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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

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bungen das historische, ltunsthistorische und stilistische Forschungsgebiet betreten hatte; 
er wäre dann gewiss zur vollen Ueberzeugung gekommen, welch' immenser Schatz in 
seinen alten Waffen noch steckt. Er mag uns die Bemerkung zu gute halten, wenn wir 
erklaren, dass die kostbare Sammlung nun zwar beschrieben, bekannt gemacht, aber durch- 
aus nicht nach ihrem wahren Werthe gewürdigt ist. Dem Kunstforscher fehlen in dem 
Werke noch viele Handhaben zur vollen Schätzung derselben. und es ist ein Zufall, dass 
aus gewissen Details in der Zeichnung sich mit vieler Sicherheit der Künstler des herr- 
lichen Rundschildes auf Tafel XLVll entnehmen lasst. Es ist der Venezianer Waffen- 
schmied Damianus de Neron. Bei allen übrigen Tafeln sind für eine Bestimmung des 
Meisters die Darstellungen zu sltizzenhaft. 
Mit diesem allerdings empfindlichen Entgange wollen wir aber den Werth des uns 
in dem Werke nach anderen Richtungen hin thatslchlich Gebotenen nicht im geringsten 
schmälern. Das, wie erwahnt, überaus schon ausgestattete Werk kostet fünf Guineen. 
Wendelin Boeheim. 
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Vaticanische Miniaturen. Herausg. u. erläutert von Stephan Beissel, S. J. 
Mit 30 Taf. in Lichtdruck. Freiburg i. B., Herder, 1893. Fol. M. 20 
Die Miniaturen in den alten Handschriften (und für die erste Renaissance auch in 
den Prachtauagaben) sind für die Geschichte der Malerei nicht allein überhaupt Quellen 
ersten Ranges, sondern auch für manche Zeiträume fast die einzigen Erzeugnisse dieser 
Kunst, die in einem oft gar wundervoll guten Zustande sich bis in unsere Tage erhalten 
haben. Wenn nun P. Beissel, secundirt von der immer tüchtiger werdenden photogra- 
phischen und photorypischen Anstalt Danesi in Rom, unter Mitwirkung der Verlagshand- 
lung l-lcrder eine Auswahl besonders schöner oder wichtiger Miniaturen aus der Vati- 
canischen Bibliothek als i-Quellen zur Geschichte der Malereiu uns bietet, und zwar zu 
einem nicht zu hohen Preise, so verdienen diese Männer die Anerkennung von Seite 
der Fachkreise. P. Beissel gruppirt die Bilder im Ganzen chronologisch: er beginnt mit 
den Miniaturen aus classischer Zeit (darunter sind auch Miniaturen späteren Ursprungs, 
welche aber sicher als Abbilder antiker Vorlagen zu betrachten sind), dann geht er zu 
den westlandischen Miniaturen vorn 7. bis zum tt., vom u. bis t4., vom tg. und t6. 
Jahrhundert, und mitten hinein schiebt er eine Abtheilung griechischer Miniaturen vom 
to., tt., tz. Jahrhundert. Freilich eignete sich mancher Codex. wegen wenig günstiger 
Erhaltung, nicht zur Herstellung guter Abbilder. Unter diesen Umstlnden wird es schwer, 
bei den alteren und wichtigeren Handschriften dem Herausgeber gegenüber Wünsche 
auszusprechen, vielmehr muss Ref. die Auswahl als eine gelungene bezeichnen. lnstructive 
Einleitungen, gute Beschreibungen der Bilder (auch deren Farben werden genau be- 
zeichnet), Aufzählungen der sonsligen Bilder, welche die von Beissel verwendeten Codices 
enthalten, und brauchbare Indices machen das Werk zu dem, was es sein will, zu einem 
Nachschlage- und Quellenwerlte, nützlich insbesondere durch die Liste der vaticanischen 
Miniaturen-Handschriften, S. 53. Dass die schon vorhandenen Abbildungswerke, über- 
haupt die einschlägige Litteratur mit sorgsamem Fleiße verwertbet und in den Noten 
angeführt ist, "versteht sich bei einem i-Quellenwerke- von selbst. Daher nimmt es den 
Ref. wunder, dass i-Frantz, Geschichte der christlichen Malerei l., Freiburg, Herden, 
auch dort, wo dieser abweichende Anschauungen hat. wie z. B. beim Vergil-Codex, 
Vat. Cat. 3867 (Frantz, l, 5. 18t), gar nicht erwähnt wird. Auch die berühmten Wiener 
Miniaturen des classischen Stiles und der karolingischen Zeit hatten, da es doch nur eine 
ganz beschränkte Anzahl dieser Miniaturen gibt, angeführt werden sollen. Es ware ge- 
nügend gewesen, dieselben eben nur anzuführen, um eine Beschreibung handelte es sich 
bei ihnen nicht. - Auch über die Datirung von ein paar Handschriften wollen wir uns 
hier mit P. Beissel nicht auseinandersetzen, sondern nur ihm den Dank aussprechen für 
die Arbeit und die gediegene Ausstattung des Werkes durch die Herdefsche Verlags- 
handlung rühmend anerkennen. N-an. 
i 
-- nPortale von Wiener Profanbauten des I7. und tß. Jahrhunderts: 
ist der Titel eines Sammelwerke: aus derr. Verlage von Ant. Schroll tSt Co. in Wien, 
dessen erste Serie zu so Tafeln soeben erschienen ist. Dasselbe soll in circa 60 Auf- 
nahmen künstlerisch durchgeführte Thormotive wiedergeben, beginnend mit dem ersten 
Auftreten des Barockstils unter Kaiser Ferdinand lll., dann den Stilwandlungen unter 
Leopold l., Karl Vl. u. s. w. folgend bis zum Abschlüsse dieser Epoche mit dem Auf- 
treten der classicistischen Richtung. Die Schönheit der Conception, wodurch die meisten 
dieser Portale sich auszeichnen, macht dieselben nicht allein zu geeigneten Vorbildern 
für unsere Architekten, die stets weiter um sich greifende Umgestaltung Wiens bringt
	        

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