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Full text: Winter-Ausstellung 1901 - 1902

Ignaz Nagel. 
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Tinte. Ein grofser Nachtheil diefer Tinte ift der, dafs fie die Stahlfedern leichter 
angreift, und wenn, wie diefä bei der heutigen Fabrication fehr oft der Fall, das 
befchriebene oder zum Copiren verwendete Papier ftark chlorhaltig ift, bald 
nachgilbt. 
Nichtsdeftoweniger ift die genannte Tinte eine der beften Schreibflüffig- 
keiten. Das Verdienft, diefelbe in Oefterreich eingeführt zu haben, gebührt Leon 
hardy, das Verdienft ihrer Verbefferung Popp & Comp, in Prag. Durch deren 
ftets gleich gutes Fabricat fand diefelbe in Oefterreich eine faft allgemeine 
Verbreitung. 
Es wird mit diefer Tintenforte viel gefündigt, viel Nachahmung getrieben 
die den Ruf des Fabricates fchädigen. 
Der früher nur auf grofse Handlungshäufer befchränkte, feit dem Jahre 1840 
aber allgemein gewordene Ufas, Gefchäftsbriefe zu copiren, hat zur Darftellung 
einer neuen Tintenforte, der Copirtinte geführt, bei der leichte Copirfähigkeit 
die erfte, Haltbarkeit, Unveränderlichkeit der Farbe die weiteren Bedingungen 
find. Bis zum Jahre 1860 wurde diefe Tintengattung zumeift aus dem Auslande 
bezogen oder in fchlechten Nachahmungen hier fabricirt. Um diefe Zeit ver- 
fandte die Tintenfabrik von Julius Hofmaier (nun Heinrich Roedl) in Prag, 
Mufter von Copirtinten, welche bis auf den Umftand, dafs fie nicht fchwarz, 
fondern violett waren, alle erforderlichen Eigenfchaften in fich vereinigte. Diefe aus 
Blauholz extrahirte, mit diverfen chemifchen Subftanzen verfetzte Tinte hat den 
feltenen Vorzug, dafs fie jener ätzenden Säuren ermangelt, die den Papierleim zer 
fetzt, die Feder angreift und in der Schrift nach einiger Zeit jenen roftigen Stich 
bewirkt, der fich auch auf die Copie überträgt. Ein weiterer Vortheil ift deren 
Billigkeit und Verdünnungsfähigkeit, falls fie zu anderen als Copirzwecken ver 
wendet wird, fowie deren gute Confervirung nach längerer Aufbewahrung. 
Die intenfiv fchwarze Documenten-Doppelcopirtinte diefer Firma ift; der 
vorbefchriebenen aus dem Grunde vorzuziehen, weil fie gleich fchwarz fchreibt, 
fchwarz bleibt, und fchöne fchwarze Copien liefert. 
Seit Erfindung der Anilinfarben wurde der Tintenmarkt noch um ein 
Produkt, die Anilintinte vermehrt, welche aus wafferlöslichen Anilinfarben erzeugt, 
fich durch grofse Dünnflüffigkeit auszeichnet, bisher jedoch meift nur in farbigen 
Fabricaten wie brillant, violett, und blau erzeugt wurde, weil es fchwierig ift, eine 
im Wader lösliche Anilinfarbe herzuftellen. Auch diefe Tinten erfreuen fich der 
fchönen Farben halber einer grofsen Beliebtheit. Zur Ausfertigung von wich 
tigeren Schriftftücken, wie für Adten, kaufmännifche Correfpondenz und Buch 
führung follte man jedoch nur Tinten von bewährten Firmen nehmen, weil die 
fchlechteren Gattungen in der Regel fehr bald verblaffen und das Gefchriebene in 
kurzer Zeit unleferlich wird. 
Die vielfach im Handel vorkommenden Tintenpulver find abgedampfte 
Tintenprodudle, deren Erzeugung infoferne von Wichtigkeit ift, als fie für die 
Reife, fowie für den Export, um den Transport des Waffers zu erfparen, fehr 
vortheilhaft find. 
Die Ausftellung war mit Tinten reichlich befchickt. Sogar aus Braftlien 
und den Vereinigten Staaten waren verfchiedene Sorten eingelangt, über die wir 
jedoch, wie über die vielen Tinten anderer Länder kein Urtheil abgeben können, 
da eine Unterfuchung in vielen Fällen nicht geftattet, Mufter nicht zu erhalten 
und ein Einblick in die Jury-Protokolle nicht zu erlangen war, ein eingehendes 
Urtheil über Tinten aber nur dann möglich ift, wenn man diefelben einer längeren 
Beobachtung unterziehen kann. Die beften vorhandenen Tinten waren: 
Aus England: Alizarin- und Copirtinten von H. C. Stephens in 
London, die den beften Ruf geniefsen; die fehrhübfche Schreibtinte von William 
Lyons in Manchefter. 
Aus Frankreich: von Antoine p£re & fils, Paris, deffen Encre violette 
noire eine der fchönften fchwarzen Copirtinten auf der Ausftellung war, die fiini
	        
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