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Volltext: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 2)

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WOHN -ZXYINER. 
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Goldschmied-Haus in Bezau 
 
einen Einfluß erblicken, des Ursprung 
jenseits der Alpen zu suchen ist. Mit 
dem Volksursprung hat er indes wohl 
kaum etwas zu tun, vielmehr ist er auf 
die Einwirkung der überall Eingang fin- 
denden Renaissance zurückzuführen. 
Das Hauptgewicht der Hausanlage ist 
auf gute, einheitliche Disposition gelegt. 
In dieser Hinsicht waren die alten Bau- 
und Zimmermeister, deren Namen 
durch keine Überlieferung genannt 
wird, fachlich ausgezeichnete Kräfte. 
Tritt auch überall annähernd dieselbe 
Gruppierung der unter einem gemein- 
samen Dache vereinigten Anlage von 
Wohnhaus, Stallungen, Wirtschafts- 
und Vorratsräumen auf, so ist das 
Thema doch immer wieder der Eigen- 
art des Bauplatzes entsprechend va- 
riiert, so vor allem die Ausbildung des 
„Schopfes", der gedeckten Halle, die in 
der warmen Jahreszeit ein beliebter 
Aufenthalt der Hausbewohner, denVor- 
raum, dasVestibulum für die eigentlichen 
Wohnräume bildet. Darin einen Hinweis 
auf italienische Vorbilder suchen zu wollen, ist wohl unzutreffend. Sie kommt 
schon beiden noch erhaltenen mittelalterlichenI-läusern Norwegens vor (Svale), 
istbeim Berner Bauernhaus als „Laube" allgemein und dürfte weit eher aus der 
Verwendung des Baumaterials - Holz _ entsprungen als importiert sein. 
Selbst einfachere I-Iäuser enthalten außer der geräumigen Küche meist sechs 
Wohngelasse: Im Hochparterre drei, über der Durchfahrt, von der Treppe zum 
Obergeschoß zugänglich, einer, im ersten Stock zwei, Nebengelaß nicht mit 
eingerechnet. 
Bei größeren I-Iausanlagen indes ist die Zahl der gut belichteten 
ausgiebig zu lüftenden Gelasse, die nicht mit den oft dunklen, schlecht 
ventilierten „Kammern" der Stadtwohnungen zu vergleichen sind, größer, 
bis zu zehn. Die vordere Giebelseite, an der sich die größte Fensterzahl 
befindet ist in den weitaus meisten Fällen direkt nach Osten, Südosten oder 
Süden, niemals gegen die Wetterseite hin gerichtet, so daß eine ausgiebige 
Sonnenbestrahlung derWohn- und Schlafräume gesichert ist, eine hygienische 
Maßregel, die bei der Anlage außerordentlich vieler, der Neuzeit angehöriger 
I-Iausanlagen vollständig übersehen, nicht als wichtig erkannt worden ist. 
Bekannterrnaßen gibt es keinen energischer wirkenden Bazillentöter als 
die Sonne.
	        

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