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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 1)

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diese unmittelbar - theilnehmen; solcherart kann die Arbeit vom ersten 
bis zum letzten Moment übersehen werden, wodurch sie eben jenen Cha- 
rakter gewinnt, den wir nun einmal in Kunstsachen nicht gerne ver- 
missen: den Charakter des individuell Gestalteten. 
Beim Fabrikserzeugniss entfällt dieses Merkmal fast vollständig, denn 
hier ist die Beziehung zwischen der ldee, dem Entwürfe des Productes 
und seiner Ausführung eine zu vielfach vermittelte. Zwischen dem Ar- 
beiter, der die Maschinen bedient, und dem Product, das gestaltet werden 
soll, stehen die rtodten Hebel und Rädern der Fabrik. Wohl hat daher 
schon mancher Handwerker schaffend gehandwerkt und handwerkend 
geschaffen, aber wohl noch niemals ein Fabriksarbeiter; er hätte denn 
nein Häkchen mehr" ersonnen, das die Maschine verbesserte, aber 
seine eigene Arbeit - nur vereinfachte. 
Der sociale Einfluss des Fabriksbetriebes wiederum besteht haupt- 
sächlich in der Verbilligung der Waare, als deren nächste Folge wir eine 
Ueberhandnahme des Luxus und des Modebedlirfnisses auf der mittleren 
Stufe der Bevölkerung wohl betrachten dürfen. Insoferne also gehen 
freilich Culturfortschritt und Fabrikswesen Hand in Hand; allein die 
künstlerische Berechtigung dieses etwas fadenscheinigen Luxus auf mitt- 
lerer Stufe wäre noch zu erweisen. So weit aber bisher unsere Erfah- 
rungen reichen, ist sie nicht vorhanden, und die Qualität dieses "Reich- 
thurns der Armem- ist nur zu oft ein testimonium paupertatis im engeren 
Wortsinne. 
Wenn wir nun die Wirkung, welche der Fabriksbetrieb auf das 
Product in technischer Hinsicht ausübt, im Einzelnen uns klar 
machen wollen, so müssen wir wohl zunächst gewisse Unterschiede 
feststellen. Es gibt nämlich Gewerbe, bei welchen der Fabriksbetrieb 
ohne wesentliche Veränderung des Erzeugnisses die Rolle des Hand- 
betriebs übernimmt oder doch übernehmen kann, und es gibt auch solche, 
bei welchen dies ohne wesentliche Veränderung nicht der Fall ist. Die 
ersteren kämpfen vergebens und auch unberechtigt gegen die Fabriks- 
arbeit an, denn bei ihnen kann wohl, aber muss keineswegs das Er- 
zeugniss durch diese Arbeitsweise verschlechtert werden. Dies gilt besonders 
für alle reinen Nützlichkeitswaaren; ein Zahnstocher z. B., den die Ma- 
schine herstellt, wird in keiner Hinsicht dem betreffenden Handerzeugnisse 
nachstehen. Die letzteren Gewerbe dagegen bereiten dem Fabriksbetrieb 
Schwierigkeiten, die nur bis zu einem gewissen Grade zu überwinden 
sind, künstlerisch wohl niemals gänzlich} und diese Gewerbe müssen und 
sollen der Handarbeit erhalten bleiben. So heißt z. B. Fahrikserzeugung 
Verschlechterung der Waare in allen den Fällen, wo die Bildsamkeit des 
Stoffes der Handarbeit einen großen Spielraum gewährt und der Fabriks- 
betrieb diesen Spielraum einschränkt, wie es etwa bei der gepressten 
statt geschlilfenen oder geblasenen Glaswaare, beim metallenen Gusswerk 
statt der getriebenen Metallwaare, beim Platte ndruck statt der Handvergol-
	        

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