.

Man ist es von der preussischen Verwaltung gewohnt, dass sie eine

Arbeit, zu der einmal der Wille gefasst ist, auch mit allem Ernste, in

allen Consequenzen und in grossem Style durchführt. Dass dies auch

hier der Fall sein wird, ist nach bisher vorliegenden Daten nicht zu bezweifeln,

 und man wird im Auslande, und speciell in Oesterreich, gut

daran thun, bei Zeiten diesen Vorgängen Aufmerksamkeit zu schenken

und für die eigene, bisher da und dort so unsichere Haltung Lehren

daraus zu ziehen.

Der Geist, in dem die Action unternommen ist, schliesst die kleinlichen

 bureaukratischen Rücksichten aus. Nachdem die Frage einmal als
            
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