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Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

deten in der Völkerschlacht bei Leipzig und Eroberer von Paris

wurde. Als Karl Philipp, damals noch österreichischer Botschafter

 in Patris, zur Feier der Vermählung der Erzherzogin

Maria Luise mit Napolcon einen Ball gab und der eigens zu diesem

 Zweck aus Holz erbaute Ballsaal in Flammen aufging, fand

die Gemahlin des Fürsten Joseph, Pauline, geborene Herzogin

von Arenberg den Tod, als sie eine ihrer Töchter rettete, beim

Verlassen des Gebäudes von ihr durch einen herabstürzendcn

Balken getrennt wurde und in der irrigen Meinung, daß die

Tochter noch in dem Saal sei, wieder in das brennende (jehäude

 zurückkehrtc.

Von den Söhnen der beiden Brüder Joseph und Karl Philipp

haben fünf auf verschiedenen Gebieten eine hervorragende Rolle

gespielt, während der Erbe des ersten Majorats, Johann Adolf II.

(1799-1888) sein Hauptinteresse traditionsgemäß wirtschaftlichen

 Fragen zuwandte. Von dessen jüngeren Brüdern wurde

Felix (1800-1852) der erste Ministerpräsident und politische

Lehrmeister Franz Josephs, der Begründer der neuabsolutistischcn

 Ära nach der Revolution von 1848, ja eigentlich der erste

konservative europäische Staatsmann eines neuen „modernen"

Typs, der die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung durch

ein Bündnis mit dem Bürgertum und den liberalen Zeittendcnzen

zu sichern suchte; ein anderer Bruder, Friedrich, (1809- 1885),

Fürsterzbischof von Salzburg und dann von Prag und Kardinal,

war neben Kardinal Rauschcr der bedeutendste österreichische

Kirchenfürst des neunzehnten Jahrhunderts, außerdem ein Pionier

 des Alpinismus und Mitbegründer des Alpenvereins.

Eine überaus interessante Gestalt war der älteste Sohn des Feldmarschalls

 Karl Philipp, Fürst Friedrich (1800-1870), genannt

„der Landsknecht", nach dem Titel eines „verabschiedetcn" oder

„deutschen Lanzknecht", den er sich selbst in seinen Schriften

 gab. Mit Recht hat man von ihm gesagt, daß er überall zu iinden

 war, wo geschossen wurde, 1821 bei der Nicderschlagung der

Revolution in Neapel, 1830 bei der französischen Expedition in

Algerien, 1338 bei Don Carlos in Spanien, 1846 in Galizien,

1847 beim Schweizer Sonderbundcskrieg, 18-18 bei den Tiroler

Landesschützcn zur Verteidigung des Landes gegen die italienischen

 Freischäirler, im folgenden Jahr in Ungarn, 1859 wieder in

Italien. Eine wehmütig-romantische Resignation und Selbstironie

in dem Bewußtsein, der „letzte Ritter" der verlorenen Sache des

Legitimitätsprinzips und der alteuropiiischen Adelswelt zu sein,

kommt schon in den Titeln seiner meist im Manuskript gedruckten

 Werke („Wanderbuch eines verabschiedeten Litnzknechts",

„Antediluvianische Fidibusschnitzcl", „ Postdiluvianische Fidibusschnitzel")

 zum Ausdruck. Selbst Menschen, deren politische

 Ansichten den seinen diametral entgegengesetzt waren, wie

etwa der junge Tiroler Dichter Adolf Pichlcr, der Friedrich

Schwarzenberg 1848 als Waffcngefiihrten erlebte, haben seiner

vornehmen Persönlichkeit und seinem ehrlichen Wollen Achtung

 und menschliche Symphatie nicht versagt. Auch die beiden

jüngeren Brüder des „Landskneehts" haben sich als Soldaten

bewährt, Karl Borromäus (1802-1858) zudem als Gouverneur

von Siebenbürgen nach der Revolution dort mit Erfolg eine ähnliche

 Aufgabe der Normalisierung und Befriedung erfüllt, wie sie

gleichzeitig sein Vetter Felix für den Gesamtstaat übernahm,

während sich der dritte Sohn des Siegers von Leipzig, Edmund,

(1803 - 1873) als General unter Radetzky auszcichncte.

