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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

sieht man ihn zwar in seinen Anfängen, die 
sich merkwürdig altakadernisch ausnehmen, 
aber die intensiven Farbenstudien aus der 
Geschichte Polens überquellen von schwerer 
Kraft. Auch ein Motiv aus Konstantinopel, 
mit Seewasser, wirkt „voll und ganz". 
In der eigentlichen Wiener Winter- 
ausstellung tritt die Plastik sehr hervor. Der 
Zumbusch-Schüler Ignaz Weirich hat aus 
Rom seinen ehemen Gekreuzigten gesandt, 
der dem Markgrafen Alexander Pallavicini 
gehört. Ein kraftvoll durchgebildetes, in 
ernster Empfindung aufgehendes Werk, das 
ein gutes Horoskop stellt. Der Kopf mit dem 
Ausstellung in Bristol, Tintenfass von B. Cuzuer links niederhängendenl-Iaar istdasVelazquez- 
sche Motiv. Ein junger Wiener Böhme, Adal- 
bert Eduard Saft", erfreut durch zwei wandlange Reliefs aus der böhmischen Amazonensage 
(Sarka, Vlasta). Es sind ngurenreiche, etwas zu gedrängte Kompositionen einer mehr im 
Zierlichen waltenden Hand, die aber doch Temperament hat. Der Stil einer „Venus mit 
den Zöpfen" hat auch gewiss etwas Nationales. Überhaupt werden sich diese Friese im 
Stiegenhause des neuen Museums zu Pilsen gewiss gut machen. In die Kosten teilen sich 
das Unterrichtsministerium und die Stadt Pilsen. Unter den Bildern fällt ein vorzügliches 
jägerprortät von Joanowits auf. Dann ein interessantes Phantasieweib von Veith. Mehrere 
duftige Landschaften von Schäffer, wo eine kühle weisse Nebelluft hinter dicken Baum- 
stämmen wirkt; der Künstler hat neuerdings merkwürdige Ressourcen in sich gefunden. 
Noch andere Landschaften von Robert Russ, Zoff, Tomec. Eine judithartige Person aus 
der Münchner Theaterwelt von Lenbach. Eine makkabäische Szene von Jehudo Epstein, 
mit derbem Kolorismus gegeben. Eine Frühjahrsparade von Ludwig Koch, wo der Kaiser 
mit grossem Gefolge vorbeigaloppiert (Aquarell). Mittendrin eine lebendige Bronzebüste des 
Ministers Dr. Rezek von Saft" und allerlei Schmucksachen von Waschmann im erfindungs- 
reichen Pariser Juwelen- und Emailstil. Der Wiener Theodor Bruckner stellt eine Sammlung 
figuraler Stimmungsbilder aus, auf grünlichen Dämmer gestellt, aber noch nicht reif 
genug. Auch Emil Strecker in Dümstein hat eine Kollektion, in der es, bei unzureichen- 
der Technik, nicht an pikantem Sehen fehlt. Unsere jüngste Künstlergruppe, der "Jung- 
bund", hat sich drei Kabinette eigens eingerichtet, um ungestört zu wirken. Hier ist Frische, 
Gährung, Blühenwollen. Nennen wir in der Eile die Tierstücke Ederers (eine Herde 
Panther in der Arena, ein ungewöhnliches Motiv), die stilistischen Landschaften Barths, 
die landschaftlichen oder figuralen Studien von Manch, Gross, Pock (Ulanen), Hollitzer 
(Manöverrnotive), die graphischen Sachen von Czeschka, Comploj, Zwickle, die Plastik 
des I-Iellmer-Schülers Waterbeck. Um die Vielheit noch vielfältiger zu machen, hat die 
Kunsthandlung I-Ieinemann in München in einem der grössten Räume ein Bunterlei aus 
ihren Vorräthen ausgestellt. Es kommen da die berühmtesten Namen vor, aber mehr mit 
Nebensachen und oft schwach genug. Eine Frühlingsidylle von Segantini zum Beispiel 
würde man schwerlich von selbst diesem Meister zuschreiben. Von Lenbach sieht man 
unter anderem die Tänzerin Saharet, die allerdings von Pikanterie sprüht, und einen seiner 
schwächeren Bismarcke im Zivil. Von Munkacsy einen blühenden Mädchenkopf, von 
Pradilla eine seiner famosen kleinen Karnevalszenen (hier schon bekannt), von Schleich 
einige vorzügliche Stimmungslandschaften mit damaligen Dufthimmeln, dann allerlei von 
Thema, Löfftz, l-lölzel, eine Kleinigkeit von Pettenkofen, eine Unglaublichkeit von Dagnan- 
Bouveret. Kurzßammelsurium. Gern rettet man sich hinüber in den Stiftersaal, wo an die 
120 Originalblätter für die ,,Österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild" aus- 
gestellt sind. Dass das kronprinzliche Werk ein vornehmes Stelldichein für unsere sämt- 

	        

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