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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1865 / 3)

bis 16 Jahren, Studien zur Dinputa, Schule von Athen, eine Skizze zur Madonna im 
Grünen, Studien nneh antiken Statuen u. s. f. Unter den Blättern, welche Michel Angele 
zugeschrieben werden. befinden sich Studien zur Sixtina, zahlreiche Nsturstudien u. s. f. - 
Die meisten Blätter lragen den Stempel von früheren Besitzern, Timet. Viti, Lawrenee, 
Herzog von Alba, Wicar, Reynolds, Friss. 
Das Museum hat ferner angekauft eine Reihe von Photographien nach Gebäuden 
in Alexundrien und Cairo nach Aufnahmen von Christ. Paier. Diese Blätter sind sehr 
lehrreich zum Studium des orientalischen Geschmacks und in dieser Richtung eine interes- 
sante Ergänzung der Sammlungen des Museums. 
Die Sammlung der Gypsgiisse hat sich durch einige ornamentsle Werke aus 
der römischen Kaiserzeit, die jetzt von jenen Künstlern und Handwerkern gesucht werden, 
welche die Renaissance studireu, vermehrt. Die Originale in Marmor befinden sich im 
lßferanensischen Museum in Rom. Die Zahl der ügurslischen Gypsgiisse ist durch den Apollo 
von Belvedere, nach dem Gypsmodelle der hiesigen Akademie, und sieben Büsten nach den 
Originalen der Glyptothek in München vergrössert worden, 
(Wird fortgesetzt.) 
Vorlesungen im Museum. 
(Fortsetzung aus dem November-Hefte.) 
(Vortrag des Oberhnurnthes Van der Null - 16. Nov.) Dei- Gegenstand 
dieses Vortrages war die Herstellung der Fscsde der Domkirche Sta. Maria del 
Fiore zu Florenz, in Betred deren in diesem Jahre eine internationale Jury, welcher 
Van der Nüll selbst angehörte, getagt hat. Der Sprecher sah sich zur Wahl dieses Gegen- 
standes theils durch die masslosen, aus den gröbsten Geschützen geschleuderten Angriife, 
denen die Jury ausgesetzt gewesen, theils durch die Rücksicht bestimmt, dass einem Wiener 
Künstler, Herrn Carl Hssenausr, durch die nnparteiische Clsssification des Schieds- 
gerichtes eine höchst ehrenvolle Stellung unter den Theilnehinern jenes Concurses ange- 
wiesen worden war. Die ganze Angelegenheit datirt aus dem Jahre 1861, wo die stiidt. 
Deputation von Florenz einen Concurs zur Herstellung der Dom-Facade eröffnete. An 
diesem Concurse betheiligten sich 58 Künstler, von denen die meisten einen Drei-Giebel- 
Abschluss der Facade beantragten. Als Preisrichter dieser Projecte waren Professoren 
aller in Italien bestehenden Akademien bestellt, welche gegen die Drei-Giehel-Lösung Protest 
erhoben. Der Geist des betreifenden Bapportes kennzeichnet sich durch folgenden Passus: 
„Vergessen wir nicht, dass der italienische Genius diesem Werke erst jene zierliche und 
zugleich würdige Einfachheit verleihen soll, die demselben einen Charakter aufpriigen wird, 
welcher sich schickt für Leute, die nicht gewöhnt sind, unter spitzwinklichten Dachungen 
die wilden Forste des Nordens zu bewohnen," Nachdem die Preisrichter die einzige specifisch 
italieiiisch-gothische Lösung verworfen harten, sppellirte die Deputation an ihre eigenen 
erleuchteten Kenntnisse; aus den Preisrichtern wurden Coiicurrenten; die 58 Pläne wurden 
mit Achtung ad acta gelegt. Zu diesem beschränkten Concurse der früheren Preisrichter 
wurden noch zugezogen vier andere Künstler, darunter de Fsbris aus Florenz und 
Petersen aus Kopenhagen. Diese vier Herren hatten an dem früheren Schiedsgericht 
nicht theilgenommen, waren daher nicht gezwungen, einen neuen italienisch-gothischen 
Baustil mit eründen zu helfen. Trotzdem liessen sich drei davon durch die Achterklßrung 
der Drei-Giebel-Facads einschüchtern. Nur de Fnbris blieb bei diesem Systeme. Nachdem 
so alle projeetirenden und intrig-irenden Professoren um Gottes und der Madonna willen 
gebeten worden waren, sn dem Concurse theilznnehuien, waren in dem Lande der Kunst 
pur excellence keine Preisrichter mehr aufzutreiben. Die bittere Nothwendigkeit zwang, 
an das Ausland zu recurriren. Die Jury erhielt bei ihrem Zusarnmentritt eine Art Regulativ; 
jeder einzelne Schiedsrichter sollte über jedes der 58 Projecte eine eingehende schriftliche 
Ausarbeitung machen; diese 304 Abhandlungen sollten dann vorgelesen, discutirt und in 
den Zeitungen veröffentlicht werden. Die Beurtheilnngeu der Presse wären dann wieder 
in Verhandlung zu nehmen u. s. f. Der Präsident der Jury, Msrchese M. d'Azeglio, 
protesürte im Namen des Schiedsgerichtes gegen dieses Ansinnen und infolge dessen er- 
klärte die Delegation, allen Bestimmungen der Jury ihre Zustimmung zu ertheilen. Dia 
Jury theilte nun die Projects zur Vereinfachung der Wahl nach dem der Lösung zu Grunde 
gelegten Systeme in vier Kategorien; sus jeder 191080759 "lmle d" rellüv Bea" gewählt 
und dann unter den vier Projectsn durch engere Wahl die Entscheidung getrodan. In die 
"am Kgßggofig wurdgn Qinggrgihl jene Pmjscte, welche die drei Schide mit horizontslem 
Abschlussa umbweigm; in die zweite Kategorie jene, welche den Abschluss der Fscade 
{heile durch horizontale, theils durch geneigte Linien In vermitteln dachten; in die dritte 
Kategorie jene, welche bei allen drei Bchiden der bestehenden Neigung der Duchlinien
	        

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