In der zweiten Hälfte des neunzehnten und dann im zwanzigsten

 Jahrhundert blieben Verwaltung, Betrieb und Modernisierung

 der landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen

 des großen schwarzenbergisclten Wirtschaftskörpers

stets mustergültig. Nur dadurch konnten die schweren Verluste,

die die tsehechoslowakische Bodenreform nach dem ersten Weltkrieg

 dem schwarzenbergischen Besitz zufügtc, wenigstens zum

Teil ausgeglichen werden; nach dem zweiten Weltkrieg aber

wurde der gesamte schwarzcnbcrgische Besitz in Böhmen beschlagnahmt.

 Trotz dieser und anderer einschneidender Verluste

 haben die Schwarzenbergc auch nach 1945 unter veränderten

 Zeitumständen ihre Familicntradition als aufgeschlossene,

zeitnahe Mäzene, Förderer von Kunst und Wissenschaft und im

besten Sinn „soziale" Unternehmer fortgesetzt, wofür hier nur

die Siedlungsstiftung, dic Herausgabe des „Schwarzcnbcrgischcn

Jahrbuchs" und nicht zuletzt die Wiederherstellung des Gartenpalasts

 angeführt seien.

ARCHITEKT UND

MALER ALS

GARTENKÜNSTLER

V0

ERIKA NIEUBAUER

Als sich nach der zweiten Türkenbelagcrung von 1683 aus den

Trümmern der zerstörten Vorstadte Wiens eine neue Architektur

 in ungeahntem Ausmaße entwickelte und das neue Bauideal

des Barocks - der Sommerpalast mit Garten - unbegrenzte

Realisierungsmöglichkeiten fand, erhielt der Mansfeld-Fondisehe

Besitz neben dem Belvedere des Prinzen Eugen einen besonders

günstigen und bevorzugten Bauplatz. Die sanfte Neigung des

Geländes gegen die Stadt zu, kam dem damaligen ungeschriebenen

 Gesetz, wonach die Paläste des Hofadels möglichst auf

die Burg des kaiserlichen Herrn blicken sollten, in besonderem

Maße entgegen.

Die historischen Anhaltspunkte für die Entstehung des Mansfcld-Fondischen-

 und späteren Schwarzenberggartens, korrespon leren

 naturgemäß mit den Baudaten des Palais. Die Architektur

und der Garten sind in dieser Zeit mehr denn je eine untrennbare

Einheit, beginnend beim Grundkauf bis zur Ausführung des

kleinsten, immer auf die Gesamtheit abgestimmten Details.

Wenn also Heinrich Franz Graf von Mansfeld-Fondi am 3. Oktober

 1697 die Baugründc erwirbt, ist damit auch die Geburtsstunde

 des späteren Schwarzenberggartens gegeben. Den Beweis,

daß in diesem jahrc bereits mit dem Entwurf des Gartens begonnen

 wird, erbringt ein Gartenplan von 1697, der von j. F.

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Trchet, dem bekannten, nach Wien berufenen Gartenarchitektcn,

 signiert ist. Im Grundschema ist hier der endgültige spate

Garten bereits festgelegt, den wir aber erst 1738 auf einem

Kleinerschen Stich gänzlich vollendet und nur in Details abgeändert

 dargestellt finden:

In zwei Terrassenstufen steigt der Garten - sich stark verjüngend

 - zu dem als Abschluß dienenden obersten Wasserrescrvoir

 auf.

Um ein Achskreuz aus zwei breiten Alleen liegen die Broderiepartcrres,

 an die sich eine Bosketnnlage bis zur ersten Terrassenstufe

 anschließt. In die architektonisch reich gegliederte

Tcrrassenmauer sind drei Plastikgruppen mit Dianadarstellungen

 eingebaut, die mit ihren Wlasserstrahlen, die sogenannte

„Untere Kaskade" bilden. Die nächste 'l'errassenstufe wird zur

Gänze von dem „Bowling-GrecnWPartcri-e ausgefüllt. Es ist ein

vertiefter Rasenplatz von steif gestützten kleinen Bäumen umstellt,

 der für ein in dieser Zeit sehr beliebtes englisches Kugelspiel

 diente, - wohl ähnlich dem heutigen Krocket, - allerdings

oft nur mehr in Anlehnung an den ursprünglichen Zweck, aus

Rasenflächen angelegt wurde. Die darauf folgende Terrassenmaucr

 ist viel einfacher gegliedert, dafür aber mit Tuffsteinverzierungen

 und mit drei Tuffsteingrotten verkleidet. Hinter die-

 

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