Sohnes gestiftet. Die rechte Hand des Herrschers
hält den Marschaiistab, die linke ruht auf einem
Polster. Auf einem Kissen hinter ihm sind die römisch-deutsche
Kaiserkrcne und die böhmische
Königskrone als Zeichen seines Ranges angedeutet.
Seine Gemahlin Josepha hält den Reichsapfei
in der rechten Hand.
Die Kaiserin - eine Schwester des bayerischen
Kurfürsten Maximilian lll. Joseph - ist mit einem
der neuesten Mode entsprechenden Gewand bekleidet.
Die Taille der Andrienne, wie ihr Kleid genannt
wird, ist eng und unten spitz zulaufend gearbeitet.
Die starke Hüftverbreiterung bildet einen
großen Kontrast zwischen Ober- und Unterkörper.
Die Ärmel sind mit Flüschen aus Stoff, Spitzen und
Pcsamenten verziert," das gesamte Kleid ist mit
Edelsteinen und Perlen reich bestickt. Ähnliche
Gewänder tragen auch die beiden hinter ihr stehenden
Schwestern Josephs ll. Die Hand Josephas
weist auf Franz Wenzel Fürst Esterhazy
(Abb. 8).
Der Magnat, in Uniform der ungarischen Adeligen-Leibgarde,
wird von Palko seitlich stehend wiedergegeben.
Hinter ihm, stark verdeckt, steht Fürst
Karl Joseph Batthyany (vgl. Abb. 8). 1748 wurde
dieser zum Ajo des Kronprinzen Joseph ernannt,
später war er dessen Obersthofmeister. 1763 hatte
er seine Funktionen niedergelegt. Er durfte jedoch
auf einem Gemälde, das Joseph ll. mit seinen
engsten Vertrauten zeigt, nicht fehlen, obwohl
er sich bereits außer Dienst befand. Die Österreichische
Galerie in Wien besitzt ein identes Porträt
des Fürsten Batthyany (Abb. 9). Dieses Bild wird
fälschlich dem Bruder Franz Anton Palkos, nämlich
Franz Xaver Karl, zugeschrieben. Diesen Irrtum
widerlegte bereits Garas in ihrem Aufsatz."
Hinter der - bald nach Vollendung des Bildes
1767 verstorbenen Josepha - stehen, scheinbar
in ein Gespräch miteinander vertieft, die beiden
unverheirateten Schwestern Josephs li." (vgl.
Abb. 8).
Maria Anna, erkennbar an der steifen Florhaube,
war die älteste Tochter Maria Theresias. Die sehr
begabte, aber durch eine Verwachsung körperlich
benachteiligte Erzherzogln trat 1766 in das von ihrer
Mutter in Prag gegründete Damenstift als Abtissin
ein. 1781 übersiedelte sie in das Eiisabethinenkloster
nach Klagenfurt. Auf dem Gemälde
wendet sie sich ihrer jüngeren Schwester Maria
Elisabeth zu.
Diese - wie berichtet wird - bildschöne Erzher-6
8 Franz Anton Palko, Josepha von Bayern, hinter ihr die
Schwestern Josephs il. Maria Elisabeth und Maria Anna;
rechts vorne Fürst Franz Esterhazy, dahinter halb
vebrdeckt Fürst Karl Joseph Batthyany (Ausschnitt
A b. I)
9 Franz Anton Palko, "Fürst Karl Joseph Batthyany-r.
0ilLeinwand. Wien, Österreichische Galerie, Barockmuseum
10 Franz Anton Palko, Joseph Wenzel Fürst Liechtenstein,
links ober Joseph ll. (Ausschnitt Abb. I)
Anmerkungen 18 - 20
w Harnpel Lucie, Die Mode der Zeit, in: Maria Theresia und ihre
Zeit, Salzburg-Wien 1979, s. 420
1' Garas, a. a. 0. S. 233
1' Bis zum Tod ihrer Mutter Maria Theresia1780 scheinen ihre beiden
unverheirateten Töchter immer wieder auf Famiiienbiidern
auf, Schwarz bezeichnet sie irrtümlich als Hofdamen.
Vgl. Schwarz, a. a. o. s. 20
9
zogin erkrankte 1767 an den Biattern und wurde
von dieser Krankheit für ihr Leben gezeichnet. Sie
war außerdem durch ein Schilddrüsenieiden, das
ihr in Tirol den Spitznamen vkropferte Lisl-t einbrachte,
verunstaltet. 1781 wurde sie Äbtissin des
adeligen Damenstiftes in Innsbruck, das Maria
Theresia zur Erinnerung an ihren Gemahl gegründet
hatte.
Die letzte zu besprechende bedeutende Person
auf diesem Gemälde ist Joseph Wenzel Fürst
Liechtenstein, der von Palko hinter dem Kaiser
stehend angeordnet wurde (Abb. 10). Fürst Liechtenstein
war als Botschafter und als Reformator
der Artillerie für das Haus Habsburg tätig. 1760 erhielt
er die ehrenvolle Aufgabe, mit der ersten Gemahlin
Josephs li., Maria isabeiia von Parma, in
ihrer Vaterstadt die Vermählung per procura zu
vollziehen und die Kronprinzessin nach Wien zu
geleiten. Liechtenstein ist mit einer Feldmarschailsuniform
angetan und mit den Orden vom
Goldenen Vlies und des St. Stephan dekoriert. Der
Zeigefinger seiner rechten Hand, mit der er sich
auf einen Stock aufstützt, weist auf einen Obelisken.
Das weibliche Porträt, das darauf zu sehen
ist, kann nicht identifiziert werden. Möglicherweise
handelt es sich um ein Porträt Maria Theresias.
Ein zweiter Obelisk mit einem Medaiiionportrat
wird von Fürst Liechtenstein halb verdeckt. Den
von einem Adler mit Schlange gekrönten Obelisken
schmückt ein Bildnis der ersten Gemahlin Josephs,
Maria isabelia. Die Prinzessin ist im Seitenprofii
wiedergegeben. Diese Darstellung Maria
lsabelias erscheint analog zu der Büste Franz' I.
Stephan im Pendant.
Die Phantasielandschaft, in der die beiden Obelisken
stehen, dient ebenso wie die Architektur als
dekorativer Hintergrund.
Wie bereits erwähnt, waren die beiden Fleprasentationsgemälde
für das Kloster Bruck in Znaim bestimmt.
Wohin die Bilder nach der Auflösung des
Klosters durch Joseph li. kamen, ist nicht belegt.
Anfang der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts
fand Heinrich Schwarz sie im Besitz des Grafen
Friedrich Chorinsky im Schioß Wesseiy an der
March. Zuletzt waren die prunkvollen Gemälde in
Schloß Feldsberg deponiert. Von dort kamen sie
zur Ausstellung über das Leben und Wirken Josephs
ll. nach Melk. Dadurch wurde vielen Menschen
die Möglichkeit gegeben, zwei ausgezeichnete
Arbeiten eines fast vergessenen Künstlers zu
sehen und zu würdigen.