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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 202)

Stäbchen gegossen und das 'Auge, das Buchstabenbild derselben, erst 
nachträglich ausgeschnitzt haben u. s. w. u. s. w. 
Solche Cornbinationen tragen wenig zur Klärung der fraglichen 
Punkte bei. Nur das Eine kann man als wahrscheinlich festhalten, dass 
Gutenberg sich mit seiner Kunst wohl nicht gleich an eine Riesenaufgabe 
wie den Bibeldruck wagte, sondern es zuerst mit der Ausgabe der 
Schulgrammatik des Donat versuchte. Inzwischen war er aus Straß- 
burg nach seiner Vaterstadt zurückgekehrt. Das erste Schriftstück, das uns 
von seinem Mainzer Aufenthalt unterrichtet, ist leider wieder ein Schuld- 
schein über 150 fl. vorn 15. October 1448. Er brauchte eben Geld, um 
seine Erfindung zu verwerthen und sich eine Druckerei einzurichten, die 
wegen der Kosten der Materialbeschaffung in einem alten Buche "ein 
fressig Dinge genannt wird. Aber im Jahre 1450 war der erste Druck 
des Donatus fertig, und 1450 ist das hochheilige Geburtsjahr der 
Buch druckerkunst. Im selben Jahre wurde nach der Cölner Chronik 
' mit dem Drucke der Bibel begonnen, und zwar "mit einer groben 
schrift, wie die Schrift ist, mit der man Messbucher druckt-i, 
also in der sogenannten Missalschrift, und im Jahre 1452 scheint das Werk 
vollendet zu sein. Zumeist in drei Bänden gebunden mit 1764 zweispaltigen 
Seiten zu je 36 Zeilen, daher die 36zeilige Bibel genannt. Um eine An- 
deutung von der heutigen Kostbarkeit dieses ersten typographischen Meister- 
werkes zu gehen, erwähne ich, dass im Jahre 1880 ein Exemplar in London 
um 26.000 H. und im Vorjahre ein minder gutes um etwa 8000 H. ver- 
kauft wurde. 
Die erste Bestellung von Außen bekam Gutenberg gelegentlich einer 
kleinen Finanzopetation, welche die Kirche machte. Am 12. August 1451 
hatte nämlich Papst Nicolaus V. Allen, welche zur Unterstützung des Königs 
Johann II. auf Cypern gegen die Türken einen Beitrag leisteten, einen 
Ablass verliehen. Als Agent zur Verwerthung dieser Ablassbriefe kam ein 
gewisser Paulinus Zapp nach Mainz. Zuerst wurden diese Ablassbriefe 
ganz geschrieben, aber gegen Ende der Ablassgeltung that Eile noth, 
und so wurden in Zapp's Auftrag die Ablassbriefe bei Gutenberg gedruckt, 
nur das Datum der Ausfertigung und der Name des Käufers des Ablasses 
wurde hinfort geschrieben'). 
Im Zusammenhange mit diesem Ablasshandel steht vom Jahre 14551 
nEin mahnung der cristenheit wider die durcken an Papst, 
Kaiser, Könige, Erzbischöfe, Herzöge und freie Städten, eine 
gereimte Flugschrift von 9 Quartseiten. 
Voll Begeisterung und Feuereifer arbeitet Gutenberg weiter und stürzt 
sich gleich auf ein neues großes Unternehmen; den Druck der 4zzeiligen 
') Solcher Ablassbriefe sind bisher 23 wieder aufgefunden werden, laufend vom 
25. November 1454 bis 30. April 1455. Weil diese Exemplare zwei verschiedene Typen- 
gattungen aufweisen, so will man die eine bereits der Schoffefschen Druckerei zuschreiben.
	        

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