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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 6 und 7)

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(„Wahre Abbildung der Jenigen Execution So zu Eger den 25 Februar A0 1634 fürüber- 
gangen", bei den Figuren Ziffern zur untenstehenden Namensliste) stellt die Ermordung 
der Generäle vor. Gedeckte Tafel, einzige Kerze, gezogener Degen, Musketenfeuer; nebenan 
die Küche, wo Rittmeister Neumann getötet wird. Der Kunstwert ist Null; es ist augen- 
scheinlich lokale Malerei, die aber an Ort und Stelle kurz nach dem Ereignis entstanden 
sein muß, denn die Gemächer haben noch ihre Renaissancemöbel. Die späteren, noch 
populärer gefaßten Kopien, vielmehr Varianten, bei denen aber die Aktion genau bei- 
behalten ist, haben schon Barockmöbel und anderes Kostüm. Diese Bilder sind nun wieder 
ganz hergestellt. In dem ruinösen Zustand befinden sich noch zwei Porträte: des sechs- 
jährigen Wallensteins, von 1589, einst dem Sanchez Coello zugeschrieben, und das statt- 
liche Bild der auch bei Schiller vorkommenden Bürgermeisterin Anna Margaretha Renner 
geborene Pachhälbel oder Pachhäubel. Hier fehlt die obere Hälfte ganz und wird nach 
den Photographien neu zu malen sein; das schöne Kostüm ist erhalten. Die Bilder hatten 
namentlich auch durch den metallischen Niederschlag von Dämpfen zu leiden, die sich 
aus geschmolzenem Zinngeschirr entwickelten. 
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HARLES WILDA. In der Nacht zum 11. Juni ist dieser liebenswürdige Maler im 
Wiedener Krankenhaus den Folgen eines am 27. Mai erlittenen Schlaganfalls 
erlegen. Er war in Wien am 2c. Dezember 1854 geboren und Schüler Leopold Müllers, 
dessen ägyptisches Erbteil er auch antrat. Sein „Arabischer Märchenerzähler" gewann ihm 
1895 den Kaiserpreis. Dieses Wiener Ägypten um 1870, das ein volles Menschenalter 
währte, lebt eigentlich von Pettenkofen und ist ein brillantes Atelierprodukt, noch unbe- 
rührt von den optischen Freiheiten der Neuzeit. Alfons Mielich ist der letzte Ausläufer, 
J. V. Krämer hat schon das Phänomen als solches auf ägyptische Motive anzuwenden 
versucht. Wilda nahm allerdings das Thema damals mit einer knisternden Jugendfrische 
auf, man liebte daran die neue Hand. Aber auch das frischgrüne Dorf, dem der Heim- 
gekehrte sich wieder zuwandte, ließ man sich gern gefallen, obwohl es nach all der Wärme 
sogar auffallend kühl ausfiel. Wilda war jedenfalls ein ansprechendes Talent, das auch seinen 
regelrechten Weg der Ehren machte (x898 kleine goldene Staatsmedaille, 1900 Dobner- 
Preis, 1904 große goldene Staatsmedaille). Und er strebte nach Kräften ins Höhere. Seine 
preisgekrönte „Prinzessin Turandot" von 1904 war ein ganz neuartiges Unternehmen, 
vermutlich von Boutet de Monvel und irgend welchem Engländer angeregt. Eine märchen- 
hafte Szene von größter Appetitlichkeit, ein ganzer Hofstaat in Gold und Juwelen, gold- 
gelb die herrschende Farbe und ausgeführt mit der Zierlichkeit eines juweliers. Es war 
ein Erfolg und nicht bloß bei den Unkritischen. Auf diesem Wege war sogar „modem" 
weiterzukommen. In der Tat sehen wir 1996 sein Bild: „Gulliver und die Riesenfräulein", 
allein dieses ist schon für die Vervielfältigung geschaffen und trägt mehr dem großen 
Publikum Rechnung. Es ist leicht ins Chinesische pointiert (Schlitzaugen und dergleichen) 
und mit einer glitschigen Glätte behandelt. Sein diesjähriges Bild: „ Prinz und Bauern- 
mädchen" ist wieder künstlerischer beabsichtigt, das Märchenmäßige auch als malerische 
Stimmung ausgedrückt durch die wunderartige Plötzlichkeit der schwefelgelben Prinzen- 
iigur in all dem dämmerigen Grau der Szene. Man merkt, daß das Anschlagen dieser 
gelben Note etwas Seltsames ankündigt. Immerhin ist der Einfall nicht ausreichend durch- 
geführt. Schade, daß dies sein Letztes bleiben sollte. Er war eine feine lichtempfindliche 
Natur und stand noch auf der Höhe des Schaffens. Er war innerlich noch lange nicht zu Ende. 
AS KIND. In der dem Kinde gewidmeten Ausstellung, welche die Rotunde füllt, 
erregt modernes Spielzeug bei Groß und Klein viel Gefallen. Wien ist auf diesem 
Gebiete jetzt weit voraus. Die für Edinburg geplante Spielzeugausstellung wird dies 
neuerdings bekräßigen. Auch Paris merkt es bereits und Fräulein Marie von Uchatius,
	        

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