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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

eigen, in der Kaiserzeit auch dem Thraker Orpheus, dem Phryger Attis und dem 
Perser Mithras verliehen wardz" Phrygische Mütze, faltige gegürtete 
Ärmeltunica, lange Hosen, die unter den Knieen geschnürt sind, Bund- 
schuhe, kurzer, auf der rechten Schulter gehefteter Mantel, in leichtem 
Bausche den Rücken umwallend. Die ganze übrige Rundung ist bis auf 
einen schmalen Rand von Tieren und Bäumen in neun Streifen übereinander 
ausgefüllt, welche durch unregelmäßige, knalligen Erdboden andeutende 
Streifen getrennt sind. Der oberste enthält drei Vögel in kleinen Figuren, 
Hahn, Gans und Ente. Der folgende fünf größere, Rabe, Krähe Geier (?) 
Falke und Pfau. Der dritte eine Schlange, die gegen einen Greif züngelt, 
Elefant, Eidechse, Adler, Nashorn, Nilpferd; darunter ist der gerade über 
Orpheus' Kopfe befindliche Adler zu beiden Seiten durch Palmbäume hervor- 
gehoben. Die drei folgenden Streifen sind durch das Mittelbild unterbrochen. 
Im obersten links sieht man einen aufspringenden Tiger und einen flöten- 
spielenden Kentaur, rechts dem Orpheus zugewandt, einen hockenden Affen 
mit einer Syrinx, eine Antilope und ein umbestimmbares büffelartiges Tier 
mit Hörnern; darunter links einen springenden Wolf, gegen welchen vom 
Stamme eines breitästigen Baumes aus eine Schlange aufschnellt, einen 
Steinbock und eine Gemse; rechts einen Hirsch, einen Panther und einen 
fliegenden Vogel. In der sechsten Reihe erscheint links ein Pferd (?) und ein 
Maultier oder Esel, zwischen beiden ein brennender Altar; am Fuße des 
Orpheus beschattenden Baumes ein Ichneumon, rechts zwei Bären an 
einem Baume und ein Biber. Die siebente Reihe enthält ohne Unterbrechung 
ein ruhendes Kamel, einen Stier, eine Schildkröte, unter Orpheus einen 
schön verzweigten Baum, ein Löwenpaar, einen Fasan; die achte, zwei 
Esel, einen Eber, welchen ein Hund stellt, einen Hasen, welchen ein 
anderer Hund verfolgt, und eine Schlange. In der letzten Reihe haben noch 
ein Eichhörnchen, eine Ziege, ein Widder und ein wieselartiges Tier Platz 
gefunden. 
Im ganzen zeigt die Schale demnach außer dem Hauptbilde 53 Tiere 
und 21 Bäume. Eine zoologische Musterkarte von gleicher Reichhaltigkeit 
sucht man auf anderen heidnischen und altchristlichen Darstellungen des 
musikgewaltigen I-Ieros vergeblich. Von der begeisterten Teilnahme, welche 
nicht bloß die Tiere, sondern selbst die Bäume auf dem von Philostratus 
beschriebenen Gemälde an Orpheus Gesang und Lautenspiel bezeugten, 
ist freilich nichts zu merken, die meisten Tiere schreiten ruhig daher, andere 
sind auf der Jagd dargestellt, wie auf den allbekannten halbkugeligen Frucht- 
schüsseln und anderen Sigillaten. Beim Tierbilde des Orpheus-Mythus sind 
auch sonst Jagdszenen nicht gerade selten. So finden sie sich auf einer 
Gruppe des Zentralmuseums in Athen," einer im Museum des Tschinili- 
Kioskes in Konstantinopel,"""" auf einem Grabdenkmal aus St. Martin am 
" Cumonx, a. a. 0. Westdeutsche Zeitschrift XIII. S. 69 f. 
i" Strygowski, Röm. Quartalschrift IV, S. m5, T. VI. 
"N Ders. ihd. x. Bd. S. m6.
	        

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