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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 72)

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Auge, Fuss und Federaugen des Pfaues sind mit farbigen Seidenfäden 
guipurt; die Farbenvertheilung ist symmetrisch, ldoch mangelte an einer 
Stelle die gleiche Farbe, ein Mangel, der in so hohen Breitegraden und 
bei der Aermlichkeit des russischen Postverkehrs, der Abgeschlossenheit 
dieser Gegenden sehr oft vorkommt. Noth ist hier gar häufig die Lehr- 
meisterin, von Pflege der Kunstindustrie und von Versorgung mit den 
nothwendigen Materialien ist hier gar nicht zu reden. 
Nun zu den verschiedenen Techniken dieser Fabrication. 
Da die Mädchen am weissen Meere selbstverständlich spinnen und 
weben, so ist auch das Einwehen rother Fäden eine ziemlich natürliche 
Sache. 
An die Stelle der durch einen farbigen Schuss angezeigten Bordüre 
kommt sehr oft ein Bandornament mit rothem Faden im Kettenstich aus- 
geführt. Der Kettenstich wird meist mit der gewöhnlichen Nadel gear- 
beitet, da nur wenige Mädchen Häkelnadeln haben und davon wieder 
nicht viele die Technik des Tambourirens kennen, obwohl sie bei dem 
Stoffe, den sie gewöhnlich benützen, viel vortheilhafter wäre. Doch be- 
rechnet man in diesen hohen Breiten nicht die Zeit, auch nicht die Kraft, 
ökonomisirt höchstens mit dem Raume. Die Muster, die mit dem Ketten- 
stich verfertigt werden, sind die schwächsten und steht auch die Ausfüh- 
rung weit zurück hinter den persischen tambourirten Teppichen. Auf 
persischen Arbeiten dieser Art wird oft das Ornament durch verschieden- 
farbige Flecken gebildet, die mit dem Tambourirstich festgeheftet werden; 
auch auf einzelnen Arbeiten vom weissen Meere sieht man eine ähnliche 
Vorgangsweise, wobei Schmuck mit der Nothwendigkeit verbunden ist. 
Sie schneiden den Schuss des Gewebes vmit der Scheere nach einem be- 
stimmten Muster aus und der verbleibende Rest, das Muster (eine Blume 
u. s. w.), wird mit dem Kettenstich doppelt gefestet, wobei der Ketten- 
stich nicht blos eine festhaltende Naht, sondern auch begrenzendes Orna- 
ment wird. 
Eine andere Manipulation ist die, dass einzelne Schussfäden ausge- 
zogen und an die Stelle derselben entweder bedeutend dickere oder glän- 
zendere, aus anderem Rohmaterial bestehende oder andersfarbige (haupt- 
sächlich rothe) Fäden in der Weise des Webens eingezogen werden, 
wodurch das Muster gebildet wird. Eine andere Technik erzeugt die Or- 
namentation durch einzelne Plattstiche, die auf einander senkrecht stehen, 
gebildet. Die Technik ist sehr simpel, fadensparend, aber die Muster 
sind allezeit geometrisch, oftmals schön, die geraden Stiche alle gleich 
lang. Seltener ist der Perlstich in Verwendung. Beide diese, wie über, 
haupt alle jene Techniken, die zur Stickerei gerechnet werden können- 
fiihren sie mit dem rothen Faden auf weissem Grunde aus. Die Weiss- 
stickerei, die an einzelnen Stellen Norwegens (z. B. im Bergener Stift) 
in vollendeter Weise geübt wird, ist hier niemals zu sehen,__wenn man
	        

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