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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 28)

Rucocofonnen genug untermisclit, naturalistische Bildungen und jene willkürlichen Zusam- 
menstellungen nach Art der Franzosen, und besonders gilt dies von den grösseren, höheren 
Knnstwerth beunsprucheuden Werken, die theils zum Luxus, theils zu bestimmten Ehren- 
geschenken oder ähnlichen Zwecken gearbeitet sind. Gerade auf diese, so viel Mühe, Ar- 
beit und Kunst auch an sie verwendet ist, möchten wir den geringsten Werth legen, sie 
sind aber leider nicht ohne Bedeutung. 
Denn es scheint, als ob die englische Reform nach zwei Seiten hin auf grosseu 
Widerstand stosse. Die eine bilden eben diese Prachtgerlithe. iiir welche eine echte styl- 
volle Kunst, ein wahrer Geschmack zu bescheiden, zu einfach ist, um den anspruchsvollen 
modernen BegriEen von Pracht und Glanz entsprechen zu können. Die andere Seite ist 
die entgegengesetzte, der Bedarf des gewöhnlichen Biirgerhauses, wo die Schablone in her- 
gebrachter Weise billiger arbeitet, als jegliche Neuerung es einstweilen zu leisten vermöchte. 
Und in England zumal, im englischen Wohnbause ist man conservativ und herrscht das 
Herkommen. Es ist bekannt, wie hier die Anlage der Zimmer, ihre Ausstattung, die ein- 
zelnen Möbel, ihre Form und ihr Material selbst nach Bestimmung des Raumes herkömm- 
lich vorgeschrieben sind und so stösst die Reform gerade hier, wo sie anfangen und enden 
soll, auf einen zähen Widerstand. Das ist auch der Grund, warum wir nicht glauben, dass 
die Zustände in England (vielleicht mit Ausnahme des Glashedarfs) schon vollkommen dem 
günstigen künstlerischen Eindruck entsprechen, den die englische Abtbeilung in der Pa- 
riser Ausstellung macht. Finden doch die Bemühungen des South-Kensington-Museums, 
dem doch wohl der Erfolg in erster Linie zuzuschreiben ist, in England selbst, undswar 
bei einflussreichen Männern so wie in der Presse bedeutenden Widerstand, der allerdings 
theilweise in Persönlichkeiten, theilweise in verkehrter Anlage und Leitung der Zeichen- 
schulen seinen Grund hat. Ja der Buf dieser Anstalt, wenigstens die Anerkennung ihres 
Verdienstes ist griisser im unparteiisch beobachtenden Auslands als in England selbst. 
(w. z.) 
Vorlesungen im Museum. 
Am 12. Deeember v. J. hielt Custos Falke einen Vortrag über Thon, Percallan 
und Fsyence auf der Pariser Ausstellung. Die diesjährige Weltausstellung ge- 
stattete es, die Entwickelung der uralten Kunst der Gefissbildnerei aus gebrannter Erde 
von ihren ersten Anfängen bis auf unsere Tage ziemlich vollständig zu übersehen, da 
die Vergangenheit in der Ahtheilung "Histoire du travail", die Gegenwart aber durch 
die Einsendungen von Mustern aus ellen Weltgegenden vertreten war. Diese günstige Ge- 
legenheit wahr-nehmend, führte der Redner uns diesmal vorerst durch das ganze Gebiet 
von den Thongeüissen Eir den Volksgehrauoh aus Gegenden Europe's, Asiens und Africa's 
(Türkei, Spanien, Portugal etc.), an welchen die Cultur seit vielen Jahrhunderten vor- 
iibergegangen ist, bis zu den Prachtarbeiten von Sevres. Diese beiden Endpunkte erw 
regten auch die meiste Aufmerksamkeit auf der Ausstellung; wie das grosse Publicnm 
sich von den anspruchsvollen Porcellanen angezogen fihlte, so die Kiinstlerß Kenner und 
Sammler von jenen Gegenständen, die neben dem historischen noch das höhere Interesse 
einfachster zweckdienlicher Form und ungekiinstelter, aber richtiger und wirkungsvoller 
Verzierung boten. An diese reihten sich die in den Formen vollendeten und bei aller 
Schönheit und Dnrchbildung doch die Einfachheit in der Gestaltung wie in der Decoration 
hewahrenden griechischen Gefässe, welche später, mit der Entartung des Volkslebens 
auch den rechten Weg verliessen. 
Ans der Zeit vom Untergangs der griechisch-römischen Welt bis zur Renaissance 
ist ausser Ofenkncheln und Fnssbiideniiiesen kaum irgend etwas von dieser Knnstindustrie 
erhalten. Allein wir danken dem Mittelalter und speciell den Arabern die Einführung der 
Glasur, welche von Majorca aus nach Italien übertragen, dort die nach jener Insel be- 
nannte Majolikenfabricstion ins Leben rief. Andere Länder versuchten sich in derselben 
Kunst mit meist geringem Erfolge. Frankreich schuf in der Palissy und Henry-deux-Wnare 
zwei Specialitiiten der Thonfebricaüon, von den Niederlanden aber ging das Bestreben aus, 
etwas dem chinesischen und japanesischen Porcellan ähnliches zu Stande an bringen. 
Diese Bemühungen führten nur weiesglasirten Fuyence, weldie die Majoliken vollends 
verdrängte, in Holland und Frankreich wie jene künstlerisch behandelt wurde und sich 
in letzterem Lende noch zu behaupten wusste, als im übrigen Europa bereits durch die 
Eründung des Porcellans abermals eine Umwälzung eingetreten war, da die neue Masse 
nicht nur an Feinheit und Eignung für Relief und Bemalung, sondern auch an Haltbar 
keit alles frühere so weit übertraf.
	        

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