MAK

Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 5)

frisch zugreifende Naturkenntnis der Norweger. Und daneben zeigen feintonige Stilleben 
von Filipkiewicz oder polychrome Kircheninterieurs von Kamocki die geschmackvolle 
Beherrschung komplizierter Farbenprobleme und eine breite, leichte Pinselführung. 
Die deutschen Maler treten der Landschaft, dem Stilleben und Interieur mit größerer 
Innigkeit des Empfindens näher. Da sind Stoitzners und Leglers Landschaften und Still- 
leben. Stoitzner weiß das reichste zeichnerische Detail in einem ungemein geschlossenen 
Ton zusammenzubinden, während Legler den farbigen Natureindruck in einer reichen 
Skala von Tönen festhält, die stets fein und wirkungsvoll zusammenklingen. 
Harlfingers Interieurs und Stilleben von Hänisch zeigen ein Versenken in die Licht- 
probleme des Innenraumes; wie Hänisch aus einem Aktendepot in einem alten Saal eine 
ganze Reihe von Bildern herauszuschneiden weiß, demonstriert in hübscher Weise, daß 
es stets darauf ankommt, wie man eine Sache malt, nicht was man als Gegenstand vor 
sich hat. 
Auch für das Porträt gilt dasselbe. 
Ob man wie Hammer, von Waldmüller und seiner Zeit verleitet, das intimste Detail 
mit Liebe durchführt, oder wie der Italiener A. Stringa und der Deutsche Spiro in einem 
einfachen und kräftigen Farbenproblem alle Details auflöst, ist im Prinzip gleichgültig. 
Wenn nur das Problem in jedem Falle so gut gelöst ist, daß das Bild überzeugend wirkt 
und charakterisiert. 
Es gibt tüchtige dekorative, ins Monumentale strebende Leistungen, die einer archi- 
tektonischen Wandbehandlung gut einzufügen wären, wie jene von Oswald Roux; dann 
wieder Gebirgslandschaften wie jene von Harta, die nicht von der Photographie oder der 
Vedute ausgehen, sondern vom malerischen Problem der Farben und Lichterscheinung 
und dadurch Größe erhalten. Kurz überall, wohin man in diesen Räumen blickt, waltet 
eine künstlerische Tendenz vor, und man würde nur wünschen, daß die Vielen, welche 
den gefälligen Interpretationen einer entgegenkommenden Mache willig Beifall spenden, 
auch in die ernsteren Bestrebungen jener moderneren und innerlicheren Arbeiten unserer 
Generation Einblick erhielten, um zu erkennen, was die Malerei heute schon vermag und 
um sich daran zu erfreuen. Gerade weil es sich hier nicht um ganz große Werke handelt, 
sondern um ein in weiten Kreisen bereits erreichtes künstlerisches Niveau, wirkt die 
Rückständigkeit derjenigen um so auffallender, die auf unsere bedeutenden modernen 
Errungenschaften gerne spöttisch herabblicken und sich mit dem Rüstzeug der Vergangen- 
heit wappnen, das einst Größeren angepaßt war, in dem ihr Epigonentum nur auffallender 
zutage tritt. 
AGENBUND. Mit Empfindungen der Teilnahme und des Bedauerns betritt man 
die Räume des I-lagenbundes, welche zum letztenmal den Zwecken der Kunst dienen 
sollen und aus denen schon so oft wertvolle Anregungen, erfrischende Eindrücke geholt 
werden konnten. Die Vereinigung wird durch die Kündigung des Mietvertrages in eine 
sehr ungünstige Lage gebracht, welche durch die große Schwierigkeit, in Wien neue Aus- 
stellungsmöglichkeiten zu schaHen, erheblich verstärkt wird. Hoffentlich führt die Not des 
Augenblicks zu einem Entschluß, der die Zukunft des Ganzen fördert und der Zerfahrenheit 
unserer Künstlergruppen, die ja heute nicht mehr von so tiefen Gegensätzen getrennt 
werden wie einst, entgegenarbeitet. 
Eine größere Einigkeit in den Kreisen der Schaifenden wird auch eine kräftigere 
Wirkung auf die Kreise der Anregungsbedürftigen zur Folge haben, die der Sache der 
Kunstförderung durch das Publikum äußerst wertvoll werden kann. 
Aus dem maßvoll und mit ruhigem, berechtigtem Selbstbewußtsein geschriebenen 
Vorwort des Kataloges kann die wohltätige Wirksamkeit der Vereinigung von allen jenen 
herausgelesen werden, die sie nicht selbst empfanden. 
Ihr offenes Eintreten für das Neue und Jugendliche, ihre Freude am Werdenden 
betätigt sie auch diesmal, indem sie einer Reihe von Arbeiten Raum gibt, denen wohl nicht
	        

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