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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 195)

gabung der Einwohner und speciell der Umstand, dass der lombardische 
Adel es verstanden hat, sein Vermögen trotz aller Stürme der Revolution 
zu erhalten. Bei dem venetianischen Adel ist das Gegentheil eingetreten. 
Der größte Theil seines Vermögens ist in den Stürmen der großen Revo- 
lution am Ende des verflossenen Jahrhunderts zu Grunde gegangen. Auch 
scheint es, dass sich jetzt der lombardische Adel industriellen Unter- 
nehmungen zuwendet. 
Unter allen Städten Italiens, welche eine große Vergangenheit 
hinter sich haben, ist Mailand die modernste Stadt mit ganz modernem 
fast französischem Zuschnitte, ihrer ganzen Bauanlage und Stadtentwicklung 
nach. Man glaubt sich nach Paris "versetzt, wenn man die neuangelegten 
Straßen Vittore Emanuele, Carlo Alberto oder die Galleria Vittore Ema- 
nuele betritt. Der Mittelpunkt des alten mittelalterlichen Mailand, die 
Piazza dei Mercanti mit dem Palazzo della Ragione und dem alten Palazzo 
della Citta ist gänzlich in den Hintergrund getreten; das Centrum der 
modernen Bauanlagen ist der Domplatz geworden. Auch in der Anlage 
seiner öffentlichen Gärten, seiner großen Hötels, den ausgedehnten Ver- 
kehrslinien im Innern der Stadt hat Mailand einen durchaus modernen 
Charakter. Die großen Bauten aus alter Zeit, aus dem Mittelalter und der 
Renaissance, blicken auf eine neue Generation, die allen modernen Insti- 
.tutionen zugänglich ist und die daher auch die Idee, eine italienische 
Ausstellung auf ihrem Gebiete zu beherbergen, mit patriotischer Begei- 
sterung in die Hand genommen hat. 
Es gedeihen in Mailand die Industrie und alle wissenschaftlichen 
Institute, die sich mit technischen Aufgaben beschäftigen. Für die Pflege 
der strengen Wissenschaften hat Mailand nie besondere Sympathien gehabt, 
so wenig wie Venedig. Mailand und Venedig sind niemals Universitäts- 
städte gewesen. Die Landesuniversität für das Mailändische Gebiet ist 
das vereinsamte Pavia; auch in der Pflege der Kunst folgt die Stadt 
ganz modernen Inspirationen. Die Mailänder Akademie der bildenden 
Künste, die Brcra, wendet sich im Ganzen und Grossen dcn Impulsen 
zu, welche von Paris ausgehen. Die Oper und die Musik sind den 
Mailändern an's Herz gewachsen, als modern denkende Menschen sind 
sie auch jetzt Enthusiasten für Beethoven und die deutsche Musik und 
Richard Wagner geworden. Thatkräftig und energisch, wie die Mailänder 
sind, können sie sich nachrühmen, in allen Fragen der Wohlthätigkeit 
und Krankenpflege keiner Stadt der Welt nachzustehen. Ein Beispiel 
erleuchteten Bürgersinnes hat der verstorbene Poldi-Pezzoli gegeben 
durch Gründung eines Museums, das jetzt geöffnet, für alle Kunstfreunde 
einen Anziehungspunkt bilden wird. Es hat sich auch Mailand nicht 
versagen können, seinen Berühmtheiten der alten und neuen Zeit Denk- 
mäler zu errichten; wenn auch das Lionardds und Cavoufs nicht 
beanspruchen können, als Kunstwerke ersten Ranges zu gelten, so sind 
sie doch auf zweckmässigem Platze aufgestellt. Für seine Todten hat Mai-
	        

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