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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

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ernst und fast groß und feierlich. In keinem zweiten Werke dieser Zeit und 
dieses Gebietes hat der monumentale Geist der vorhergehenden Epoche 
sich mit dem Wahrheitsdrange der späteren Zeit zu solch einheitlicher 
Wirkung und solchem klaren Formenausdruck vermählt. Die beiden Werke, 
die Grabplatte des Abtes Zipfler und des Propstes Pienzenauer, ergänzen sich 
gegenseitig und bilden die wichtigsten 
Zeugen für die in ihnen verkörperte 
Stilwandlung. Eine Frage aber harrt 
hier noch der Antwort: Wann haben 
wir den Stein des Propstes Pienzenauer 
anzusetzen? Der Propst starb im 
Jahre x435, wie uns die Inschrift mit- 
teilt. Daß aber erst in diesem Jahre 
oder noch später das Grabmal gefertigt 
worden wäre, widerlegt einesteils der 
Stil desselben, andernteils der Um- 
stand, daß, wie deutlich sichtbar ist, 
von der Jahrzahl ursprünglich nur „m" 
ccccm fertig gerneißelt war und die 
Zehner und der Fünfer erst später 
nach dem Tode des Propstes aus- 
gearbeitet wurden. Angesichts der 
Altertümlichkeit des Steines und im 
Vergleich mit jenem des Abtes Zipfler 
wird man ihn erheblich über das 
Todesjahr des Propstes hinaufrücken 
dürfen. Er steht entschieden der Grab- 
platte des Simon Farcher am nächsten 
und bildet die Brücke von dieser zu 
jener des Johannes Zipfler. Erwägt 
man, daß Abt Simon, gestorben 1412, 
seinen Stein schon zu Lebzeiten hat 
fertigen lassen, der des Abtes Johannes 
aber erst nach dessen Tod, 1417, 
entStanden ist, S0 Wird man die Abb. 15. Grabstein des Abtes Leonhard Schellen- 
Pseudotumba des Propstes Petrus stain von Raitenhaslach an der Pfarrkirche von 
Pienzenauer (gewählt 1404) etwa um Neuömng 
das Jahr 1415 anzusetzen haben. Dabei müßte man freilich ganz von der 
Möglichkeit absehen, daß der Meister des Zipfler-Steines ein reger fortschritt- 
licher, der des Pienzenauer-Steines dagegen ein durch Jahrzehnte hindurch 
im Banne alter Tradition schaffender Künstler war. Gerade dies letztere 
aber erscheint mir in Hinblick auf die Vorzüge des Werkes kaum annehmbar. 
Weniger der künstlerisch bedeutenderen Grabplatte des Propstes Petrus 
Pienzenauer als dem bescheideneren Steine des Abtes Leonhard Putzer,
	        

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