MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 6 und 7)

Schubladenkasten, ungarische Esche, poliert 
 
der grossen Sparsamkeit, die notgedrungen eintreten musste, die Beschläge 
aus geschnitztem, vergoldetem I-Iolze und nicht mehr aus der teueren 
Bronze herstellte. In derselben Weise sind die Skulpturen am folgenden 
Sessel, zwei Adler, die die Lehne tragen, und die Skulpturen an dem 
Ruhebette verfertigt, das in seiner Form das reine Empire nachzuahmen 
versucht, seine Entstehungszeit aber nicht verleugnen kann, da die Art der 
Modellierung der Greifen und Greifenköpfe, die Art der Zeichnung der 
Blumen auf dem Holzgestelle und die Ausführung der Plastik in vergoldetem 
Holze auf die Biedermeierzeit hinweisen. In dieselbe Zeit gehört auch der 
Tisch mit eingelegter Platte, der die Form des oben abgebildeten Empire- 
tisches (Seite 260) nachahmt und als Verzierung an dem Fusse drei in Holz 
geschnitzte Delphine trägt, ganz ähnlich dem Tische, den wir bei der 
Besprechung der Arbeiten Sheratons kennen gelernt haben. 
Auf Seite 282 sind zwei Nachtkästchen abgebildet. Während das eine 
von ihnen mit den vier Säulen an den Ecken sich als architektonisch auf- 
gebautes Möbel gebärdet, ist das andere von rein praktischer Form und 
von einer zweckmässigen Einfachheit, die uns bei dem Anblicke ganz 
besonders befriedigt. Man sieht sehr deutlich den Unterschied zwischen dem 
Prinzipe des Empirestiles und dem der Biedermeiernutzkunst. Die Füsse in 
Form der Säulen sind bei dem zweiten nicht omamental verwendet mit der 
Absicht, den Schein einer Konstruktion zu erwecken wie bei dem ersten, 
sondern sie tragen tatsächlich sowohl die Lade mit der Platte, als auch 
noch ein grösseres versperrbares Kästchen. 
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