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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 8 und 9)

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Raumdisposition und farbige Dekoration 
- auf die Künstler ihrer Zeit nicht einigen 
 Eindruck gemacht habe. Je zwei vor 
_' Wandpfeiler gestellte gekuppelte Säulen, 
die einen Bogen tragen, finden sich auch 
T an berühmten Baudenkmalen, die uns 
viel näher liegen als jene der ewigen 
Stadt, so z. B. in den beiden oberen 
Stockwerken von Longhena's schon oben 
erwähntem Palazzo Pesaro in Venedig. 
Ob das, wie schon früher bemerkt, 
verhältnismässig schmale Treppenhaus, 
in das wir über mehrere Stufen durch ein 
prachtvolles, mit dem savoyischen Kreuz 
_ , dekoriertes eisemes Gittertor gelangen, 
' wirklich „die künstlerisch bedeutendste 
Leistung an dem Palaste" ist, lassen wir 
vorläufig dahingestellt. „An malerischer 
Wirkung", meint Gurlitt (II. 2. S. 226), 
„kommt es räumlich mit überlegenen 
italienischen Bauten gleich." Ilg meinte 
in der Treppe des bolognesischen Palazzo 
Pizzardi das Muster für die in unserem 
Palaste zu erblicken. Der nach Zani 
I- (Enciclop. I. 18. S. x07) 1760 verstorbene 
Gmeskemach 13m1" Francesco Tadolini (oder Taddolini) 
muss die fragliche Treppe in einem 
sehr, sehr jugendlichen Alter geschaffen haben, wenn die im Eugen'schen 
Winterpalais mit ihr in irgend einem Zusammenhange stehen soll. 
Wahrscheinlich haben zu einer Zeit, da die französische und englische 
Kunst auf Italien wieder zurückzuwirken begann, die bolognesischen 
Architekten ganz ebenso wie die Wiener sich nach den Handbüchern des 
Auslandes gerichtet. Man sehe sich zum Vergleiche mit unserer Pracht- 
treppe den von Daviler gegebenen Grundriss und Durchschnitt eines 
„Escalier tres riche, mais d'une composition fort extraodinaire" etwas 
genauer an, denke sich den ersten Arm, der zum Podest B führt, bis zu 
sechzehn Stufen verlängert, die beiden Arme F beträchtlich verkürzt und 
das „Vestibule au premier etage" statt von Säulen, von wuchtigen Atlanten 
getragen. Auch dieses Schema zeigt ein durch beide Stockwerke reichendes, 
durch hohe Seitenlichtfenster erhelltes Treppenhaus. Auch in unserem Palais 
steht eine Figur in erhöhter Nische, zur Abwechslung aber nicht die Pallas, 
sondern der Herkules, der, seitdem die berühmte antike Statue im Palazzo 
Farnese ihre Aufstellung gefunden, wie deren Replik in unserem Palazzo 
Lobkowitz beweist, ein beliebtes und vielfach verwendetes Dekorations- 

	        

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