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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 181)

nachtsausstellung aus Graz nur Franz Wudia mit diesen Oefen; Carl Lipp 
und Johann Lazar, Hafnermeister in Graz, treten ihm würdig zur Seite. 
Gleichen Weges, wenn auch nicht mit gleicher Entschiedenheit, scheint 
die Grazer Möbelindustrie zu gehen. Ludwig Kriwitz hat ein recht hübsches 
Renaissancezimmer mit farbigen Fenstern aus der Tiroler Glasmalerei- 
anstalt zu Innsbruck zusammengestellt. Es ist zwar nicht Alles tadellos 
darin, aber Absicht und Eindruck sind gut. Bunter, weniger harmonisch 
ist die Zusammenstellung, welche der Decorateur Anton Schmidt in Graz 
gemacht hat, gut aber die Einrichtung eines Speisezimmers aus Eichen- 
holz von Kelbetz, Atzler u. Comp, etwas zu schwer diejenige der rStei- 
rischen Bautischlerwaaren- und Möbelfabrikn. Auch gute geschnitzte Rahmen 
finden sich, so von Joseph Jarinka, erschreckend dagegen in ihrer wilden 
Schwarzwälder oder Schweizer Art sind die geschnitzten Uhrgehäuse bei 
Gottfried Müller. Einen sehr hübschen geschnitzten Gewehrkasten hat die 
Fachslchule in Villach gesendet. 
Von einer Wiedererneuerung der einst so bewunderungswürdig arbei- 
tenden Eisenschmiedekunst der Steiermark _- Zeugen dessen die schönen 
Brunnen und unzähligen Gitter '-- sind nur erst ganz leise Anfänge vor- 
handen, die man wiederum der Gewerbeschule verdankt. Die heutige 
Steiermark muss darin Wien, das durch Gillar vortrefflich vertreten ist, 
den ersten Preis lassen. immerhin wollen wir den Wiederbeginn begrüßen. 
Dies gilt auch von den Gefäßen in Zinn, einem Metall, das ehedem eine 
so bedeutende Rolle in der Kunstindustrie spielte, heute aber ganz und 
gar aus derselben verschwunden war. Ludwig Rainer aus Innsbruck war 
der erste, dem wir auf der letzten Wcihnachtsausstellung des österreichi- 
schen Museums wieder mit künstlich ausgestatteten Zinngefäßen, Kannen 
und Bechern begegnet sind; hier in Graz steht ihm ein Grazer, Raimund 
Zamponi, zur Seite Die Absicht ist gut, aber die Art ist noch nicht die 
rechte. Die Zeichnungen nach den Mustern der Kleinmeister sind wohl 
gut, aber statt des geätzten Flachornamentes mit geschwärztem Grunde, 
der sich wegputzt, verlangen wir Relief oder wenigstens mehr Tiefe wie 
bei den alten Vorbildern, die ja noch in allen Sammlungen erhalten sind. 
Doch, wie gesagt, lassen wir uns auch diesen ersten Versuch gefallen, 
denn wir wünschen dringend, dass die künstlerische Fabrication in Zinn 
für das Haus sich wieder beleben möge. Das Material ist gut, selbst für 
edlere Arbeit brauchbar, und die Wiedererneuerung ginge um so leichter, 
als heute das vortrelfliche amerikanische Zinn um so billiger zu uns her- 
überkommt. Es wäre auch ein echter Fabricationszweig für die Provinz, 
wo die feinste und edelste Metallkunst, die Goldschmiedekunst, sich um 
so viel schwerer emporarbeitet als am Sitze des Luxus, in der Residenz 
und in der Weltstadt. Das sieht man auch an den ausgestellten Grazer 
Goldschmiede- und Juwelierarbeiten, die in keiner Weise den gewöhn- 
lichsten populären Standpunkt überschritten haben. Nur das Kirchengeräthe 
von Adolph Stuttmann bietet Gutes.
	        

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