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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 11)

wenigen und dem bekann- 
testen der mittelalterlichen 
norwegischen Kirchen- 
stühle, über den sich ähn- 
lich wie über den Strozzi- 
SchemeleineeigeneBiblio- 
graphie zusammenstellen 
ließe. In dem Mittelsaal der 
Sammlung Figdor neben- 
einander stehend, sind die 
beiden doch für den, der zu 
sehen und zu vergleichen 
versteht, durch eine Welt 
voneinander getrennt, und 
fast will es uns scheinen, 
als hätte ein jedes dieser 
Stücke auch ein Teilchen 
der Atmosphäre seiner 
Entstehungszeit und sei- 
nes Ursprungslandes in 
sein neues Heim mitge- 
bracht. Führt uns der Sga- 
bello in die Übereleganz 
des Florentiner Quattro- 
cento, in die weiche Luft 
der Toskanischen Prima- 
vera, aus deren schimmernden Nebelschleiern die holdseligen Profile der 
Maddalena Strozzi, der Giovanna Tomabuoni und der „Bella Simonetta" auf 
uns niederschauen, so versetzt uns der Anblick des in seiner zyklopischen 
Form wie aus einem Stück Urgestein gehauenen nordischen Möbels in rauhere 
Regionen: Sehen wir auf seinem Relief die Ritter in Panzerhemd und Topf- 
helm gegeneinander anreiten, so vermeinen wir das Klirren der Normannen- 
schwerter und die wilde Brandung der Meereswoge zu hören, ein kalter und 
starker Luftstrom umfängt uns, und wie den Dichter ziehts auch uns 
„Nach der Fichten dunklem Walde, 
Zu der Runenschrift im Stein, - 
Und ein Wiking und ein Skalde 
Sollen unsre Führer sein!" 
Abb. x04. Faldistorium aus der alten Militärkirche in Brünn, um 1700. 
Höhe 0,86, Breite 0,70 Meier 
Aber mißtrauen wir diesem ersten Eindruck, der schon den Altmeister 
v. Hefner-Alteneck, Du Chaillu, den Verfasser des „Viking Age" und so 
viele andere irreführte! Als der aus Gaarekirchen in der Provinz Thele- 
marken stammende Stuhl vor beiläufig einem halben Jahrhundert auftauchte, 
glaubte man in ihm ein Unikum aus der Vikingerzeit, dem XI. oder XII. Jahr-
	        
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