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seinen Rococotraditionen lösen konnte und Sevres unter den der Kunst
abholden Stürmen der Revolution zu leiden hatte. Wenn man von einer
Originalität des neuen Stiles reden darf, so kann Wien in erster Linie
diese Eigenschaft in Anspruch nehmen.
Als Sorgenthal mit den Vorräthen aus der Kesslerischen Periode
durch Auctionen aufgeräumt hatte, da hatte er auch zugleich dasj Rococo
abgethan. Eine Blumenvase der Sammlung des Museums vom Jahre
1784, also aus dem ersten Jahre seiner Leitung, weiss mit blauem Reif
herum, bezeugt mit ihrem Reliefornament und mit ihrem unglasirt
gelassenen figürlichen Relief in der Mitte, dass die Stunde der neuen
Zeit bereits geschlagen hat. Hier ist schon Nachahmung von Wedgwood,
dessen ganze Eigenthümlichkeit auf Nachahmung oder Benützung antiker
Vorbilder beruht. Das Beispiel, das in der Plastik Canova gab, die
Anregung, die von den aufgefundenen Gemälden und Decorationen in
Pompeji ausging, sie fanden den lebhaftesten Wiederhall in der Porzellanfabrication
und ganz besonders in der Wiener.
Das Rococo hatte seine Gegenstände auch mit kleinen Gemälden
geschmückt, die in letzter Zeit bürgerlichen und auch sentimentalen
Charakter angenommen hatten. Von dieser Art kurz vor dem Beginn
des antiken Geschmacks befindet sich ein sehr hübsches Dejeuner in der
Sammlung des Oesterreichischen Museums. Die Vorliebe für solche figürliche
Malerei blieb, aber die Gegenstände verwandelten sich in antike
Motive, oder diese Motive, welche die Sentimentalität noch nicht sofort
aufgaben, legten wenigstens ein antikes Gewand an. Diese Gemälde wurden
inmitten der Teller auf dem Rande von zierlichsten Ornamenten umgeben
oder in kleinen Medaillons mit höchster Vollendung ausgeführt. Ihre
Beispiele sind noch heute nicht selten. Damals zur Zeit der Entstehung
wurde ein solcher Teller bis zu hundertdreissig Gulden gezahlt; heute,
da er gesuchte Antiquität geworden, zahlt man ihn wohl mit dreihundert.
Das Oesterreichische Museum besitzt in seiner Sammlung eine ziemliche
Anzahl dieser Teller, eine grössere Collection ist noch in der kaiserlichen
Hofküche vorhanden; die grösste und schönste Collection, die wir kennen,
ist fürstlich Dietrichsteinische Erbschaft. Häufig sieht man auf diesen
Tellern auch historische Gemälde, welche uns die Bedeutung der
historischen Fachabtheilung in der Fabrik erklären; aber es sind selten
oder nie Originalcompositionen, sondern man copirte und verwendete die