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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

angezogenen Zitaten aus der Lebensbeschreibung des Baldinucci haben die Herausgeber 
in dankenswertester Weise auch die übrigen Stellen aus derselben abzudrucken sich 
entschlossen, so daß ein vollkommener Neudruck der Originalausgabe dieses „Vita del 
Cavaliere Bernini" jetzt vorliegt. Das gedankenreiche Werk Riegls gewinnt übrigens noch 
an erhöhter Bedeutung für uns, weil es bei dem allgemeinen und starken Interesse der 
modernen Kunstwissenschaft für die Entwicklung der österreichischen und deutschen 
Barockkunst eine tretfliche Hilfe gewährt, denn die Wurzeln der nordalpinen Plastik des 
endenden XVII. und des XVIII. Jahrhunderts gehen größtenteils bis auf Berninis Werke 
und deren starke Wirkungen zurück. . E. W. B. 
WIEN. VORTRAG MÜTHESIUS. Geheimrat Dr. Ing. Hermann Muthesius 
hat, der Einladung des Österreichischen Werkbundes Folge leistend, über „Massen- 
erzeugnis und Handarbeit" gesprochen. Er hat damit eine aktuelle und wichtige Angelegen- 
heit beleuchtet, die in ihrem Kern eigentlich die ganze kunstgewerbliche Entwicklung der 
jüngsten Vergangenheit und der nächsten Zukunft beschäftigt hat und bewegen wird. Sie ist 
als unmittelbare Folgeerscheinung der technischen Fortschritte ebensosehr zum Stolz wie 
zur Sorge der Einsichtigen herangewachsen. Der Vortragende hat einerseits die ästhetisch- 
formale wie die wirtschaftlich-praktische Seite der Frage eingehend behandelt. In seinem 
ersten Teil kam er zur Verteidigung der Möglichkeit, bei den Massenerzeugnissen auch eine 
ästhetisch befriedigende Gestaltung durchzusetzen, die ja im Buch, in der Kleidung und 
bei verschiedenen anderen Produkten industrieller, mit maschinellen Hilfsmitteln bewirkter 
Herstellungsweise heute schon erreicht erscheint. Sie besitzen jene Schönheit, welche ein 
mit vollkommensten Hilfsmitteln und höchster Präzision hergestellter, wichtigen Be- 
dürfnissen in vollendeter Weise entsprechender Gegenstand in der Regel besitzt und die 
durch den menschlichen Instinkt zur Verfeinerung und Veredlung geführt wird, wenn 
auch Zweckerfüllung und Massenproduktion die Erzeugungsweise vorwiegend bedingen. 
Daneben wird die Schönheit individueller Handarbeit immer ihren Seltenheitswert und die 
höhere künstlerische Qualität zu behaupten vermögen, wenn sie auch aus einem früher 
allgemeinen in ein später eng begrenztes und höhergestelltes Gebiet gerückt wird. 
Bei allen Verkehrsmitteln (Auto, Eisenbahn, Flugzeug) bilden allein schon die Über- 
windung natürlicher Widerstände und die Erreichung höchster Leistungsfähigkeit form- 
gebende Bedingungen von hoher Bedeutung; ebenso gilt dies von allen Gegenständen des 
Gebrauches unserer täglichen Lebensbedürfnisse, die in bezug auf Material- und Zeit- 
Ökonomie zur vollkommensten Erzeugungsweise gedrängt und damit auch zur einwandfreien 
Gestalt gebracht werden. Wenn auf all diesen Gebieten dem Massenerzeugnis eine günstige 
Prognose gestellt wird, so kann jeder, der sich von historisch rückblickender Betrachtungs- 
weise zu einer gegenwartsfrohen und zukunftsicheren durchzuringen vermag, sicherlich 
zustimmende Empfindungen und Gedanken zum Ausdruck bringen. Die nächste Zukunft 
gehört sicher der technichen Produktion, der Ökonomie und Ausbildung aller Arbeitskräfte 
und ihrer Werkzeuge ohne Sentimentalität und Nachahmungssucht vergangener Zeiten. 
Anders und viel weniger günstig liegen die Verhältnisse für die derzeit in Übung be- 
findlichen wirtschaftlichen Methoden. Der direkte Verkehr zwischen Besteller und Erzeuger 
hat aufgehört und ihr Vermittler, der spekulative, geschäftskluge Händler, hat viel Unheil- 
volles angerichtet. Das Warenhaus, damit zusammenhängend die Erzeugung für den Export, 
geben noch immer ein berübendes Bild. Auch hier hat die Organisation das Machtwort zu 
sprechen. Das Schreckwort „billig und schlecht" muß als mahnendes Zeichen gelten, die 
Verdrängung der Heimarbeit durch minderwertige Fabriksware muß als Warnungsruf 
wirksam bleiben. Nur die zielbewußte Organisation der besten industriellen, künstlerischen 
und kaufmännischen Kräfte zu gemeinsamer Wirksamkeit, welche nach Möglichkeit den 
unverantwortlichen und gewissenlosen Vermittler ausschaltet und zurückdrängt, kann ein 
aussichtsreicheres Bild aufrollen. Der Vortragende war auf diesem Gebiete bei Schilderung 
der Zustände optimistischer und nachsichtiger, als man es bei uns zu sein gewohnt ist.
	        

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