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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 4, 5 und 6)

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Sturme der Neuerungen eingebüßt haben, muß der Künstler wieder den 
Weg zum Handwerk suchen und den abgerissenen Kontakt lebendig 
machen. Er tut dies nun schon wieder geraume Zeit mit vielfältigem, sicht- 
barem Erfolg. Von Zeit zu Zeit mag es aber doch auch anregend sein, nach- 
zusehen, warum es in älteren Zeiten so gut gelang, den Zusarnmenschluß 
aufrecht zu erhalten. 
NÜRNBERGER __BRONZESTATUETTEN AUS 
DER WERKSTATTE VON GEORG LABEN- 
WOLFF S0 VON EDMUND WILHELM BRAUN- 
 N die Wiener Kunstsammlung des Herrn Oskar 
Ä Bondy gelangte vor einiger Zeit eine merk- 
würdige deutsche Bronzestatuette aus dem 
letzten Viertel des XVI. Jahrhunderts, die schon 
' durch den genrehaften Vorwurf interessiert, 
welcher in ihm zum Ausdruck kommt. Es ist 
ein kniender, mit schwarzer Lackpatina über- 
. zogener Jäger, der in gut beobachteter Kon- 
zentration und Spannung zielend den Stutzen 
an die rechte Backe hält (Abb. 1 und 2; Höhe 
16 Zentimeter). Der Mann ist in seiner Zeittracht dargestellt, er trägt 
derbe Halbstiefel, faltige Kniehosen, ein hochschließendes Wams mit ge- 
falteltem breitem Spitzenkragen und einen runden niederen Hut, der auf der 
rechten aufgeschlagenen Seite mit ein paar Blumen besteckt ist. Über die 
rechte Schulter hängt an einem Riemen die runde Pulverl-lasche, über die linke 
an einer Schnur das Jagdhorn. Die ovale Hache Sockelplatte deutet ganz 
skizzenhaft den Erdboden an, auf dem der linke Fuß und das rechte Knie 
des Schützen aufliegen. 
Die Züge des markierten derben Gesichtes und die Einzelheiten der Ge- 
wandung erscheinen mit scharfen kräftigen und sicheren Zügen ausgearbeitet 
und die ganze Behandlung, die Struktur der Oberfläche läßt deutlich er- 
kennen, daß für diese Bronzetigur ein Holzmodell vorgelegen hat. 
Daß es sich um eine deutsche Arbeit handelt, geht aus der stilistischen 
Behandlung ohne weiteres klar hervor. Auch die Zeitbestimmung macht 
keine großen Schwierigkeiten. Um x575 dürfte das kleine Bildwerk auf Grund 
der Tracht anzusetzen sein. So finden wir diese charakteristisch gesteifte 
und getollte breite Tellerkrause besonders beliebt auf den gleichzeitigen 
Porträten und den Bildnismedaillen. Übrigens hat sich gerade diese Mode 
merkwürdig lang erhalten und findet sich besonders bei repräsentativen 
Porträtdarstellungen sowie den Bildnissen älterer konservativer Leute bis 
gegen das Ende des ersten Viertels im XVII. Jahrhundert. 

	        

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