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Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

DIE KUNSTABTEILUNG DES DOROTHEUMS SEIT 1945

Von HANS HERBST

Wien besitzt im Gegensatz zu anderen Weltstädten nur ein

großes und bedeutendes Auhliansbaux, da: Dnrotheum. Diese:

staatliche Institut kann auf einen Zälljährigen Bestand zurückblicken.

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Wien im 18. und 19. Jahrhundert, die Kai stadt des Heiligen

Römischen Reiches, und cinc der „kunstr hsten" Städte der

Welt, erlebte schon um 1900 den Anfang der Verminderung seines

 privaten Kunstbesitzes,als 20jahre vor dem Zerbrechen der

Donaumonarchie die ersten aristokratischen Familien damit begannen,

 die kostbarsten Stücke ihrer (ialerien in das kapitalstärkere

 Ausland zu verkaufen. l)iese Entwicklung fand ihren

monumentalen Abscbluli, als der derzeit regierende Fürst von

Liechtenstein seine Galerie - welche die größte private Gemiildcsammlung

 Europas darstellte - 1944 vor dem herannahenden

 Kriege in Sicherheit und außer Landes brachte, von wo sie

nicht mehr in ihr altes Heim in der Rossatt zurückkehrte, auch

als Östcrrc cb seine Souveränität nach Abschluil des Staatsvertrages

 wiedcrfand. Die nach dem ersten Weltkrieg anbrechende-Notzcit

 der Inflation schlug vor allem in die Reihen des bürgerlichen,

 in Wien so erheblichen Kunstbcsir -s nicht wieder zu

schließende Breschcn. ln der Zwischenkr -gszeit bildete sich

allerdings wieder eine sehr wesentliche Schicht neuer Sammler,

welche aber nahezu ausschließlich aus den Kreisen der (Teschiiftswelt

 stammten. (ierade aus diesem Grunde bedeutete Hitlers

 Mitchtübcrnzthme in Österreich geradezu einen katastrophalcn

 Vcrnichtungsscblag ftir den privaten Kunstbesitz in Wien,

denn mit den Sammlern wurde zugleich auch die überwiegende

Mehrzahl der namhaften Wiener Kunsthiindlcr aus politischen

und rassischen Gründen vertrieben. Durch die politische Umwälzung

 waren 954m der Sammlcrwelt mit einem Male untragbar

geworden und als nun der gesamte jüdische Kunstbcsitz auf

Grund einer Rcichsvcrordnung nach dem Münchener Attentat

liquidiert wurde, war das [Überangebot am Wiener Kunstmarkt

derart groß, daß die deutschen Händler, welche in jener Zeit

am Wiener Warkt als Käufer dominierten, hier nach der jahrelangen

 Abschnürung vom Ausland unbeschränkte liinkztufsmöglichkeiten

 fanden.

Nach dem linde des zweiten Weltkrieges beherrschte Not und

das Bemühen um die Sicherung der primitivsten Lcbcnsnotdurft

erneut die Reste des nach dem neuerlichen Umbruch noch verbliebenen

 Kunstmarktes. Sobald aber die ersten Umrisse einer

Konsolidierung der allgemeinen Lcbensverhaltnisse sich abzuzeiehnen

 begannen, mulltc es jedem verantworttingsbewußten, an

einem österreichischen Kunstbesitz interessierten Nlitglied des

heimischen Kunsthandels klar sein, dall es nicht genügte, einfach

wie bisher fortzufahren mit der täglichen Arbeit des Kaufes und

Verkaufes, sondern - sollte nicht jedes wirklich bedeutende Objekt,

 das auf den Nizirkt kam, sofort nach dem Ausland abwandcrn

 -, dann mußten crst wieder neue Sammler gewonnen und

erzogen werden, die durch ihr Interesse und ihre Kaufbereitschaft

 die einzig wirksame (iewähr für die Erhaltung des hcimischen

 Kunstbcsitzes bieten.

An dieser Stelle setzte itber die eigentliche Aufgabe der Kunstabtcilung

 des Dorotheums ein, die als einziges in Österreich noch

verblicbenes Kunstversteigerungsin titut ihr ganzes Bemühen

darin sieht, im Interesse des österi iehischen Kunstbesitzes zur

Hebung des Wiener Kunstmarktes beizutragen durch eine dauernde

 Steigerung der Qualititt des Angebotes an (icmiilden und

Antiquitäten in den seit 1948 alljährlich stattfindenden vier gro-













jan Steen (Leiden 1626-1679), Esther vor Ahasvcr.

Ol auf Leinwand, 83 : 100 cm.



Noöl-Nicoles Coypcl (Paris 1690-1734).

Venus und ihre Gcspielcn. Ol auf Leinwand,

81 X 65 cm.

Vlämiscbc Wappcnttipisscrie,

245X 240 cm, um 1650.

Alle Bilder kommen in der 537. Kunstuuktiou des Dorotheuml vom

12. bis 14. September zur Versteigerung.

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