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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 7)

verkauf.  Klinger's  „Christus  im  Olymp''  hat  vielleicht ­
  nirgends  so  tief  gewirkt,  als  in  Wien.  Heute
ist  nichts  so  ungewohnt,  dass  die  Wiener  nicht
wenigstens  den  ehrlichen  Versuch  machen  sollten,
es  zu  begreifen.  Früher  war  dies  in  Wien  blos
bei  musikalischen  Leistungen  möglich.  Dass  die
alte  Musikstadt  Wien  endlich  dahin  gebracht  worden, ­
  sich  für  eine  Frage  der  bildenden  Kunst  so
zu  erhitzen,  ja  zu  „echauffiren",  ist  der  grösste
Erfolg  der  Sezession.  Selbst  die  Aufmischung
durch  Hans  Makart,  in  seinen  ersten  Jahren,  ist
damit  nicht  zu  vergleichen,  schon  weil  sie  einen
mehr  lokalen  Charakter  hatte.  Nur  der  Kampf
und  Sieg  der  Wagnerianer,  in  Wien  wie  in  aller
Welt,  ist  eine  Erscheinung,  die  sich  mit  dem  Triumph ­
  der  Sezessionen  in  allen  Hauptstädten  der
Welt  messen  kann.
Unter  den  engen  künstlerischen  Verhältnissen
Wiens  war  das  Unternehmen  der  Sezession  eine
That  des  verwegenen,  jugendlichen  Idealismus.
Opfermuthig  und  arbeitsmuthig  stürzten  sich  die

Neunzehn,  aus  denen  die  heutigen  Siebzig  geworden, ­
  in  einen  Kampf,  dessen  Ausgang  höchst  ungewiss ­
  war.  Ein  Glück  noch,  dass  sie  mehr  Künstler ­
  als  Geschäftsleute  sind.  Hätten  sie  z.  B.
geahnt,  dass  sie  die  erste  Ausstellung  in  der
Gartenbaugesellschaft  40000  Gulden  kosten  werde,
so  wäre  ihnen  vielleicht  der  Muth  gesunken.  Aber
sie  wussten  es  nicht  und  das  Wiener  Publikum
half.  Selbst  diese  kostspielige  Ausstellung  erzielte
einen  Reingewinn.  Immer  günstiger  gestaltete  sich
die  wirtschaftliche  Lage.  Gelder,  denen  so  von
selber  der  melancholische  Charakter  des  „fonds
perdu"  anhaftete,  wurden  erstaunten  Förderern
zurückgezahlt,  ja  selbst  ein  verhältnissmässig  ansehnlicher ­
  Betriebsfonds  sammelte  sich  an.  Nur
ein  Jahr  —  und  das  anfangs  so  schwankende
Gebilde  steht  auf  festem  Boden.  Es  hat  sich
durchgesetzt,  es  hat  Achtung  und  Liebe  gewonnen. ­
  Die  frohe  Zuversicht,  mit  der  man  heute
in  die  Zukunft  blickt,  ist  zweiseitig;  nicht  nur
die  Künstler  haben  sie,  sondern  auch  das  Publikum.
            
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