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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 12)

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Die Freude, mit der die Glasindustrie des I8. Jahrhunderts das 
prächtige Rubinglas anwandte, welches gerade im Vereine mit Gold eine 
äußerst prunkvolle Wirkung ergab, sich aber mit dem Zwischenvergol- 
dungsverfahren nicht in Verbindung bringen ließ, brachte es mit sich, dass 
sehr bald bei der Herstellung der Doppelgläser die Sitte aufkam, den Boden 
des äußeren Glases etwas auszuhöhlen und in die so entstandene Ver- 
tiefung ein Rund aus farblosem Glase einzukitten, das auf der Innenseite 
mit ornamentalen Motiven, Widmungs-lnschriften, Monogrammen (häußg 
auch dem JHS im Strahleukranze), oder mit Heiligendarstellungen, Genre- 
scenen, Thierbildern und dergleichen in Gold decorirt und dann mit einer 
transparenten rothen 9) Lackschicht überzogen war, so dass es den Ein- 
druck machte, es sei golddecorirtes Rubinglas. 
An Stelle der eingekitteten Runde mit Zwischenvergoldungsdecor 
auf rothem Grunde begegnet uns nicht selten an den Böden der Doppel- 
gläser eine andere Art Schmuckes in Form von drei kleinen, zwischen 
den hierfür etwas ausgehöhlten Böden der beiden Gläser eingeschlossenen, 
freibeweglichen Beinwlirfelchen, die wohl bei Trinkspielen Verwendung 
fanden. 
Dass unter den auf Doppelgläsern angebrachten Darstellungen Jagd- 
und Thierbilder die größte Rolle spielen, hat seinen Grund darin, dass 
die in Folge ihrer immerhin beträchtlichen Dicke besonders widerstands- 
fähigen Doppelgläser sich zu Jagdbechern etc. vorzüglich eigneten"); 
doch finden sich auch ungemein häufig Doppelgläser, deren bildliche 
Ausschmückung in Heiligenbildern, Allegorien oder Genrescenen bestand; 
letztere begleitete man, gemäß der alten Vorliebe der deutschen Glas! 
industrie für allerlei Verslein und Reimlein, gerne mit entsprechenden 
Sprüchen: einem Tänzerpaar auf der Mantelßäche des Glases, dem sich 
am Boden auf rubinrothem Grunde ein goldener Amor beigesellte, ward 
beispielsweise die Inschrift beigesetzt: nlch fuige alles gerne pur weis- n); 
der Darstellung eines Liebespaares und dreier einander Treue schwörender 
Herren gab man die Beischrift: vDas allerschönste dieser Welt ist's wen 
mann Lieb und Trew recht heldtu, u. s. f. 
Des Oefteren wurden auch die Darstellungen bekannter Gemälde nach- 
gebildet, wie beispielsweise bei einem solchen Doppelglas des Ham- 
burgischen Museums für Kunst und Gewerbe, das neben der Inschrift: 
9) Neben rubinrothem Leck kam, allerdings seltener, auch saphirblauer, smaragd- 
oder olivengrüner Lack in Anwendung. 
10) So weisen z. B. sämmtliche Stücke der schonen Doppelgliser-Colleclionen des 
South-Kensinglon Museums in London, ferner die Mehrnhl der Exemplare der 
reichhaltigen Doppelgläser-Slmmlung E. G. Msy in Frankfurt a. M., desgleichen der 
bemerkenswerthen Suite von Doppelgläsern der Sammlung Gasnnull im Musee 
National zu Limogee u. a. m. Jagddnrstellungen auf. 
11)Mus6e National, Limogea.
	        

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