MAK

Full text: Ausstellung Japanische Zierkunst

des strengen Gesetzes hinzutritt, dann ist es eine Verbindung 
gleichberechtigter Elemente, von denen eines den Reiz des 
anderen durch den Gegensatz hebt. 
Am stärksten ist die Hingabe des Künstlers an die Welt der 
Wirklichkeit dann, wenn er ein solches individuelles Motiv, 
einen Pflaumenast, einen Blütenzweig, ein Tier, gleichsam 
bildnishaft gestaltet, scheinbar ohne irgendeinen Nebengedan 
ken an Muster und Schmuck. Auf dieser Stufe ist auch die 
Verwendung der Landschaft in ihrer äußersten Form indi 
vidueller Wirklichkeit möglich. Sie spielt naturgemäß in der 
Textilkunst eine geringere Rolle, wenn sie auch nicht völlig 
fehlt, aber um so größer ist ihre Bedeutung in der übrigen 
Zierkunst. Gerade hier auf der Stufe der bildmäßigen Ge 
staltung, wo sdieinbar unbeschränkte Willkür herrscht, wird 
der feinfühlige Betrachter das Walten strengster künstlerischer 
Überlegungen nicht übersehen können, so verborgen sie sein 
mögen. Gesetz und Leben, Beherrschung der Welt und Hin 
gabe an sie sind hier nicht mehr unversöhnliche Gegensätze, 
sie sind auch als Gegensätze nicht aufgehoben, sie sind beide 
da und beide wirksam, aber sie sind in einer höheren geistigen 
Einheit vereinigt, im gestalteten Erlebnis.
	        

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