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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 10)

ehemalige Eigenthümer, der „Lord Protector", vor diesen Wagen 
sechs Pferde spannte. 
Karl I. wurde häufig gemalt, doch wirft der Hintergrund dieser 
Porträts nur wenig Licht auf die Möblirung seiner Zimmer, indem 
diese Bilder zumeist nur einen Tisch und einen Stuhl zeigen. 
Nach einer republikanischen Regierung von zehn Jahren bestieg 
Karl II. den Thron, und das sociale Leben des Reiches ging damit 
einem neuen bedeutsamen Wechsel entgegen. Karl II. war ein König, 
der nach langem Aufenthalt im Exil, und zwar am I-Iofe Ludwig XIV., 
wieder alle Macht in seinen Händen vereinigte. Der englische König 
copirte, so weit es anging, Luxus und Glanz seines mächtigen Ver- 
wandten, wie auch die weniger lobenswerten Gewohnheiten dieses 
grossen Herrschers. Die Personalausgaben stiegen mächtig, die 
nüchternen Sitten, die am Hofe seines Vaters herrschten, ver- 
wandelten sich bald in leichtes Leben und Lustbarkeiten, die der 
Sohn in einer mitunter sehr gemischtenGesellschaft genoss. 
Silbergeräthe, von denen sich manches gute Stück in den Samm- 
lungen der Königin und in Knole House befinden, hatten wieder ihre 
frühere Bedeutung erlangt. Zu VVhitehall, einstens das Londoner Haus 
des Cardinals Wolsey, später ein königlicher Palast, waren die Schlaf- 
zimmerrnöbel, Waschbecken, Spiegelrahmen, Tische etc. durchwegs 
von Silber, und zwar letzteres in gehämmerter Form, bei den Spiegel- 
rahmen und Tischen zumeist auf Holzplatten applicirt. Wandleuchter, 
Hängelampen und vielarmige Tischleuchter wurden grossentheils aus 
solidem Metall angefertigt. Auch die Speiseservice, Weinkühler, Vasen 
und Tafelomamente waren aus massivem Silber hergestellt. 
Von Thonwaren und Porzellanschüsseln oder Tellern weiss man 
vor der Regierung der Königin Elisabeth nichts. Majolika wurde in 
venezianischen Schiffen aus verschiedenen Städten Italiens gebracht. 
In vornehmen Häusem stand Zinn im Gebrauche, während die minder- 
bemittelten Classen ein viereckiges Brett aus Buchen- oder Pappel- 
holz für die Speisen benützten. Darauf legte man eine dicke Schnitte 
von I-Iausbrot, welche den Saft der Speisen, die man auf diese Brot- 
schichte legte, aufsog und die am Ende des Mahles verzehrt wurde. 
Das Kensington-Museum besitzt einige Sets von dünnen, 
runden Platten aus Buchenholz angefertigt, im Durchmesser von 
6 Zoll oder weniger, mit Blumen, Verzierungen und Sinnsprüchen 
bemalt, letztere nicht immer schmeichelhaft für Herren und Damen. 
Diese Schüsseln dienten für Zuckerwerk, während die Sinnsprüche zu 
scherzhaftem Gespräche den Anstoss gaben. Schüsseln dieser Art 
waren wohl kaum vor Jakob I. in Gebrauch.
	        

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