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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 6 und 7)

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und in der wider Erwarten guten Charakterisierung des Gesichts sich ihm 
gegenüberstellen läßt, wobei der Fortschritt in dem spätem Werk unverkenn- 
bar ist. Die Kunst des Nabburger Bezirkes ist überwiegend von Regensburg 
abhängig. Zieht man in Erwägung, daß Dietrich I-Iofer von Sünching 
Erbmarschalk des Bistums Regensburg war, so hat wohl die Annahme 
Berechtigung, daß beide Werke als 
Regensburger Ausfuhr anzusehen 
sind. 
Eine fast unüberbrückbare Kluft 
trennt die eben behandelten Steine 
und die Grabplatte des 1423 verstor- 
benen Abtes Johannes Vogel an der 
Friedhofmauer von Oberaltaichi: 
(Abb. 13). Es ist das jener Abt, der 
im Jahre 1418 das Hochgrab für die 
beiden Stifter des Klosters hatte er- 
richten lassen. Für sein eigenes 
Grabmal wandte sich der Abt an 
einen ungleich bedeutenderen und 
fortschrittlicheren Künstler; denn 
daß dieses. Werk noch vor dem 
Tode des Abtes entstand, beweisen 
die Korrekturen an dem Todes- 
datum und die ausgesprochene 
Porträttüchtigkeit." In keinem der 
vorher behandelten Werke keimt 
so kräftig das Studium nach dem 
Leben und der Natur empor. Weich 
Hießen die Falten in wohlverstan- 
dener Bedeutung des Körpers für 
ihren Fall und ihre Züge zu Boden. 
Am überraschendsten aber wirkt 
der kahle Kopf mit dem hohen run- 
den Schädel, dem vorgeschobenen 
spitzen Kinn und der feingeglieder- Abb xo Grabstein des Dietrich Steinberger im Kloster 
ten Ohrmuschel. Die müden Augen ' ' obmhmh 
lassen im Zweifel, ob sie im Todes- 
schlummer geschlossen oder nur niedergeschlagen sind (Abb. 14). Jedenfalls 
spricht gegen die Auffassung als Toten die Haltung und Schrittstellung des 
Abtes. Das ganze Werk überragt in seiner schlichten Naturabschrift nicht 
nur alle übrigen Oberaltaicher Werke, sondern auch alle gleichzeitigen Salz- 
burger Arbeiten, wie etwa die Grabplatte des 14:6 verstorbenen Abtes 
' Das stilistisch hochbedeutende Werk wurde bisher nicht der geringsten Erwähnung wen geachtet. 
"" Ursprünglich scheint das Todesdntum r4r8 geheißen zu haben. 
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