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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 2)

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Wurzel geschlagen hatte. Und überdies diente der negative Ausgang der Angelegenheit

doch dazu, den Verkehr zwischen Kaiser und Künstler neuzubeleben, indem Ersterer an

Stelle Giovanni's selbst von diesem wenigstens zwei tüchtige Schüler, einen Architekten-Bildhauer

 und einen Maler, nach Oesterreich erbat. Auf diese Weise kamen Hans du Mont

und Barthol. Spranger um 1575 nach Wien. Das eigentliche Vorhaben des Kaisers ging

dahin, im Fasangarten bei Schwechat einen italienischen Prachthau mit Gartenanlage zu

schaffen und dazu sollten ihm die Beiden behilflich sein. Der Vortrag brachte eine

außerordentliche Menge neuen urkundlichen Materials über die Geschichte dieses einst

prachtvollen, im Laute der Zeit vernachlässigten und heute als Pulvermagazin gebrauchten

Lustschlosses bis in die Tage Leopold's l., auch versuchte er auf Grund zeitgenössischer

Schilderungen die Herrlichkeiten des Baues zu reconstruiren, dessen Vollendung sich

übrigens bis in die Barnckzeit hinauszog.

Auch über die Schicksale beider Sendlinge brachte llg eine Reihe neuer Aufklarungen,

 wodurch namentlich du Mont als eine bisher ganz unbestimmte kunstgeschichtliche

 Erscheinung in interessanter Weise hervortrat. Seine That keit setzte sich

unter Rudolph in Wien, Linz und Prag fort, bis ihn ein zufälliger Wurf in's Auge zwang,

den Dienst zu verlassen. Er baute dann an den Festungswerken in Ulm und ging endlich

nach Italien heim, nach Einigen aber gar zu den Türken.

Giovanni da Bologna stand ferner auch in Florenz selbst in Beziehungen zu dem

habsburgischen Fürstengeschlechte, indem er und seine Schüler - z. B. Tacca - für

die Großherzogin Jchanna, die Schwester Kaiser Maximilian's und Gemahlin des Granduca

 Francesco beschäftigt waren. Kaiser Rudolf endlich schätzte seine Werke besonders

hoch. Hier eröffnete sich ein neues Gebiet von Mittheilungen und Ersnchungen, welche

den kunstsinnigen Einsiedler am Hradschin als einen geradezu enthusiastischen Verehrer

der eleganten Gebilde des Meisters erscheinen lassen, welcher denselben auch mit Ehren

überhaufte, in den Adelsstand erhob etc.

Den Schluss des Vortrages bildete eine ästhetische Charakteristik des Styles und

der Manier Giovanni's im Verhältnisse zu seinen Vorgängern in der Entwickelung der

Plastik italienischer Hochrenaissance. Die Bedeutung des großen Meisters zusammenfassend,

 ging der Vortragende dann noch einmal auf die Bedeutung eines solchen

Künstlers für die Geschichte der Kunstliebe des kaiserlichen Hauses über, deren zu allen

Zeiten helleuchtenden Glanz die Belege des datenreichen Vortrages auf's neue nachzuweisen

 geeignet waren.

Literatur - Bericht.

Kunstindustriens Grundsaetninger (Aesthetik des Kunstgewerbes). Von

Jacob v. Falke. In's Dänische übersetzt von G. Nyrop. Mit 2i4

Illustr. Kiebenhavn, P. G. Philipsen, i885. 8".

Nyrop hat sich durch die Uebersetzung von Falke's i-Aesthetik des Kunstgewerbesu

um seine dänischen Landsleute unstreitig ein großes Verdienst erworben. Auch in der

Heimat des Uebersetzers haben die Grundideen der Schrift, welche vor 20 Jahren zum

ersten Male verkündet wurden, bereits Boden gefunden und es lasst sich erwarten, dass

diese populäre Zusammenfassung und eingehende Begründung der empirisch gefundenen

Gesetze der Schönheit auch im Norden zur Klärung und Befestigung des Geschmacks

und damit zur dauernden Förderung des Kunstgewerbes ein Wesentliches beitragen wird.

Die Ausstattung der dänischen Ausgabe ist dieselbe schone, wie sie die unsrige auszeichnet;

 nur auf die Wiedergabe des farbigen Titelbildes (Krystallkännchen mit emaillirtem

 Golde, 16. Jahrh., kaiserl. Sammlungen in Wien) hat der Uebersetzer leider verzichten

 müssen. Unzweifelhaft wird das Buch auch in Dänemark recht viele Freunde

finden. E. Ls



Königliche Museen zu Berlin. Alterthümer von Pergamon. Bd. II: Das

Heiligthum der Athena Polias Nikephoros von Richard Bohn. Mit

einem Beitrage von Hans Droysen. Mit XXXXIX Abbild. im Texte

und mit einem Atlas von L Tafeln. Berlin, Spemann, 1886. Fol.

Die Resultate der Ausgrabungen zu Pergamon sind in ihren Grundzügen {durch

die vorläufigen Berichte und Monographien bekannt geworden; nun, nach einer Zeit, die

verblltnissmlßig kurz erscheint gegenüber den zu bewältigenden Arbeiten, beginnt die

Direction der konigl. Museen mit der amtlichen Publication aber die iAlterthtimer von
            
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