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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

Cultur im Allgemeinen auch die Erfindung des Porzellans in die früheste 
Zeit zu verlegen, namentlich seit 1830 bei Eröffnung altägyptischer Grab- 
stätten zu Theben, die ganz unumstößlich der I8. Pharaonen-Dynastie 
(1575-1285) vor Christo) angehören, auch einige bemalte flaschenförmige 
chinesische Porzellangefäße gefunden wurden "). 
Nun ist aber von den Sinologen nachgewiesen worden, dass die auf 
diesen Gefäßen befindlichen Schriftzeichen der sogenannten Thao-Schrift 
angehören, die erst zu Anfang unserer Zeitrechnung in Gebrauch kam, 
und dass sie Verse aus Werken chinesischer Dichter enthalten, die im 
9. Jahrhundert nach Christo lebten, so dass man da vor einem archäo- 
logischen Räthsel steht, resp. annehmen rnuss,' dass jene Grabstätten 
schon früher eröffnet und die Porzellangefäße zu irgend einem, vielleicht 
betrügerischen Zweck dort hineingestellt worden sind. 
Man wird die Erfindung des Porzellans wohl richtig in das erste 
Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung setzen dürfen. 
Die erste historische Nachricht über das chinesischePorzellan ist in 
einem Berichte des arabischen Kaufmanns Soliman enthalten, der im 
Jahre 237 Heg. oder 85x nach Christo eine Beschreibung seiner Handels- 
reisen nach Indien und China in arabischer Sprache abfasste. 
Er berichtet: wEs gibt in China einen feinen Thon, aus dem man 
Vasen verfertigt, die die Durchsichtigkeit von Glasflaschen haben; man 
kann das darin befindliche Wasser hindurchsehen." 
Der Venetianer Marco Polo, der erste Europäer, der nach China 
kam, weiß 1298 mancherlei über das Porzellan zu berichten, das in der 
Stadt Tingui, in der er sich längere Zeit aufgehalten hatte, bereitet wurde. 
Die Erde, die dazu gegraben wird, müsse 30-40 Jahre liegen 
bleiben, so dass die Personen, die sie graben lassen, selbe für ihre Kinder 
und Kindeskinder sammeln. Marco Polo bringt da auch zuerst das Wort 
Porcellana. An einer anderen Stelle gebraucht er es für die in China 
damals als Scheidemünze gangbare Kaurimuschel, die er Porzellanmuschel 
nennt. Es existiren mehrere Handschriften seiner Reisebeschreibung. In eine 
derselben hat sich die Fabel eingeschlichen, das chinesische Porzellan werde 
aus der zerriebenen Muschel selbst hergestellt, was lange Zeit in Europa 
geglaubt wurde und wohl zu manchem unglücklichen Versuche Veranlas- 
sung gegeben haben mag. So viel ist sicher, dass spätere Commentatoren 
nicht zögerten, dieses Zusummenwerfen des Porzellans mit der Kauri- 
muschel für die Etymologie des Namens Porzellan auszunutzen. Die 
Muschel, für die später der Name Porzellanschnecke vulgär wurde, hieße 
so, weil sie dem gekrümmten Rücken eines kleinen Schweinchens (por- 
cellus) gliche, und das Porzellan habe seinen Namen von der Muschel, 
') RDSCIÜM, lmonumenli dell' Egitlo ec. Part: seconda p. 337. Tav. M. C. nß Llll 
Gg. 28. Pisa 1834. 
15'
	        

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