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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 7)

desgleichen die Siebenbürger Sachsen und die Szekler. während von den

Czechoslaven nur die Slovaken dem Kreuzstieh besondere Sorgfalt zuwenden,

 dagegen die l-Iannaken und die rnährischen Wallachen den Plattstich

 üben, was auch von den Croaten zu sagen ist, so dass es schon

auf Grund dieser geographischen Uebersicht den Anschein gewinnt, als

ob die Pflege des Plattstiches durch die nähere Berührung mit dem Westen

bedingt wäre.

Von Techniken zur Verzierung der Leinenwäsche wäre neben der

Weberei und den geschilderten Arten der Stickerei noch manche andere

zu erwähnen. Größere Rolle spielt hiebei namentlich der Durchbruch,

der sich insbesondere in Zusammenhang mit dem Plattstich vorfindet,

und daher wahrscheinlich auch gleichzeitig mit diesem Eingang gefunden

haben dürfte, ferner die Spitzenklöppelei, gleichfalls vorwiegend im Gefolge

 des Plattstichs auftretend, mit den schlangenförmigen Musterungen

der sogenannten Altarspjtzen des 17.-18. Jahrhunderts.

In Bezug auf die Verzierung der Wollstoffe ist von kunstgewerblichem

 Standpunkte nicht so sehr die Weberei, als die Wirkerei hervorzuheben,

 d. i. jene Technik, die von der modernen kunstgewerblichen

Production, und zwar von Franzosen und Belgiern, nur zur Herstellung

der sogenannten Gobelins benützt wird. Die gewirkten Decken der Südslaven,

 insbesondere der syrmischen Serben, hat man noch vor Kurzem

für Producte orientalischen Einflusses erklärt. Vorläufig sei nur von der

Musterung dieser Decken gesagt, dass sie keineswegs specifisch orientalisches

 Gepräge zeigt. Die Verwandtschaft zwischen serbischen und

orientalischen Wirkereien im Ornamentalen erklärt sich daraus, dass diese

textile Technik da wie dort nur gewisse ihr anbequemte Muster zur Darstellung

 bringt. Da man aber noch bis vor Kurzem nur gewöhnt war,

figurale Gobelingemälde, nicht aber rein ornamentale Wirkereien von

verschiedener Herkunft zu sehen und vergleichen zu können, war man

geneigt, eine nationale Stilgemeinschaft darin zu erblicken, was blos

durch die gemeinsame Technik bedingt ist.

Es gilt nun die Frage, woher diese verschiedenartigen und doch

ein Ganzes bildenden Techniken und Ornamentformen ihren Ursprung

genommen haben? Eine Antwort liegt hierauf vor von Seite Derjenigen,

die dieselben als Ausdruck einer seit Vorzeiten hergebrachten nationalslavischen

 Textilkunst ansehen möchten. Dagegen ist vor Allem zu erinnern,

 dass wir den Aeußerungen dieser Kunst _nicht blos bei slavischen,

sondern auch bei deutschen, magyarischen und romanischen Völkerstämmen

 noch heute begegnen. Freilich wäre es nichts schlechterdings

Unmögliches, dass diese Letzteren ihre diesbezüglichen Kenntnisse und

Neigungen von den Slaven erlernt und übernommen hätten. Es wird sich

aber jedenfalls empfehlen, ohne Vorurtheil an die Untersuchung der

Frage heranzutreten und dieselbe damit einzuleiten, dass wir vor Allem

den volkswirthschaftlichen Charakter in's Auge fassen, den die in Rede
            
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