Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 1)

Bildeten die Kronen in dieser reichen Ausstattung prächtige Schaustücke,

 so durfte doch ein praktischen Aufgaben gewidmetes Museum nicht

für immer darauf verzichten, die Schmucksachen, die schon nach dem

angeführten Zeugnisse zum größten Theil aus der Blüthezeit der Renaissancekunst

 stammen, aus einer Verbindung zu lösen, die ihren Werth als

Vorbilder und Studienmaterial überhaupt wesentlich beeinträchtigte. Denn

fast jedes einzelne Stück war nicht allein von Perlen dicht umgeben,

sondern mit solchen förmlich übersponnen und die Verfertiger derKronen

hatten sich kein Gewissen daraus gemacht, das Edelmetall zu durchbohren,

wo nicht Lücken das Durchziehen des vergoldeten Kupferdrahtes gestatteten.

 Wie schwer es war, eine richtige Anschauung von den Objecten zu

gewinnen, lehren uns die farbigen Zeichnungen, die vor Jahren nach

einzelnen gemacht worden" sind, und in denen man kaum die Originale

wiedererkennt. Ferner war es damals ganz unmöglich, die reiche

Sammlung für die Geschichte der Goldschmiedekunst zu verwerthen.

Nun sind sämmtliche Schmucktheile (in der Zahl von zu) abgelöst

und die gleichartigen vereinigt worden, während die Perlenkronen kaum

erkennen lassen, was mit ihnen vorgegangen ist. Zugleich wurde eine

kleine Anzahl von Meistermarken ermittelt, leider kein einziges Beschauzeichen,

 wodurch die Annahme unterstützt wird, dass die Sachen für

einen Hof angefertigt worden seien. Und hier kommt, nicht nur durch

die Beziehungen zu dem Kelche, zunächst der bayerische Hof in Frage.

Einer der kunstsinnigsten Fürsten aus diesem Hause, Herzog Albrecht

 lV. (oder nach anderer Rechnung V.), eben der Gönner Hans

Mielich's, war mit Erzherzogin Anna, Tochter Kaiser Ferdinands

 l., vermählt; beide beschäftigten eine große Zahl von Goldschmieden

 in München, Augsburg, Nürnberg; beide legten durch die Verfügung

 vom 19. März 1565 über die Erhaltung ihrer erb unnd haus

clainoder den Grund zur Münchener Schatzkammer, in der freilich von

dem damaligen Bestande nicht zuviel nachweisbar ist. Die Kriege des

siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts haben viele Kostbarkeiten verschlungen,

 Schmuck ist der wechselnden Mode gemäß umgearbeitet worden.

Aber handschriftliche Bemerkungen auf Blättern Mielich's zeigen auch,

dass manche von seinen oder Anderer Arbeiten verschenkt worden sind.

Nun haben Schwestern der Herzogin Anna, die Erzherzoginnen

Magdalena, Helena und Margarethe, die 1562 mit der Ersteren

in Innsbruck waren, das Fräuleinstift in Hall 1567 gegründet, dessen erste

Oberin Erzherzogin Magd alene (vKönigin Magdaleneu) wurde. Dass

diese und später eingetretene Fürstinnen das Kloster reich beschenkt

haben, findet mehrfach Erwähnung, und es lässt sich immerhin vermuthen,

dass unter ihren Kleinoden sich Arbeiten der damals in höchster Blüthe

stehenden Goldschmiede Bayerns befunden haben. Volle Uebereinstimmung

in Composition und Arbeit macht sich bemerkbar an Schmuckstücken mit der

Grundform einer aus Bändern und Schnüren gebildeten Schleife, die in

I.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.