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Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 12)

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Arbeiten zu verwerten, so kann er, so sehr sein Schaffen auch im Schaffen 
Laliques den Ausgangspunkt genommen hat, als ergänzender Gegensatz 
zu Lalique gelten: Laliques Gebiet ist der individuelle, intime Schmuck; 
Vevers Gebiet der 
generelle Parade- 
schmuck. 
Freilich gilt dies 
nur von den Ge- 
schmeiden, die 
A. Werner jun., Goldschmuck, ausgeführt von J. H. Werner, Berlin naCh Henfi veVefS 
eigenen Entwürfen 
in den Ateliers der Brüder Vever ausgeführt Werden; die nach Zeichnungen 
des berühmten Omamentisten Grasset bei Vever ausgeführten Stücke, deren 
wir hier, neben den eigenen Arbeiten Vevers, eine Reihe reproduciren, 
bezeichnen einen ganz anderen Typus: sie sind vorwiegend emaillirter 
Goldschmuck und tragen einen weitaus weniger mondainen Charakter; sie 
sind durchgehends hochinteressante Originalitäten von oft ausgesprochen 
archaistischer Zeichnung, die manchmal selbst das gesucht Hässliche - 
man betrachte den Anhänger mit den beiden Hexen oder die Schnalle mit 
der quallenartigen Mohnblüte - der Sonderbarkeit zuliebe nicht vermeiden. 
Neben den Arbeiten Laliques, Foys, Vevers und Grassets repräsentirt 
schliesslich der Schmuck, den das Bing'sche Kunstgewerbe-Atelier „Art 
Nouveau" ausgestellt hat, eine fünfte scharf ausgeprägte Sonderart: die 
Bingschen Geschmeide, die von A. Bing junior und dem trefflichen 
Zeichner des Hauses, dem Amerikaner E. Colonna, entworfen werden, 
charakterisiren sich vor allem durch einen streng architektonischen Aufbau, 
eine klare, einfache Silhouette. Während der junge Bing hie und da noch die 
menschliche Figur an seinen Schmuckstücken verwendet, verzichtet 
Colonna, von dem Standpunkte ausgehend, dass sich jedes kunstgewerbliche 
Product bedingungslos an die Gebote einer stricten stilistischen Logik zu 
halten habe, auf alle Zuthaten, denen irgend der Vorwurf der Sinnlosigkeit 
gemacht werden könnte, und arbeitet lediglich mit einem sehr bezeichnenden, 
langgezogenen Li- 
nienomament, mit 
dem er am liebsten 
flache Barockperlen 
umrahmt. Colonna 
ist in seiner künstle- 
rischen Rigorosität 
def Stilistische Anti- A- Werner jun., Goldschrnuck, ausgeführt von J. H. Werner, Berlin 
pode des phantasti- 
schen Lalique; Colonna und Lalique bezeichnen die beiden Extreme, 
zwischen denen sich Frankreichs modernes Kunstschaffen auf dem Gebiete 
des Schmuckes bewegt. 
 

	        

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