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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 1)

derung Laborde seine biographische Skizze Ludwig von Siegen's ausklingen

lässt. Nicht einmal Ort und Jahr seines Todes sind uns bekannt, und wir

halten sein Andenken mit einer gewissen Wehmuth fest. in der Ueberzeugung,

 dass dieses künstlerische Talent in Sturm und Bedrängniss des

Elojährigen Krieges und seiner persönlichen Verhältnisse nicht zu jener

Entwicklung gelangen konnte, die ihm etwa sonst zu Theil geworden

wäre. Für einen bloßen Haudegen, wie ihn die Kriegszeit seiner ersten

Lebenshälfte brauchte, war er zu sehr künstlerisch veranlagt und nahm

zu Kriegsdiensten nur seine Zuflucht, wenn ihm sonstige Lebensquellen

versagten. Zu einem rechten Künstler fehlte ihm aber wieder-die Vorbildung,

 denn er war von seinem Rittercollegium her und durch eigenes

Streben doch nur ein geschickter Dilettant in mehreren Kunstzweigen.

Dabei voll Temperament und Unruhe, und einmal von der Idee seines

Schabkunstproblems ganz beherrscht, scheint er anderen Seiten des Lebens

weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht zu haben. In Folge dessen

war er in ewigen Geldnöthen, vollends als er sein Geheimniss der Schabkunst

 durch persönliches Ungeschick oder übernaive Freundschaft verrathen

 hatte und dasselbe nun bald auch von Anderen geübt, von fachmännischen

 Kupferstechern ausgebeutet und sogar verbessert wurde. Der

Erfinder selbst genoss nicht den materiellen Gewinn, welcher bald seinen

Nachfolgern zuliel; ihm blieb nichts als das künstlerische Bewusstsein,

und vielleicht war es auch Verbitterung, was ihn schließlich von weiterer

Kunstübung abhielt und bestimmte, in einem ruhigen Hofdienste behaglich

zu leben, oder auf seinen Besitzungen fern von Geschäften seinen Kohl

zu pHanzen.

Siegen's Geheimniss der Schabkunst war nämlich nicht mehr sein

Eigen, ohne dass wir genau wissen, wie es weiter getragen worden. Zunächst

 zeigt das ausgestellte Bildniss des Erzherzogs Leopold Wilhelm

(Nr. 90) von dem Mainzer Chorherrn Theodor Caspar von Fürstenberg

schon die Jahrzabl 1656. Von diesem Letzteren scheint wieder ein anderer

Mainzer Domherr, Joh. Friedrich von Eltz, die Schabtechnik erlernt

zu haben, da er Fürstenberg's Bildniss des Kurfürsten Schönborn von

Mainz copirt (Nr. 95) und ein gewisser loh. Jac. Kremer nennt sich

auf seinem Porträt des Erzbischofs von Trier (Nr. 96) geradezu einen

Schüler des Fürstenberg. Diese genannten Männer waren nur Dilettanten,

welche vielleicht von Siegen selbst in seiner Stellung am geistlichen Hofe

in Mainz einige Unterweisungen in der Schabtechnik erhalten hatten,

sich aber damit begnügten, die Bildnisse ihrer Kirchenfürsten und einige

andere Bildchen der Erbauung oder Ergötzung, so gut und schlecht sie

es konnten, herzustellen.

Von dieser Seite her drohte also dem Ruhme Siegen's keine Gefahr,

obwohl er sich auf seinem Blatte der heil. Familie nach Carracci veranlasst

 sieht, sein Autorenrecht mit den Worten zu wahren: rl-Iuius

sculpturae modi Primus inventorl. Aber 1654 war der Prinz Rupprecht

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