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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

Sohnes gestiftet. Die rechte Hand des Herrschers

hält den Marschaiistab, die linke ruht auf einem

Polster. Auf einem Kissen hinter ihm sind die römisch-deutsche

 Kaiserkrcne und die böhmische

Königskrone als Zeichen seines Ranges angedeutet.

 Seine Gemahlin Josepha hält den Reichsapfei

in der rechten Hand.

Die Kaiserin - eine Schwester des bayerischen

Kurfürsten Maximilian lll. Joseph - ist mit einem

der neuesten Mode entsprechenden Gewand bekleidet.

 Die Taille der Andrienne, wie ihr Kleid genannt

 wird, ist eng und unten spitz zulaufend gearbeitet.

 Die starke Hüftverbreiterung bildet einen

großen Kontrast zwischen Ober- und Unterkörper.

Die Ärmel sind mit Flüschen aus Stoff, Spitzen und

Pcsamenten verziert," das gesamte Kleid ist mit

Edelsteinen und Perlen reich bestickt. Ähnliche

Gewänder tragen auch die beiden hinter ihr stehenden

 Schwestern Josephs ll. Die Hand Josephas

 weist auf Franz Wenzel Fürst Esterhazy

(Abb. 8).

Der Magnat, in Uniform der ungarischen Adeligen-Leibgarde,

 wird von Palko seitlich stehend wiedergegeben.

 Hinter ihm, stark verdeckt, steht Fürst

Karl Joseph Batthyany (vgl. Abb. 8). 1748 wurde

dieser zum Ajo des Kronprinzen Joseph ernannt,

später war er dessen Obersthofmeister. 1763 hatte

 er seine Funktionen niedergelegt. Er durfte jedoch

 auf einem Gemälde, das Joseph ll. mit seinen

 engsten Vertrauten zeigt, nicht fehlen, obwohl

er sich bereits außer Dienst befand. Die Österreichische

 Galerie in Wien besitzt ein identes Porträt

des Fürsten Batthyany (Abb. 9). Dieses Bild wird

fälschlich dem Bruder Franz Anton Palkos, nämlich

 Franz Xaver Karl, zugeschrieben. Diesen Irrtum

 widerlegte bereits Garas in ihrem Aufsatz."

Hinter der - bald nach Vollendung des Bildes

1767 verstorbenen Josepha - stehen, scheinbar

in ein Gespräch miteinander vertieft, die beiden

unverheirateten Schwestern Josephs li." (vgl.

Abb. 8).

Maria Anna, erkennbar an der steifen Florhaube,

war die älteste Tochter Maria Theresias. Die sehr

begabte, aber durch eine Verwachsung körperlich

benachteiligte Erzherzogln trat 1766 in das von ihrer

 Mutter in Prag gegründete Damenstift als Abtissin

 ein. 1781 übersiedelte sie in das Eiisabethinenkloster

 nach Klagenfurt. Auf dem Gemälde

wendet sie sich ihrer jüngeren Schwester Maria

Elisabeth zu.

Diese - wie berichtet wird - bildschöne Erzher-6



8 Franz Anton Palko, Josepha von Bayern, hinter ihr die

Schwestern Josephs il. Maria Elisabeth und Maria Anna;

 rechts vorne Fürst Franz Esterhazy, dahinter halb

vebrdeckt Fürst Karl Joseph Batthyany (Ausschnitt

A b. I)

9 Franz Anton Palko, "Fürst Karl Joseph Batthyany-r.

0ilLeinwand. Wien, Österreichische Galerie, Barockmuseum



10 Franz Anton Palko, Joseph Wenzel Fürst Liechtenstein,

 links ober Joseph ll. (Ausschnitt Abb. I)

Anmerkungen 18 - 20

w Harnpel Lucie, Die Mode der Zeit, in: Maria Theresia und ihre

Zeit, Salzburg-Wien 1979, s. 420

1' Garas, a. a. 0. S. 233

1' Bis zum Tod ihrer Mutter Maria Theresia1780 scheinen ihre beiden

 unverheirateten Töchter immer wieder auf Famiiienbiidern

auf, Schwarz bezeichnet sie irrtümlich als Hofdamen.

Vgl. Schwarz, a. a. o. s. 20

9





zogin erkrankte 1767 an den Biattern und wurde

von dieser Krankheit für ihr Leben gezeichnet. Sie

war außerdem durch ein Schilddrüsenieiden, das

ihr in Tirol den Spitznamen vkropferte Lisl-t einbrachte,

 verunstaltet. 1781 wurde sie Äbtissin des

adeligen Damenstiftes in Innsbruck, das Maria

Theresia zur Erinnerung an ihren Gemahl gegründet

 hatte.

Die letzte zu besprechende bedeutende Person

auf diesem Gemälde ist Joseph Wenzel Fürst

Liechtenstein, der von Palko hinter dem Kaiser

stehend angeordnet wurde (Abb. 10). Fürst Liechtenstein

 war als Botschafter und als Reformator

der Artillerie für das Haus Habsburg tätig. 1760 erhielt

 er die ehrenvolle Aufgabe, mit der ersten Gemahlin

 Josephs li., Maria isabeiia von Parma, in

ihrer Vaterstadt die Vermählung per procura zu

vollziehen und die Kronprinzessin nach Wien zu

geleiten. Liechtenstein ist mit einer Feldmarschailsuniform

 angetan und mit den Orden vom

Goldenen Vlies und des St. Stephan dekoriert. Der

Zeigefinger seiner rechten Hand, mit der er sich

auf einen Stock aufstützt, weist auf einen Obelisken.

 Das weibliche Porträt, das darauf zu sehen

ist, kann nicht identifiziert werden. Möglicherweise

 handelt es sich um ein Porträt Maria Theresias.

Ein zweiter Obelisk mit einem Medaiiionportrat

wird von Fürst Liechtenstein halb verdeckt. Den

von einem Adler mit Schlange gekrönten Obelisken

 schmückt ein Bildnis der ersten Gemahlin Josephs,

 Maria isabelia. Die Prinzessin ist im Seitenprofii

 wiedergegeben. Diese Darstellung Maria

lsabelias erscheint analog zu der Büste Franz' I.

Stephan im Pendant.

Die Phantasielandschaft, in der die beiden Obelisken

 stehen, dient ebenso wie die Architektur als

dekorativer Hintergrund.

Wie bereits erwähnt, waren die beiden Fleprasentationsgemälde

 für das Kloster Bruck in Znaim bestimmt.

 Wohin die Bilder nach der Auflösung des

Klosters durch Joseph li. kamen, ist nicht belegt.

Anfang der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts

fand Heinrich Schwarz sie im Besitz des Grafen

Friedrich Chorinsky im Schioß Wesseiy an der

March. Zuletzt waren die prunkvollen Gemälde in

Schloß Feldsberg deponiert. Von dort kamen sie

zur Ausstellung über das Leben und Wirken Josephs

 ll. nach Melk. Dadurch wurde vielen Menschen

 die Möglichkeit gegeben, zwei ausgezeichnete

 Arbeiten eines fast vergessenen Künstlers zu

sehen und zu würdigen.
            
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