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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

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und in einer Reihe anderer Fälle nachgewiesen 
war, wirkte seine Autorität in dieser Frage wie 
Scheuklappen. 
Wir begreifen jetzt unter der Bezeichnung 
"Millefiori" nicht nur jene Sorte opaker bunt- 
farbiger Gläser, die mit einem kleinen Muster U 
von Streublümchen verziert sind, sondern Mo- 
saikgläser verschiedener Art, solche mit einem 
regellosen Durcheinander von Flecken, runden 
und eckigen, regelmäßigen und unregelmäßigen 
Punkten, Augen, Streifen und Bändern, geraden, 
spiralförmigen und welligen Linien, also solche, 
die man auch im allgemeinen marmorierte, 
Onyx-, Madreporen- etc. Gläser benennt. Das 
Entscheidende ist, daß das Muster keine be- 
kannte Art des buntfarbigen Marrnors, der Edel- 
und Halbedelsteine wiedergibt, sondern sich 
nur in freier Weise an solche Naturformen an- 
lehnt. Die genaueren Nachahmungen von sol- , 
chen waren längst als Glas bekannt und wurden Antike Siuna aus Kristallglas. Venedig. 
nach den natürlichen Mustern bezeichnet. Da- Scha" "n S- "m" 
gegen richteten gerade jene opaken Gläser, die keine bekannte Gesteinsart 
nachahmten, sondern ein Willkürliches, in ihrem Farbenglanz die Natur 
übertreffendes Zufallsmuster und blümchenförmige Rosetten zeigten, in einer 
Zeit große Verwirrung an, für welche das Glas und die technischen Prozesse 
seiner Herstellung noch etwas Neues und teilweise Rätselhaftes waren. Man 
suchte auch bei ihnen nach einem Vorbilde in der Natur, nach einem seltenen 
Stein, der in fernen Landen aus unbekannten Tiefen gezogen wurde. 
Gemeinsam ist allen Arten von Milletiori die Technik, die Zusammensetzung 
der Glasmasse aus farbigen Stäben, die durch mehrfachen Überfang ring- 
förmige, bunte Umrahmungen erhielten und mit Stäben und Brocken ver- 
schiedenster Form kombiniert wurden. 
Nach Italien waren Glasarbeiten zwar schon in einer Zeit gedrungen, 
welche diesseits der Alpen der Hallstadt-Periode entspricht. Ihr gehören kleine 
Schälchen aus trübem, bräunlichem Glase mit opakweißer Äderung an, die 
man in Santa Lucia und auch in Süddeutschland und Frankreich gefunden hat. 
Sie sind dickwandig und plump aus freier Hand gebildet. Durch die Phönizier 
kamen Schmucksachen von opak-buntem Glase aus der Heimat der Glas- 
industrie, dem Wunderland der Pyramiden, nach Sizilien, Süditalien und 
Sardinien, durch die Etrusker und Griechen große Mengen von Balsamarien, 
schön geformte Amphorisken, Oenochoen und Fläschchen, teils einfarbig, teils 
mit bunten Bändern, Wellen- und Zickzacklinien. Aber erst Cicero spricht in 
seiner Rede pro Rabiro zum ersten Mal in der römischen Literatur von Glas- 
gerät im Haushalte und erst zu seiner Zeit werden die Römer mit der 

	        

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