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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

HO

Aufträgen  überhäuft.  Die  in  höchster  Blüthe  stehende  Zeitungsindustrie,
die  regere  Verlagsthätigkeit,  der  unendliche  Bedarf  an  Drucksorten  für
Behörden  und  noch  viel  mehr  für  den  geschäftlichen  Verkehr  nehmen
alle  Pressen  unablässig  in  Anspruch.  Und  grade  dies  mag  die  Ursache
der  geringen  Betheiligung  an  der  Ausstellung  gewesen  sein,  da  für  eine
solche  noch  ziemlich  häufig  nicht  das,  was  täglich  gemacht  wird,  sondern
ausdrücklich  angefertigte  Prunkstücke  allein  geeignet  gehalten  werden.
Ist  das  Fernbleiben  so  vieler  bedeutender  Firmen  überhaupt  bedauerlich,
so  wird  es  das  noch  mehr  durch  dies  (wahrscheinliche)  Motiv,  denn  gerade
darauf  kommt  es  ja  an,  die  Durchschnittsleistungen  kennen  zu  lernen,
nicht  Arbeiten,  welche  mit  besonderem  Aufwande  und  unter  besonders
günstigen  Verhältnissen  einmal  und  nicht  wieder  hergestellt  wurden.
Namentlich  interessant  wäre  es  gewesen,  wenn  eine  von  den  älteren  Officinen
  den  Entwickelungsgang  des  Geschmacks  und  der  technischen  Vervollkommnung ­
  etwa  seit  zwanzig  Jahren  durch  eine  Reihe  von  Beispielen
veranschaulicht  haben  würde.  Die  letzten  Jahrzehnte  sind  für  die  Buchdruckerkunst ­
  in  Oesterreich  ausserordentlich  wichtig  gewesen.  Während
man  sonst,  was  schön  ausgestattet  werden  sollte,  glaubte  »draussen«
drucken  lassen  zu  müssen,  sehen  wir  gegenwärtig  Wiener  Officinen  für
das  Ausland  arbeiten.  Man  steht  im  Allgemeinen  auf  gleicher  Höhe  wie
in-Leipzig  und  anderen  Hauptsitzen  des  Buchdrucks  —  eine  Höhe,  von
welcher  aus  eine  weitere  Erhebung  allerdings  noch  eben  so  möglich  wie
wünschenswerth  bleibt.  Noch  hat  die  Mode  auch  auf  diesem  Gebiete  zu
viel  zu  sagen.  Die  unschönsten  Verzerrungen,  die  geschmacklosesten,
krausesten  Verschnörkelungen  werden  acceptirt,  wenn  sie  nur  neu  oder
wieder  neu  sind.  Dem  gegenüber  ist  von  grosser  Wichtigkeit,  dass  gegenwärtig ­
  die  Frage,  ob  es  nicht  zweckmässig  sei,  den  Gebrauch  der  sogenannten ­
  deutschen  Schriftzeichen  (Fractur)  aufzugeben  und  an  deren
Stelle  auch  in  Deutschland  die  lateinische  Schrift  (Antiqua)  treten  zu
lassen,  in  dem  amtlichen  Organ  des  Vereines  der  deutschen  Buchhändler
lebhaft  discutirt  wird.  Denn  die  lateinischen  Schriftzeichen  sind  durchaus
nicht  so  verlockend  für  Künsteleien  und  Verzerrungen  wie  die  Fractur,
welche  ja  von  Haus  eine  Verkünstelung  und  Verzerrung  der  Antiqua  ist.
Indem  die  Mönche  die  runden  Formen  durch  eckige  ersetzten,  die  graden
Linien  brachen  und  verschnörkelten,  lieferten  sie  zugleich  die  Vorbilder
für  alle  die  Experimente,  welche  bis  auf  den  heutigen  Tag  die  Schönheit
und  Leserlichkeit  der  deutschen  Druckschrift  beeinträchtigen.  Bekanntlich
ist  in  diesem  Augenblicke  die  deutsche  nur  mehr  die  einzige  Sprache,
welche  sich  der  Mönchsschrift  bedient,  Schweden,  Dänen,  Holländer,
Tschechen  u.  s.  w.  sind  zu  der  Antiqua  zurückgekehrt  und  auch  bei  uns
vermehrt  sich  zusehends  die  Zahl  der  mit  den  Typen  der  letzteren  gedruckten ­
  Bücher  und  Zeitschriften,  während  sie  für  die  sogen.  Accidenzarbeiten
  schon  beinah  alleinherrschend  ist.  Und  besonders  erfreulicher
Weise  wendet  sich  die  Praxis  immer  mehr  der  durch  Schönheit,  Einfach-
            
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