MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

die auffällige Anlage der Fenster an den Schmalseiten und der vier Türen, 
auch die der Wandsäulen und der Eckpilaster; nur ist die Verteilung der 
Halbsäulen an den Längswänden anders geartet. Es finden sich in dem 
heute vorhandenen Saale an den Längsseiten nicht je zwei Paar einander- 
nähergerückte und durch Gebälkstücke miteinander verbundene Säulen, 
sondern je vier Säulen mit drei gleichmäßigen inneren Abständen. Die groß- 
artige architektonische Gliederung der Decke fehlt in dem heutigen Saale 
aber völlig; statt dessen sehen wir eine anders gestaltete grisailleartige 
Deckenbemalung. 
Es ergibt sich nun die Frage, ob der Plan Quarenghis tatsächlich jemals 
ganz ausgeführt worden ist. Die eigentümliche Stellung der Wandsäulen 
zwischen den seitlichen Fenstern, wo sie nicht in der Mitte der Pfeiler, 
sondern nach außen geschoben erscheinen (siehe Abb. 5), läßt sich wohl 
nur aus dem Quarenghischen Entwurfe erklären, wo die Wände aufs engste 
mit der Decke im Zusammenhang stehen?" 
Allerdings könnten aber schon während des Baues Änderungen am 
Entwurfe vorgenommen worden sein, so in bezug auf die Säulenstellungen 
der Längswände, und es könnte auch schon damals auf die reiche Decke 
und auf die seitlichen Statuen verzichtet worden sein. Es muß weiters auch 
als denkbar gelten, daß Quarenghi, der sich wohl nur kürzere Zeit in Wien 
aufhielt, von diesen oder anderen Änderungen nichts erfahren habe, so daß 
die Mitteilung des Sohnes, die wohl nur vorn Vater übernommen ist, nämlich 
daß das Projekt wirklich ausgeführt worden sei, in gutem Glauben gemacht 
werden konnte, auch wenn dies tatsächlich nicht der Fall war. Bei dem 
Längsschnitt heißt es allerdings, wie gesagt, nur: Project des Speise- 
saals . . . ; man könnte also annehmen, daß man von gewissen Änderungen 
auch schon gewußt habe?" 
Wie dem auch sei, ob der Saal nun niemals ganz nach Quarenghis oder 
wenigstens nicht ganz nach seinem hier abgebildeten Entwürfe ausgeführt 
worden ist: die Anordnung der Säulen an den Schmalseiten stimmt jedenfalls 
mit seinem Entwurfe. Aus dem alten Barockpalaste können die Säulen jeden- 
falls nicht stammen, und daß Quarenghi seinerseits nur die Umwandlung 
der Idee eines anderen gegeben haben sollte, ist doch wohl eine zu ge- 
künstelte Annahme, durch nichts zu belegen, ja in innerem Widersprüche 
mit der schriftlichen Überlieferung. 
Ob aber ein Umbau vielleicht erst zu einem viel späteren Zeitpunkt er- 
folgt ist, können wir heute nicht feststellen; wir wissen nur soviel, daß der 
Saal in den Jahren 1893 und 1894 wiederhergestellt worden ist. Doch 
" In dem Werke heißt es (Seite 23): "Lülrchitetto traenda ogni possibile vantaggio da! locale a ciö 
destinato (das bezieht sich wohl auf die Lege zwischen zwei Höfen), ed abbzllendolo von tut}: 1a ricchuza 
ehe puö Parts sommiuistrare in colonnc, in statue, in fregi, in bassirilievi e simili, nnlla ummiss d! hmo 
quanto contribuire poteua a rsnderla degna delP illustre principessa clfebbe 1a bontä di contesturgüene 
Pintera sua soddisfazione. 
" Sonst unterscheidet du Werk aber deutlich, wenn du premier pmjef von dem ausgeführten abweicht, 
so bei dem Theater der Eremitage, der Mnltheser-Knpelle und dem Triumphbogen für Alexander L
	        

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